Zur Not mit Sangria-Eimern

1. April 2021. Das Hessische Staatstheater Wiesbaden eröffnet eine temporäre Spielstätte auf der spanischen Insel Mallorca. Ab Mitte April will das Haus seinem Publikum wöchentlich Pauschal-Reisen anbieten, in deren Zentrum der Besuch einer Aufführung des Theaters stehen soll. Intendant Uwe Eric Laufenberg präsentierte das "Wiesbadener Modellprojekt" am Morgen im Rahmen einer Online-Pressekonferenz.

Bierkoenig 400 manwalk pixelio de u"Der Bierkönig" in Palma de Mallorca wird Theaterhaus © manwalk / pixelio.deGrund für das ungewöhnliche Vorhaben sei der anhaltende Lockdown, der einen regulären Spielbetrieb im Stammhaus verbietet. "Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen", so Laufenberg. Zum Auftakt ist für den 17. April die Premiere von Euripides' "Die Bakchen" in seiner Regie geplant. Spielort ist die Freiluft-Diskothek "Der Bierkönig", vor der Pandemie ein beliebter Treffpunkt für Party-Touristen. "Es gibt derzeit noch ein paar Probleme, die haben da zum Beispiel nicht ausreichend Stühle. Aber zur Not drehen wir einfach die Sangria-Eimer um."

Kooperationspartner des Staatstheaters ist die Tourismus-Agentur "Ab-In-den-Süden". Das Modellprojekt sieht vor, dass das Publikum sich am Samstagmorgen auf dem Vorplatz des Wiesbadener Theaters sammelt. Hier sollen sich die Zuschauer*innen Corona-Schnelltests unterziehen. Danach geht es in Shuttle-Bussen zum Flughafen Frankfurt am Main und von dort in einem gecharterten Flugzeug nach Palma de Mallorca.

Tickets sind ab sofort an der Theaterkasse für 180 Euro pro Person zu erwerben. Darin enthalten sind Flug, Hotelzimmer mit Halbpension, eine "Pilgerreise" genannte Besichtigung der Finca, in der Thomas Bernhard auf der Insel wohnte, Animationen durch Ensemblemitglieder und zum Abschluss der Besuch einer Vorstellung im "Bierkönig". Am Sonntagvormittag folgt der Rückflug.

"Wir orientieren uns an den antiken Mysterienspielen und laden unser Publikum ein, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang Theater zu erleben", so Laufenberg. Ursprünglich sollten die Theaterreisen nach Syrakus ins dortige Amphitheater führen, die Verhandlungen mit den sizilianischen Behörden seien jedoch gescheitert. "Nach Mallorca dürfen Deutsche ohne Problem reisen. Und letztlich ist es gleich, wo wir spielen. Hauptsache wir kommen wieder in Kontakt mit unserem Publikum."

(Hessisches Staatstheater Wiesbaden / miwo)

 
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