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Pfusch am Bau

Stuttgart, 24/25. Januar 2012. Wie das Württembergische Staatstheater Stuttgart mitteilt, wird eine befriedigende Sanierung des Schauspielhauses bis zur Wiedereröffnung am 17. Februar nicht gelingen. Zwar soll die Premiere von "Don Karlos", inzeniert vom Hausherrn Hasko Weber, wie geplant am 17. Februar stattfinden, genauso wie Sebastian Baumgartens Inszenierung von Jean-Paul Sartres "Das Spiel ist aus" einen Tag später. Letzere Inszenierung ist für eine Drehbühne konzipiert, die derzeit allerdings nur im Handbetrieb funktioniert. Ist dieses Problem in drei Wochen nicht behoben, kann das Stück nicht gespielt werden.

"Wir sind dem Theater sehr dankbar", sagt Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster, derzeit auch Vorsitzender des Verwaltungsrates, "dass es in ein nicht fertiggestelltes Haus umzieht. Es sind erhebliche Mängel vorhanden."

Die Liste der Malheurs im Bühnen-, Zuschauer- und Foyerbereich umfasst gegenwärtig noch drei Seiten. Weder Züge und Wagen, mit denen die Dekoration bewegt wird, befinden sich in einwandfreiem Zustand. Ballett-Aufführungen, für den 23. März waren drei Premieren geplant gewesen, können aufgrund der Defizite in Technik und Sicherheit im Schauspielhaus derzeit überhaupt nicht stattfinden.

Bereits im letzten Jahr war die Wiedereröffnung des Schauspielhauses wegen der sich verzögernden Baumaßnahmen und zahlloser Mängel um vier Monate auf Februar 2012 verschoben worden.

Zum geplanten Eröffnungstermin wird sich das Theater weiterhin in einem derart beklagenswerten Zustand befinden, dass zwar die bis Spielzeitende geplanten Premieren zur Aufführung kommen sollen, "Einschränkungen bei der Anzahl der Aufführungen und Produktionen sowie der Verlust von geplanten Wiederaufnahmen" bis zum Sommer indes "unvermeidlich" sein werden. Die bereits aufgetretenen und die sicherlich künftig noch auftretenden Mängel ("Sitzkomfort und Beinfreiheit" etwa sind im Zuschauerraum ab der 8. Reihe "stark", ab der 12. Reihe "sehr stark eingeschränkt", Sicht- und Hörbehinderung herrschen auf 20 Plätzen) sollen nun in "einer verlängerten Sommerpause abgearbeitet" werden.

Die Staatliche Vermögens- und Hochbauverwaltung und die Theater führen derzeit mit den ausführenden Firmen "Gespräche", wie der vollständige Betrieb für die kommende Spielzeit zu gewährleisten sei. Die Sanierungskosten belaufen sich insgesamt, nach bisherigen Verlautbarungen, auf 24 Millionen Euro. Aus den Fehlern müsse gelernt werden, sagte OB Schuster, denn bald stünden Sanierungsarbeiten im Opernhaus an. Und jeder Schließtag in der Oper kostet 50.000 Euro. Im Schauspiel kostet eine Woche, in der nicht gespielt werden kann, diesen Betrag.

(Württembergisches staatstheater Stuttgart/ Stuttgarter Nachrichten / jnm)

 
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