Hässliche alte Welt

28. November 2023. BDS und Postkolonialismus machen seit Jahrzehnten aggressiv Stimmung gegen Israel. Deutsche Kulturinstitutionen wollen davon nichts mitbekommen haben. Was für eine Bankrotterklärung!

Von Esther Slevogt

28. November 2023. Jeden Tag eine neue Nachricht aus der schönen neuen Welt des Antisemitismus, die tatsächlich eine uralte ist. Doch zur Selbsterneuerung sucht er sich immer wieder neue Wirtsdiskurse, den Postkolonialismus zum Beispiel. Dieser Diskurs bietet aktuell wohl die optimale Folie, vor deren Hintergrund der Judenhass gerade so gesund und munter aussieht wie seit fast hundert Jahren nicht mehr.

An der Berliner Universität der Künste zum Beispiel. Dort hat am 13. November eine Performance stattgefunden, von der nun in der FAZ Claudius Seidl ein erschütterndes Zeugnis ablegt. Um die Mittagszeit hätten sich etwa hundert Studierende in der Eingangshalle versammelt – einige mit Transparenten, auf denen "Condemn Genocide" oder "Stop Colonialism" und natürlich "Free Palestine" stand. Die meisten trugen Seidl zufolge schwarze Kleidung und schwarze Corona-Masken, die Innenflächen ihrer Hände waren blutrot bemalt. Hierfür lieferten die Studierenden unterschiedliche Erklärungen, etwa, dass dies ein Zeichen für das Blut an Politikerhänden wäre.

"Jeder, der sich mit der jüngeren Geschichte Israels beschäftigt hat, werde die roten Hände aber anders deuten", führt Seidl weiter aus: "Im Oktober 2000 wurden, in der Nähe von Ramallah, zwei israelische Reservisten wegen Falschabbiegens verhaftet und festgesetzt in einem Polizeirevier. Männer, die mit Messern und Stangen bewaffnet waren, stürmten das Revier und lynchten die beiden Israelis. Und dann trat einer der Mörder ans Fenster und zeigte der Menge seine blutverschmierten Hände." Diese Umkehr der Täter- und Opfersymbolik ist typisch für die Stimmung dieser Tage, wo selbst internationale Organisationen zu den Verbrechen des 7. Oktobers schweigen oder diese leugnen beziehungsweise relativieren.

Israelische Studentin betritt Uni nicht mehr

Doch zurück zur UdK. Als deren Präsident Norbert Palz auf der Bildfläche erscheint und mit höflichem Faktenvortrag zu intervenieren versucht, eskaliert die Veranstaltung der FAZ-Beschreibung zufolge. "Palz hatte aus Sicht der Studenten den unverzeihlichen Fehler begangen, in einer offiziellen Stellungnahme der UdK den Terror der Hamas zu verurteilen und sich mit dem Staat Israel solidarisch zu erklären."

"Condem! Condem!", skandierten orchestrierte Chöre immer wieder, dirigiert und gesteuert auch von zwei bekannten Gesichtern aus dem BDS–Umfeld. Gefordert wurde Seidl zufolge, "der Präsident möge die Bundesregierung davon überzeugen, dass sie Israel nicht mehr unterstütze. Und diese, von keinerlei Wissen getrübte, absolute Gewissheit, dass Israel ein völkermörderischer, Apartheid praktizierender, faschistischer Staat sei, was der Präsident doch wisse und nur nicht zugeben wolle." Eine israelische Studentin, die ihr Entsetzen über die Massaker der Hamas habe ausdrücken wollen, sei niedergebrüllt worden, bis sie weinend davonlief. Die UdK hat sie seitdem nicht mehr betreten.

Betragensnote "Pro Zionist"

Das sind die Nachrichten, die mein bürgerliches Heldenleben gerade verdüstern. Da verschaffen auch Veranstaltungen wie der große Promiauflauf von Igor Levit bis Alexander Scheer am 27. November im BE (den ich als Stream verfolgte) nur sehr kurzfristig Linderung. Denn die Neuigkeiten aus dem Universum des Judenhasses nehmen kein Ende: Tagesspiegel und Spiegel etwa berichten vom "Index of Cultural Institutions & Collectives’ Stance Towards The Current Palestinian Liberation Movement". Auf dem so überschriebenen Google-Dokument sind über tausend Kultureinrichtungen in aller Welt aufgelistet – mit einer Art Benotungssystem, was ihre jeweilige Haltung zum Nahostkonflikt betrifft. Dabei werden auch Einrichtungen, die das Massaker und die Massenvergewaltigungen der Hamas am 7. Oktober kritisierten, mit dem Vermerk "Pro Zionist" versehen.

Screenshot 01 Kolumne Esther 805 29 11 23Screenshot der Google-Liste, die inzwischen auch die Polizei beschäftigt und nicht mehr erreichbar ist.

Gute Noten und der grün unterlegte Vermerk "Support" werden an Institutionen vergeben, die sich proaktiv auf die Seite der Hamas und der Palästinenser stellten – zwischen beidem wird auf der Liste kein Unterschied gemacht. Neben der Benotung "silent" oder "checking" (wenn eine Haltung noch nicht identifiziert werden konnte) gibt es den Vermerk "Censorship" (wenn Einrichtungen vor dem Hintergrund der aktuellen Krise Veranstaltungen abgesagt oder Leute ausgeladen haben). Die Berliner Volksbühne allerdings erhielt für ihre Ausladung Jeremy Corbyns von einer Konferenz die Betragensnote "Pro Zionist", ebenso die Kurzfilmtage Oberhausen, deren Leiter das Massaker am 7. Oktober öffentlich verurteilte. Die Liste fordert außerdem dazu auf, weitere Hinweise zum Betragen von Kulturinstitutionen zu geben. Ein Einreichformular für diese Einladung zur Denunziation wird freundlicherweise gleich mitgeliefert

Eine Ideologie auf dem Vormarsch

Die Saat der BDS-Kampagne geht dieser Tage besonders fruchtbar auf. BDS, das steht für "Boycott, Divestment and Sanctions" und baut seit seit fast zwanzig Jahren erhebliche Drohkulissen auf, um Individuen, Firmen oder Institutionen zum Boykott gegen Israel, gegen israelische Waren und Dienstleistungen, israelische Künstlerinnen und Künstler, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Sportlerinnen und Sportler zu drängen. Auf das Konto der BDS-Propaganda gehen die Angriffe auf Starbucks- und McDonalds-Filialen in den Tagen nach dem 7. Oktober, die Übergriffe auf jüdische Studierende, Hass und Desinformation. Man muss nur auf die Webseite des deutschen BDS-Ablegers gehen, um die unterschwellige Gewalt ganz unmittelbar erleben zu können, die von dieser weit verzweigten Organisation ausgeht. Die BDS-Kampagne hat in den Jahren seit ihrer Gründung 2005 weltweit Universitäten ebenso wie internationale Kultureinrichtungen mit mit ihrer Ideologie infiltriert

Ihre Nobilitierung durch die wichtigsten Kulturinstitutionen und Theater dieses Landes (und deren Leitungen) erreichte die BDS-Bewegung mit der Erklärung der "Initiative GG 5.3 Weltoffenheit" vor vier Jahren. Zu den Unterzeichnenden gehörten die Intendant*innen der Berliner Festspiele, des Deutschen Theaters Berlin, des Bündnisses Internationaler Produktionshäuser, der Münchner Kammerspiele sowie des Deutschen Bühnenvereins. Die Initiative reagierte auf einen Bundestagsbeschluss, "keine Veranstaltungen der BDS-Bewegung oder von Gruppierungen, die deren Ziele aktiv verfolgen, zu unterstützen".

Screenshot 02 Kolumne Esther 805 29 11 23Einladung zur Denunziation | Screenshot

Die Initiative kritisierte nun, dass "wichtige lokale und internationale Stimmen aus dem kritischen Dialog ausgegrenzt werden sollen“ – und meinte unter anderem den Gegenwind, den die Einladung des kamerunischen Historikers und Philosophen Achille Mbembe zur Ruhrtriennalen-Eröffnung 2020 nach sich zog (die dann Corona-bedingt abgesagt wurde). Der 1957 geborene Mbembe gilt als einer der weltweit wichtigsten Theoretiker des Postkolonialismus. Seine erklärte Nähe zum BDS und dessen umstrittenem Hauptclaim, der multiethnische Staat Israel sei ein Apartheidsystem, hatte ihn aus der Sicht vieler Kritiker*innen für einen Auftritt in einem staatlich finanzierten Kulturereignis disqualifiziert. "Die historische Verantwortung Deutschlands darf nicht dazu führen, andere historische Erfahrungen von Gewalt und Unterdrückung moralisch oder politisch pauschal zu delegitimieren", hatten die Unterzeichner der "Initiative GG 5.3. Weltoffenheit" mit Bezug auf Mbembe damals geschrieben.

Sinistre Meinungen

Aber was soll das eigentlich heißen? Aus heutiger Sicht klingt dieser Satz aus dem Plädoyer unserer Kulturoberen wie die akademische Version des Rufs "Free Gaza from German guilt", der seit dem 7. Oktober immer wieder skandiert wird. Als wären Deutsche auf Grund ihrer Schuld per se zu keiner gültigen Meinung in dieser Frage berechtigt oder überhaupt dazu fähig. Als bestünde nicht über die Hälfte der multiethnischen israelischen Gesellschaft aus Menschen, die gewaltsam aus arabischen und afrikanischen Ländern vertrieben wurden, weshalb sie überhaupt keine "Weißen" sind. Als wäre der Postkolonialismus bei allen Verdiensten mit seinem blinden Fleck, was den eigenen Antisemitismus betrifft, nicht längst auch eine brandstiftende und diskursverengende Ideologie geworden. Wenn Leute sinistren Meinungen, fundamentalistischen Ideologien oder Vorstellungen anhängen, dass etwa die Welt eine Scheibe ist oder Darwins Evolutionstheorie gegen die Erkenntnisse der Bibel verstößt, würde man dann auch sagen: Der Mensch hat halt andere Erfahrungen?

Aus heutiger Sicht erscheint mir diese Erklärung jedenfalls wie eine tragische Bankrotterklärung, die eher zum indolenten wie inadäquaten Verhalten der sonst so meinungsfreudigen Kultureinrichtungen nach den Verbrechen des 7. Oktober beigetragen hat, als zur angestrebten Weltoffenheit. Im Grunde ist sie das traurige Dokument der Ideologisierung vieler Kultureinrichtungen, die sie jetzt in diesen Krisenzeiten so navigationsunfähig und vulnerabel macht. Weil man vielen von ihnen einfach keine Haltung mehr zutrauen kann.

 

Kolumne: Aus dem bürgerlichen Heldenleben

Esther Slevogt

Esther Slevogt ist Chefredakteurin und Mitgründerin von nachtkritik.de. In ihrer Kolumne Aus dem bürgerlichen Heldenleben untersucht sie: Was ist eigentlich mit der bürgerlichen Öffentlichkeit und ihren Repräsentationspraktiken passiert?

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Kommentare  
Kolumne Slevogt: Bravo
Bravo. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Dieses undifferenzierte Block-Denken ist unerträglich. Besonders das erwähnte Google-Doc verschlägt mir die Sprache.
Kolumne Slevogt: Gut, aber spät
Diese Kolumne ist gut, kommt aber zu spät. Sie ist reaktiv.
Kolumne Slevogt: Dank
#1 - in der Tat: Unerträglich ist dieses BDS-Blockdenken. Dank an Esther Slevogt. Ob "reaktiv" oder nicht, ist mir völlig egal. An die BDS-Leute gerichtet eine Zeile aus einem Erich-Kästner-Gedicht: "Die Seele kocht, und die Vernunft erfriert." Titel des Gedichts: "Denn ihr seid dumm"
Kolumne Slevogt: Magen dreht sich um
Wenn das wirklich stimmt, was Sie von der UdK berichten, dann ist das sehr, sehr schlimm. Was sagen dazu die Professorinnen und Professoren, die Lehrbeauftragten? Der Kultursenator? Die Studentenvertreter?
Ich habe dort studiert und mir dreht sich gerade der Magen um. Grauenhaft.
Kolumne Slevogt: Unterschriften überdenken
Vielleicht haben ja auch die BDS-Drohkulissen schon in soweit ihre Wirkung getan, daß die Insitutionen Angst haben, sich zu äußern - ich meine, diese Liste spricht doch für sich. Allerdings müssten alle Unterzeichner dieser befremdlichen Weltoffenheits-Initiative sich doch zumindest mal äußern oder ihre Unterschriften überdenken. Gruselig alles!
Kolumne Slevogt: Glaubwürdigkeit des Bühnenvereins
Carsten Brosda muss seine Unterschrift bei der Initiative „GG 5.3 Weltoffenheit“ zurückziehen. Es ist höchste Zeit. Seine Ausflüchte diesbezüglich sind nicht mehr tragbar und werden für die Glaubwürdigkeit des Bühnenvereins in dieser Sache zum Problem.
Kolumne Slevogt: Was noch erwähnenswert ist
Erwähneswert ist, dass das der Leiter des Humboldt-Forum ebenfalls Unterstützer des Aufrufes GG5.3 ist (https://www.humboldtforum.org/de/presse/mitteilungen/plaedoyer-der-initiative-gg-5-3-weltoffenheit/) und, im Gegensatz zu Barbara Mundel, auch nach dem 7.10. nicht bereit war seine Unterschrift zurückzuziehen, weil diese Initiative seiner Auffassung nichts mit Antisemitismus zu tun habe. Zur erwähnen ist auch, dass es seinerzeit eine Initiative "Artist Against Antisemtism" , die u.a. von der Band Tocotronic initiiert wurde (https://artistsagainstantisemitism.org/kampagne/ ). Dort finden sich aus den Ensembles der großen Berliner Theater lediglich zwei Namen, nämlich die von Almut Zilcher vom DT und Silvia Rieger Volksbühne.
Kolumne Slevogt: Abweisende Kälte
Ein sehr wichtiger Text von Esther Slevogt. Es ist nicht das Engagement für die Menschen im Gaza-Streifen, das schockiert. Die Bilder und Nachrichten aus Gaza sind schockierend. Und das Engagement der Menschen und die Emphatie mit den Opfern ist verständlich. Es ist die abweisende Kälte der Reaktionen der deutschen Institutionen in Bezug auf die Ereignisse des 7. Oktobers, welche schockiert. Ich bin sehr froh über diesen Text, weil der Text ein Unbehagen beschreibt für das - u.a auch ich selber - keine richtigen Worte finden. Und ich bin dankbar, nun auf diesen Text verweisen zu können.
Kolumne Slevogt: Antisemitismus als Fundament
Ein weiteres Beispiel ist das AREAS Network - Arts in Rural European* Areas (* and beyond) https://www.network-area.eu/
Unter dem Slogan "AREA stands for Palestine" wird für den 05.12. zu einem "Open Meeting" (online) eingeladen. In der Einladungen werden widerlegte Behauptungen über die Politik Israels wie "Apartheidsystem", "Besatzung" usw. und antisemitische Stereotype reproduziert. In diesem Meeting werden ausschließlich "palästinensische Aktivisten" und ihre Supporter auftreten.
Das AREAS-Network ist aus IETM hervorgegangen. Es stellt sich die Frage, ob hier mit Fördermitteln der EU BDS-Aktivitäten unterstützt werden.
Kolumne Slevogt: Zeit, sich zu engagieren
Danke Frau Slevogt für diesen Text. Zeit sich zu engagieren. Keinen Millimeter den Antisemiten.
Kolumne Slevogt: Fassungsloses Entsetzen
Selbstgerecht ignorant gefährlich… Wie kann man dem nur beikommen. Danke Esther Slevogt.
Kolumne Slevogt: Klares Zeichen setzen!
Es wird einem schlecht, wenn man das liest. Mein Entsetzen ist wirklich groß. Wie kann es außerdem sein, daß der Bühnenverein immer noch hinter der Infiltration der Kunst- und Kulturszene durch BDS steht. Ist man dort so naiv? Das hat doch Methode, mit der hier diese Drohkulissen aufgebaut werden. Hier muss ein klares Zeichen her. Bekennt Euch zu Menschlichkeit und Respekt!
Kolumne Slevogt: Dank an Sharon Otoo
Der 7.10 war eine Zäsur, da kann man nicht so weitermachen wie bisher. Vorbildlich finde ich, wie sich gerade Sharon Otoo verhält, die ganz klar sagt, dass sie heute so einen Aufruf wie "artists for palestine" nicht mehr unterschreiben würde. Sie hat es damals - und so wird es vielen gegangen sein - für einen friedlichen Protest gehalten, für eine Alternative zum Terrorismus. Das ist BDS usw eben gerade nicht, sondern eher so etwas wie der kulturelle Arm der Hamas. Seit dem 7.10 haben wir die Gewissheit. Jetzt ist auch jeder/m klar, wofür die Parole "from the river to the sea" steht. Frau Otoo findet auch die richtigen Worte für die Angehörigen in Israel, wenn sie ihr Bedauern ausspricht, dass "wir als Nichtbetroffene" nicht genug deutlich machen konnten, dass wir mit ihnen empathisch sind und solidarisch. Solche Gesten gibt es eben auch und die sind gerade sehr, sehr wichtig. Dank an Sharon Otoo.
Kolumne Slevogt: Sprache
Welche Sprache sie da benutzen. Welche Saat wurde denn für Ihre eigene Ideologisierung benutzt, Frau Slevogt? Hoffe Sie haben bei aller Ereiferung Zeit sich diese Frage mal zu stellen. Die berechtigten Aspekte Ihrer Kritik stumpfen an Ihrer generalisierenden Scheuklappen-Argumentation einfach ab.
Kolumne Slevogt: Durcheinander geworfen
Der ganze Text, Frau Slevogt, ist engagiert, aber nicht klug. Er ist nicht klug, weil er alles durcheinander wirft, die Irren von der UdK zum Beispiel mit der Initiative Weltoffenheit. Das eine sind offensichtlich vom BDS orchestrierte Vollidioten, die schamlos auf Seiten der Antisemiten stehen und jeden Diskurs, jeden Austausch abtöten wollen. Das andere sind um den Diskurs besorgte Institutsleiter, die sich in ihrem Papier klar vom BDS distanzieren, es steht da wortwörtlich, dass man den BDS und seine Ziele ablehnt.
Das alles miteinander zu verquirlen ist wenig hilfreich.
Kolumne Slevogt: Verharmlosung
Ich muss leider widersprechen #15. Es ist das Ziel der BDS-Kampagne, den Diskurs zu beherrschen und in seinem Sinn zu lenken: dass so viele Menschen weltweit gegen Israel und Juden sich positionieren, wie möglich. Hier nicht wachsam zu sein, ist naiv und sehr gefährlich. Das hat der Bundestag erkannt und 2019 zu unterbinden versucht. Die "besorgten Institutsleiter", wie Sie das so verharmlosend nennen, haben sich gegen diesen Versuch gewandt, den Einfluß der BDS-Kampagne im Kulturbereich, zumindest was seinen staatlich finanzierten Teil betrifft, einzuschränken.
Kolumne Slevogt: Sichere Heimat für Hass
Werte/r F.S., was genau haben Sie an der Sprache auszusetzen? Grammatik? Synthax? Der Inhalt kommt doch klar rüber. Wenn Sie mehr über diese üble Saat wissen möchten, informieren Sie sich über den BDS: "Boycott, Divestment and Sanctions". Der Verein bietet Antisemiten, Juden- und Israelhassern eine sichere Heimat. England ist führend, Deutschland holt jedoch auf.
Und: wie ich finde, ereifert sich Esther Slevogt kaum. Sie bleibt sachlich. Es besteht allerdings sehr wohl Grund, sich zu ereifern und gegen diese Ideologie zu kämpfen. Mit Respekt und Menschlichkeit. Gegen Hass.
Kolumne Slevogt: Gegenvorschlag?
@MM Was schlagen Sie denn vor, wenn mein Ausdruck etwas verharmlost. Was ist denn in Ihren Augen ein treffender Ausdruck?
Kolumne Slevogt: Alle Schichten
BDS hat fast zwei Jahrzehnte sich tief in alle gesellschaftlichen Schichten gegraben mit dem einzigen Ziel, Israel zu delegitimieren. Unsere Kultureinrichtungen beteiligen sich fleißig daran. Der Bühnenverein muß hier endlich ein Zeichen setzen und seine Unterschrift von dieser Erklärung der Initiative zurückziehen.
Kolumne Slevogt: Wichtiger Beitrag
Danke für den wichtigen Beitrag! Insbesondere die Ereignisse an der UdK sind erschütternd. Nicht nur wegen des Antisemitismus, sondern auch wegen der schieren Dämlichkeit, gepaart mit Arroganz. Ob solche Leute in Theaterensembles gehören, von denen - zu Recht - mehr und mehr Mündigkeit verlangt wird, ist zu fragen.
Unverständlich ist mir die Kritik, die "Initiative GG 5.3 Weltoffenheit" werde im Artikel in einen Topf mit dem UdK-Skandal geworden, denn das Thema bildet einen Block für sich. Initiativen, die von solchen kulturpolitischen "Schwergewichten" ausgehen, sind ja eine Seltenheit, weil die Protagonist*innen vielbeschäftigt sind und normalerweise anderes zu tun haben. Daher hat es mich, milde gesagt, merkwürdig berührt, als für den nachweislich antisemitischen BDS und einen nachweislich antisemitisch argumentierenden Philosophen ein derartig prominenter Zusammenschluss zustandekam, um "israelkritische" Diskursbeiträge zu schützen, die in Wahrheit weltweit und auch in großen Teilen der deutschen Gesellschaft längst tonangebend sind.
Dass Barbara Mundel und Michael Grosse unterm Eindruck des Hamas-Terrors ihre Unterschriften offenbar zurückgezogen haben, ist umso ehrenwerter. Wolf Biermann hat es im "Berliner Ensemble" auf den Punkt gebracht: Die Palästinenser befreien, das könne nicht mal Israel mit seinen vielen Waffen, über die man froh sein müsse - das könnten nur sie selbst, wenn sie sich aus ihrer Unmündigkeit und dem Missbrauch durch ihre vorgeblichen arabischen "Brüder" befreiten. Von Freiheit aber will der völkisch-autoritäre BDS nichts wissen. Seine Vertreter*innen haben noch keine Diskussionsrunde, in der ich war, bereichert. Außer vielleicht durch wildes Geschrei, wenn ihnen etwas nicht passte.
Kolumne Slevogt: Danke
einfach nur: danke für diesen Kommentar
Kolumne Slevogt: Spirale
Wenn man das liest, kriegt man Angst. Ich höre immer, im Kunst- und Filmbereich ist es noch viel schlimmer. Was können wir denn tun, um nicht weiter in diese Spirale zu geraten. Wo sind die Mutigen, die gegen diese Erpressungs- und Bedrohungsszenarien aufstehen? Die Frage, warum sich der Bühnenverein nicht von dieser Erklärung distanziert, verstehe ich vollkommen.
Kolumne Slevogt: Initiative GG 5.3 Weltoffenheit
Auszug (Homepage 2022) der Initiative GG 5.3 Weltoffenheit:

„Wir halten den kulturellen und wissenschaftlichen Austausch für grundlegend und lehnen den Boykott Israels durch den BDS weiterhin ab. Der gemeinsame Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus und jede Form von gewaltbereitem Fundamentalismus steht im Zentrum unseres Plädoyers von 2020. Dafür setzen sich die jeweiligen Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen im Rahmen ihrer jeweiligen Arbeit aktiv ein.“
Kolumne Slevogt: Dröhnendes Schweigen
Zur Strategie von BDS: Das D für "Desinvestition" lässt sich umstandslos durch eines der 3 Ds aus dem Antisemitismus-Test ersetzen, dient es doch in erster Linie der Delegitimierung, Dämonisierung und des double standards gegenüber Israel: Der materielle Schaden ist gering, der idelle (symbolische) umso größer. Es geht darum, kulturelle Hegemonie zu erringen, wie Gramsci das genannt hat - das hat sich ja nicht nur unter Linken herumgesprochen. Der 7.10. hat gezeigt, wie erfolgreich diese Strategie war - das "dröhnenden Schweigen" hallt nach... Am eindringlichsten beschrieben von Eva Illouz, die ursprünglich auch zu den Unterstützer*innen der Initiative Weltoffenheit gehörte. Sie hat ihre Unterschrift zurückgezogen und der globalen Linken vorgeworfen, die israelische Linke verraten zu haben. Wie konnte das passieren? Die einzige plausible Antwort erscheint mir, dass es BDS gelungen ist, zu einer Ideologie zu werden, die sich in den Köpfen der Menschen fest gesetzt hat: die "Emanzipation der Massen von der Wirklichkeit", wie Hannah Arendt geschrieben hat. Gespenstisch, wie viele Menschen auf der ganzen Welt die Begriffe wiederholen, die ihnen BDS immer wieder eingeflüstert hat: "Apartheid", "Genozid", "weißer Siedlerkolonialismus"... keiner dieser Begriffe hält einer kritischen Prüfung stand, aber das macht keinen Unterschied, denn die Menschen, die sie benutzen, interessiert das nicht. Die Gegenargumente sind längst bekannt, aber warum erreichen sie die Menschen nicht? Weil Aufklärung gegen Ideologie kaum eine Chance hat. Ideologien funktionieren durch mantrahafte Wiederholung und sie zeichnen sich durch eine Mischung aus Wahn und Logik aus - die Grundannahme kann total irre und abstrus sein, aber alles was daraus abgeleitet wird folgt einer gnadenlosen Rationalität und Logik, die so bezwingend ist, dass die irre und abstruse Grundannahme immer weniger irre und abstrus erscheint, sondern mit jeder Wiederholung logischer und rationaler... und am Ende wird ausgerechnet aus dem Staat Israel, der von Menschen aufgebaut wurde, die der Vernichtung entkommmen oder vor Verfolgung geflüchtet sind, ein "Siedlerstaat", in dem es keine Zivilist:innen mehr gibt, sondern nur noch "Siedler" oder "Zionist:innen", deren gewaltsamer Tod nicht zu betrauern ist... dann zeigt sich, wofür das D tatsächlich steht: Dehumanisierung. Aber selbst das auszusprechen bewirkt nichts, denn Ideologien nutzen einen Trick, der immer funktioniert - wie ein Spiegelkabinett werfen sie das eigene Bild zurück: Die eigene Gefühlskälte wird dem Gegenüber untergeschoben. Und wie so oft bei einer Lüge, die in der Wirklichkeit wirksam wird, scheint es zunächst so zu sein, als würde die Wirklichkeit sie auch noch unterstützen, zumindest eine Weile lang... nur dass das in diesem Fall einem zynischen Kalkül folgt. Die Hamas weiss, was sie tut. Auch die Zivilbevölkerung von Gaza wird von ihnen wie Geiseln behandelt. Selbst Bilder von Massakern an den "eigenen Menschen", die fliehen wollten, bewirken nichts. Dabei würde es doch schon reichen, sich zu fragen, wie es kommt, dass 500 km bombensichere Tunnel gebaut wurden, aber die Zivilbevölkerung schutzlos bleibt... auf genau dieser Frage muss man bestehen. Die andere Seite wird alles dran setzen, wieder nur von Israel zu reden. Aber diese Frage darf man nicht unbeantwortet lassen. "Für den Schutz aller Zivilist:innen?" Was denn sonst?
Kolumne Slevogt: BDS
Lieber Alex, danke für deinen klarsichtigen Text, was den BDS betrifft. Dennoch geht es hier nicht in erster Linie um den BDS, sondern um dessen Saat, der - so die These des Essays - aufgegangen sei mit der Initiative 'Weltoffenheit GG 5.3'. Wenn dem so ist, wie Slevogts Text wagemutig in den Raum stellt, müssten wir hier nicht über den BDS sprechen, sondern über eine Neu-Rechtfertigung dieser Iniative. Und die Verantwortung jener, die sie lancierten. Natürlich geht es auch darum zu prüfen, welches Ressentiment stärker gewichtet. Sowohl das Ressentiment gegen Israel steht hier zur Debatte, als auch das Ressentiment gegen Themen des 'globalen Südens'. Beide Formen des Ressentiments sind wohl toxisch, weil sie Rassismen bergen. Das Schweigen der Initianten von 'Weltoffenheit GG 5.3' fördert sicher die Versachlichung nicht.
Kolumne Slevogt: Danke Alex
Danke Alex, Dein Beitrag hilft mir, mehr zu verstehen. Ich habe den Verdacht, dass BDS in Deutschland bei Theatern, Schauspielerinnen, Schauspielern und bei Intendanten auf fruchtbaren, judenfeindlichen Boden fällt. Die ohrenbetäubende Stille hält an. Es ist daher wichtig, dagegen anzugehen.
Kolumne Slevogt: Gegeben ist gegeben
#25 Es hat schon die Versachlichung der Weltoffenheit-Initiative nicht gefördert, dass die lautstarken und expliziten Begrüßer derer jede kleinste, begründete Kritik daran mit einem Antisemitismus-Vorwurf mundtot gemacht hatten.
Ich bin prinzipiell gegen "Rücknahme" von Unterschriften, gleich wofür. Gegeben ist gegeben.
Ich bin aber für ein bedeutend genaueres und tiefes Überlegen vor dem Leisten von Unterschriften. Gleich, zu welchem Zeitpunkt und unter welchem inneren oder äußeren Druck. Wer so schnell bis vorauseilend - was auch immer - unterschreibt, hat vor allem zu wenig Selbstachtung oder generell keine Achtung vor Namen als Nomen und ihrer Abkunft, vermute ich.
Kolumne Slevogt: Nur die halbe Wahrheit
Warum nicht #27? Wie in #13 steht: Sharon Otoo hat ein bewundernswertes Beispiel gegeben. Oder Eva Illouz oder Barbara Mundel gegenüber der Initiative GG 5.3 Weltoffenheit. Aus heutiger Sicht sieht sie darin eine "Normalisierung des institutionalisierten Israelhasses". Zum gleichen Schluss kam Esther Slevogt. Sama Schwarz hat recht, es reicht nicht über BDS zu sprechen. Es geht um diese Initiative. Sie haben sich nicht zum offenen BDS-Fürsprecher gemacht, das stimmt #23. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Sie haben BDS-Positionen dadurch ermutigt, dass sie zB Mbembe gegen "Antisemitismus-Vorwürfe" in Schutz genommen haben. Dabei hat Mbembe selbst für die Ausladung einer israelischen Wissenschaftlerin gesorgt, also BDS-Politik praktisch durchgesetzt. Nur um sich dann umso lauter wegen seiner eigenen Ausladung zu beschweren. Und das hat Methode: wer hat denn mit den Listen angefangen? Und dem Zwang zum Bekenntnis? (s.o.) Das war der BDS. Und da wundert man sich, wenn das wie ein Bumerang zurückkommt? Nein, das Skandalöse an der Initiative Weltoffenheit ist doch die behauptete Äquidistanz. Und dazu dann die Verklärung von Mbembes BDS-Praxis als "andere Erfahrung", die "nicht ausgegrenzt werden sollte". Nein, das ist es eben nicht, sondern eine allzu bekannte politische Positionierung, die eben nicht auf Analyse & Kritik setzt, sondern aufs Ressentiment. Und man unterstützt so etwas nur, wenn man im Grunde genommen genauso denkt. Aber das gibt man nicht zu, sondern versteckt sich hinter der angeblich "anderen Erfahrung". Daher hat diese Petition, die auf den Fuss folgte und eine entschiedene BDS-Apologie gefordert hat ("Wir können nur ändern, was wir konfrontieren, die hunderte bekannte Künstler:innen, Wissenschaftler:innen und Kurator:innen unterschrieben haben) die wahre Absicht ganz richtig erkannt - sie haben die "dog-whistle" gehört, wie man das in Bezug auf verklausulierten Rassismus nennt - aber so lange wir nicht gewillt sind, die Erkenntnisse aus der antirassistischen Arbeit für den Anti-Antisemitismus zu Rate zu nutzen, sondern lieber weiter munter das eine gegen das andere ausspielen, wird sich auch nichts ändern und lachender Dritter bleibt die AfD.
Kolumne Slevogt: nachtkritik.de
Zur Vollständigkeit gehört auch dass nachtkritik Frau Carp das eigene Portal für einen Rechtfertigungsartikel in Sachen Mbembe überlassen hat, ohne eigenen Kommentar. In der sie alle schwachen Argumente und Kapriolen noch einmal wiederholen darf. Korrektiv bleiben dann Kommentare (und die Medienschau).

Problem der Medien allgemein --> die dekoloniale Haltung zum Popkulturellen Befehl hochschreiben (lassen) und sich dann wundern.
Auch die Initiative Weltoffenheit ist von nachtkritik.de ist bei Gründung nicht kommentiert oder kritisiert worden. Dabei hat sich deren Haltung/ "Plädoyer" ja nicht geändert. ich habe auch kein Interview bei nachtkritik gefunden, dass eine/n der Teilnehmenden Menschen zu diesem Engagement befragt hätte.
Kolumne Slevogt: Umfrage zur Weihnachtszeit?
Was Scarab vorschlägt, ist eine gute Idee. nachtkritik.de sollte unbedingt die Unterschreibenden befragen. Eine aktuelle Frage zur Weihnachtszeit. Machen die das?

___________________
Werter Klaus Wilhelm,
das Onlinemagazin "Die Ruhrbarone" hat bereits eine solche Umfrage durchgeführt und die Ergebnisse veröffentlicht. Wir haben hier darüber berichtet:
https://www.nachtkritik.de/meldungen/zwei-intendanten-ziehen-unterschriften-unter-initiative-gg-5-3-weltoffenheit-zurueck
Herzliche Grüße aus der Redaktion
Kolumne Slevogt: Mut
Nach bald einem Monat des lauten Schweigens, des Relativierens, der Unwissenheit und des Phrasendreschens in der Kunst machen dieser Beitrag und die Kommentarspalte endlich wieder ein wenig Mut. Danke. Es ist nötig.
Kolumne Slevogt: BDS-Versteher
Den BDS-Beschluss des Bundestages kann man kritisch sehen - die Sorge von Veranstalter:innen, in Zukunft Künstler:innen-Polizei spielen zu müssen ist nachvollziehbar. Aber man hätte schon mehr Sorgfalt darauf verwenden können, nicht als BDS-Versteher:in missverstanden werden zu können. Dieser eine Satz, der in #23 zitiert wird ist etwas sehr dünn.
Aber noch wichtiger als der Wortlaut der Erklärung ist doch, was danach geschehen ist: Haben sich die Kunst- und Kulturinstitutionen tatsächlich für Dialog eingesetzt oder nicht? Ist es nicht so, dass das deutsche Goethe-Institut tatsächlich oft der letzte Raum ist (war?), in dem israelische und palästinensische Menschen aufeinander getroffen sind und miteinander diskutiert haben? Und ist es nicht anderseits so, dass die arabischen Staaten alles daran setzen, genau das zu verhindern? Aber wie soll dann jemals der Friedensprozess wiederbelebt werden? Kann es sein, dass genau das das Ziel von BDS und den arabischen Staaten ist - die Wiederbelebung des Friedensprozesses zu verhindern???
Darüber hätte man tatsächlich besser nachdenken können. Aber es ist ja nie zu spät (heißt es)...
Kolumne Slevogt: Nachtrag
Kurzer Nachtrag: Die Initiative Weltoffenheit wurde ja vor ziemlich genau drei Jahren auch während Chanukkah publiziert - trotz der Beteiligung einiger jüdischer Menschen - was damals durchaus irritiert hat. Nachzulesen übrigens in dem Buch "Über jeden Verdacht erhaben? Antisemitismus in Kunst und Kultur", hg. von Stella Leder.
Kolumne Slevogt: Heimlich, still und leise
In der letzten Version ihrer Website wendet sich die Initiative mit einem "Statement" an die Internetöffentlichkeit. Der "Arbeitskreis" "setzte" sich auseinander. Heimlich, still und leise ist aus dem Engagement (das nie zu einem praktischen wurde) ein ehemaliges geworden, eine Archivseite, ohne dass die Initiatoren Archiv drüberschreiben.
Kolumne Slevogt: Schlechtes Timing
Nachtrag zum Nachtrag #33: das timing war doch insgesamt sehr unglücklich: anderthalb Jahre nach dem BDS-Bundestahsbeschluss, mitten im ersten Corona-Winter, während Demos von Corona-Leugnern stattfanden, die sich einen gelben "Judenstern" mit der Aufschrift "Ungeimpft" angeheften oder Kinder, die bekunden, sich "wie Anne Frank" zu fühlen, weil sie ihren Kindergeburtstag nur im Kreis ihrer engsten Familie feiern durften... und zu so einem Zeitpunkt dann diese Initiative, als hätten die Kunst- und Kulturinstitutionen keine anderen Probleme. Ich habe es damals nicht verstanden und verstehe es bis heute nicht...
Kolumne Slevogt: Timing jetzt
Was ist denn mit dem timing JETZT? Heisst es nicht zu recht gerade "Never again is NOW"? Wie kommt es, dass nach dem 7.10. nur 1-2 Leute ihre Unterschrift zurückgezogen haben? Was ist denn da los? Korpsgeist zwischen den Leiter:innen deutscher Kulturbetriebe? Unfähigkeit, Fehler einzugestehen und zu korrigieren? Oder einfach Opportunismus und Feigheit vor einem einzigen mächtigen Kulturbürokraten?
Kolumne Slevogt: Weltoffenheit?
Ein Nachtrag ganz eigenen Rechts ist die neueste Debatte am Theater Neumarkt: Sieht so "Weltoffenheit" in der Praxis aus, dass man in vorauseilendem Gehorsam einem antiisraelischen Gesetz aus dem Libanon Folge leistet und eigene Mitarbeiter diskriminiert? Dazu und zum Thema BDS insgesamt sei das Buch von Alex Feuerherdt und Florian Markl empfohlen: "Die Israel Boykott-Bewegung - alter Hass in neuem Gewand". Da erhält man eine historische Perspektive: diese Bewegung gibt's ja nicht erst seit 18 Jahren, sondern sie begann schon vor der israelischen Staatsgründung - zeitweise war es ein veritabler Wirtschaftskrieg. Sehr interessant, wer damals wie darauf reagiert hat... irgendwann wurde sogar Gesetze dagegen erlassen wegen "Einmischung in innere Angelegenheiten". Damals versuchte das Boykott-Büro nämlich auch zu bestimmen, welche Mitarbeiter:innen ihnen genehm seien (keine israelischen, oft auch keine jüdischen)... Nix Neues also unter der Sonne. Aber welche Lehre zieht man daraus?
Kolumne Slevogt: US-Unipräsident*innen
Also als Nachtrag eigenen Rechts würde ich va die Anhörungen der Uni-Präsidentinnen vor dem Kongress in den USA betrachten wg der antisemitischen Aktivitäten von Studierenden: Sie haben sich alle gewunden, um nicht sagen zu müssen, dass der Aufruf zum Judenmord gegen den "Code of conduct" auf dem Campus verstösst: "it depends on the context" wurde schon zum geflügelten Wort und hat zu Hohn und Spott im Netz geführt. Aber was sich da offenbart ist erschreckend: Der Fisch stinkt tatsächlich vom Kopf her. Wenn von der Leitungsebene so wenig Haltung gezeigt wird ist es doch kein Wunder, wenn solche Dinge passieren wie an der UdK in Berlin. Ich fürchte, Slevogt hat leider vollkommen recht.
Kolumne Slevogt: Torsun Burkhardt
Nachtrag zu 7: Es war Torsun Burkhardt von Egotronic, der Artists Against Antisemitism gegründet hat.
R.I.P. du guter Mann
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