Medienschau: Elfriede Jelinek – Die Nobelpreisträgerin zum Ende der Intendanz Stemann/Blomberg in Zürich
Raus mit ihnen!
Raus mit ihnen!
14. Februar 2025. Die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek nimmt in einem Text auf ihrer Website Stellung zum Intendanz-Aus von Nicolas Stemann und Benjamin von Blomberg am Schauspielhaus Zürich.
Der Vertrag des Duos war nach fünf Jahren mit Verweis auf die finanzielle Lage des Hauses nicht verlängert worden. Im letzten Sommer wurden Stemann / von Blombeg von Interimsintendant Ulrich Khuon abgelöst.
Jelinek geht in ihrem Text in dem für sie typischen Kalauer-Stil auf die Gründe für die Nichtverlängerung ein. "Der Punkt also, wo alles zusammenläuft und sich entsetzt aneinanderklammert, weil sie gleich alle bankrott sein werden, ist, man glaubt es nicht, nein, nicht schon wieder, da kommt es schon wieder auf uns zu, verfehlt uns aber leider, wie immer: Das Geld. Zürich ist eine arme Stadt und will nicht noch ärmer werden wegen ein paar Kasperln. Der Konkurs des Hauses droht, ja, er ist vielleicht schon angekommen und packt gerade seine Argumente aus, die sich in einem schicken Argumente-Etui befinden, was haben wir da: einen als 'woke' verschrieenen Spielplan, war da noch was?"
Nicolas Stemann, den Jelinek im Text einen "Meister" nennt, hat zahlreiche ihrer Texte uraufgeführt.
Hier geht es zum vollen Text mit dem Titel "Nicht versetzt".
(www.elfriedejelinek.com / miwo)
mehr medienschauen
meldungen >
- 17. April 2026 Kunststiftung Sachsen-Anhalt warnt vor nationalistischer Kulturpolitik
- 16. April 2026 Göttingen: Schauspielerin Thyra Uhde gestorben
- 16. April 2026 Salzburg: Ex-Festspielpräsident Heinrich Wiesmüller gestorben
- 16. April 2026 Konstanz: Intendantin Karin Becker verlängert
- 15. April 2026 Preisjurys der Mülheimer Theatertage 2026
- 13. April 2026 Chemnitz: Theater wehrt sich gegen Abschaffungspläne
neueste kommentare >
-
Thyra Uhde Tiefstes Mitgefühl
-
Wokey Wokey, München Virtiosität schlägt Inhalt
-
Frauenliebe und - sterben, Hamburg Leichte Irritation
-
Nach dem Leben, Nürnberg Empfehlung
-
Die Quelle, Wien Claquere unterwegs
-
Leser*innenkritik Black Rider, SHL Flensburg
-
Burn, Baby, Burn!, Hannover Sagenhaft gut
-
Die Quelle, Wien Bitte weitermachen
-
Fräulein Else, Wien Danke!
-
Über die Notwendigkeit, ... , Wiesbaden Super Abend





Es scheint, als würde die Theaterbubble mittlerweile völlig unkritisch das Narrativ von Bloomberg/Stemann und ihren Gefolgsleuten Jelinek, Milo Rau und anderen zu übernehmen. Die Sache ist aber meiner Meinung nach nicht so schwarz-weiss wie dargestellt. Meine Gründe:
1) Bei Jelinek lese ich: "Die Stadt...hat ihr Wir... gegenüber einer Theatergemeinschaft das etwas wollte, das den Oberen offenkundig nicht gefallen hat, in Gegnerschaft gesetzt...". Ich würde sagen da waren mehrere Akteuren: die bürgerliche Zeitung NZZ und ihre Gefolgsleute haben Stimmung gegen "Woche" gemacht, die Stadt hingegen hat die Intendanz lange mitgetragen. Was ist geschehen, dass die Stadt nicht mehr mitmachte?
2) Die Intendanz war bei Publikum mässig erfolgreich. Einerseits sicher aufgrund der Stimmungsmache der NZZ. Andererseits aber auch, weil die Vorstellungen oft unterdurchschnittlich waren, oder auch nicht dem Interesse und Standard des Zürcher Publikums entsprach. Leonie Böhm war beim Grossteil ein totaler Flop und ihre reduzierten, Bühnenlosen, ziemlich banalen und einstündigen Theaterabenden sind vielleicht für eine Hippe Kleinbühne toll, aber sicher keine 100 CHF auf der Pfauenbühne. Stemann machte Vorbühnenstücke oder die Inszenierung "Sonne, los jetzt" von Jelinek war ja jetzt wirklich eher chaotisch und altbacken, als gut gemacht. Rüping floppte und brillierte: geniales wechselte sich mit belanglosem ab (er war immerhin der erfolgreichste). Gesches Inszenierungen waren neben "Holozän" einfach mehrheitlich langweilig und eher vollgepumpt mit Technik als berührend oder "poetisch" (Man denke an Momo oder Afterhour...). Einzig moved by the motion machte grandiose Inszenierungen, sind dann aber an der "Woke"-Propaganda von rechts gescheitert. Trajell Harrell ist schwierig und der Tanz hat keine gute Basis in Zürich. Das Jungend-Programm lief prächtig und wird von Suna Gürler auch weitergeführt. Unabhängig davon: Experimente sollten sein, und manchmal entsteht grandioses dabei - so auch in Zürich. Das soll uns noch nicht davon abhalten, sie aus der Stadt zu jagen. Aber was war noch?
3) Internas: Es wird unter den Teppich gekehrt, und die einen loben die beiden nun, weil sie ihnen Jobs gaben. Aber: das Haus wurde ausgepresst: Die Werkstätten unterbeschäftigt, die Technik überfordert. Das Haus als Betrieb stand definitiv nicht hinter der Intendanz. Auch haben sich die einzelnen Ensembles zerfleischt. Zudem: Die einen haben unglaublich viel verdient, während andere sehr schlechte Verträge hatten. Schlussendlich haben sie an der Kasse und im Zuschauerraum gekloppt. Mit einer unter 50%-Auslastung, während Bern, Luzern, ST.Gallen oder auch Basel schon wieder Zahlen über 80% hatten.
4) Die Intendanz sah sich von Anfang an in einem Widerspruch zur Stadt (man denke an Rüpings erste Inszenierung Früchte des Zorns). Man hat sich nie für die Stadt oder die freie Szene interessiert. Tatsächlich haben sie einfach ihr Ding gemacht, und meinten dann die Stadt ist nicht progressiv genug. Aber so einfach ist es nicht - tatsächlich floppten doch am meisten die biederen, privat-häuslichen Abende von Leonie Böhm oder umarmenden Inszenierungen von Rüping. Es war einfach oft, ja wirklich, zu banal. Zu einfach. Zu simpel. intellektuell unterkomplex. Inszenatorisch uninteressant. Aber wenn Florentina Holzinger in der Gessnerallee ist, dann ist das Ding ausverkauft und die Leute jubeln.
5) Schlussendlich: Ich denke es war ihre Kommunikation, und ihr Gebahren, progressives Theater zu machen, was aber für die meisten (Stimmen die ich wahrgenommen habe) eher spiessiges Getue und befindliche Selbstbespielung. Wenn ich den ganzen Tag arbeite, dann interessieren mich doch die Befindlichkeiten von Schauspieler:innen auf der Bühne einfach nicht?
(https://www.nachtkritik.de/medienschau/medienschau-tagblatt-kein-konkurs-am-zuercher-schauspielhaus)
Dass eine solche Institution davon überfordert sein soll, Visa zu besorgen, ist zumindest bemerkenswert.