Medienschau: FAS – Spielzeitauftakt mit Angst vor weiterem Publikumsschwund

Theater als Event

Theater als Event

28. August 2022. In der FAS (€) schreibt Ralph Bollmann über die ökonomische Lage der Theater zum postpandemischen Spielzeitauftakt – mit Angst vor weiterem Publikumsschwund. "Klar scheint nur eines zu sein: Die Pandemie hat wie in anderen Bereichen der Gesellschaft einige Trends beschleunigt, die sich auch vorher schon abzeichneten."

Durch den "langsamen Abschied vom Abonnement" seien die Theater gezwungen, ihren Vorstellungen "Eventcharakter" zu geben und auch mehr aufs Drumherum zu achten: "In den Niederlanden oder dem Vereinigten Königreich, den alten Handelsnationen, die ihre Kulturbetriebe traditionell sparsam subventionieren, ist das längst üblich: Vielerorts gibt es das Programmheft gratis, bisweilen sogar die Getränke in der Pause. Einige Tage im Voraus kommt eine Mail, die auf gastronomische Angebote oder Parkmöglichkeiten hinweist, hinterher gibt es eine Nachbereitung. Auf gar keinen Fall darf eine Vorstellung ausfallen, auch wenn man dafür mit Aushilfen und Umbesetzungen improvisieren muss."

Viele Häuser könnten noch eine Weile von den Reserven zehren, die sie in der Corona-Zeit angesammelt haben, so Bollmann: "So wie die Bahn in der Pandemie ohne Passagiere besonders pünktlich war, ist ein hoch subventioniertes Theater paradoxerweise gerade dann am rentabelsten, wenn es nicht spielt: Bei den Einnahmen entfällt nur der kleinste Posten, der Kartenverkauf, bei den Ausgaben hingegen der größte, das Personal – zumindest dort, wo man es in Kurzarbeit schicken kann. Nicht alle Häuser durften oder wollten das voll ausschöpfen, andere mussten die Rücklagen an ihre Zuschussgeber zurückzahlen. Die meisten aber behielten es in der eigenen Kasse."

Aber über einen längeren Zeitraum werde es nicht gehen, "ohne dass die gleichfalls klamme öffentliche Hand den Inflationseffekt ausgleicht".

(FAS / sd)

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Medienschau Publikumsschwund: Problem liegt woanders
"Einige Tage im Voraus kommt eine Mail, die auf gastronomische Angebote oder Parkmöglichkeiten hinweist, hinterher gibt es eine Nachbereitung. Auf gar keinen Fall darf eine Vorstellung ausfallen, auch wenn man dafür mit Aushilfen und Umbesetzungen improvisieren muss."

Diese Art von Servicemails bieten auch viele deutsche Theater, Opern - und Konzerthäuser auch seit Jahren an. Das bieten vollständig automatisierbar einige Ticketingsysteme (z.b. von Eventim) schon lange (Konzerthaus Berlin, BE, Deutsches Theater, Theater Bremen und und und)...

Kostenlose Programmhefte gibt es gelegentlich auch in Deutschland (zumindest für Abonnenten, z.b. bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, auch in der Elbphilharmonie gab es das schon häufig). Ein kostenloses Getränke in der Pause bietet z.b. auch die Deutsche Kammerphilharmonie an, für alle Mitglieder des Fördervereins.

"Kostenlos" ist allerdings ein dehnbarer Begriff, denn Kosten entstehen, jemand muss sie tragen. Im Zweifel der Steuerzahler beim deutschen Stadt- und Staatstheater.

Und: die Leute gehen nicht nicht ins Theater, weil es kein kostenloses Glas Sekt gibt...

Die Problematik des Publikumsschwunds liegt ja ganz woanders...
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