Medienschau: nd – Über BIPoC-only*-Theaterabende und den Universalismus der Kunst

Essentieller Widerspruch? 

Essentieller Widerspruch? 

13. Oktober 2022. Im nd denkt Erik Zielke über identitätspolitische Praktiken nach, die er im Widerspruch zum Universalismus des Theaters beziehungsweise der Kunst überhaupt sieht. 

Anlass ist die Vorgehensweise der Sophiensaele, eine Aufführung ihrer aktuellen Tanzproduktion "Yeye" von Lois Alexander als BIPoC-only*-Veranstaltung anzukündigen; also als Abend ausschließlich für Menschen, die sich selbst als "Black, Indigenous and People of Color" positionieren.

"Jenseits der unklaren Gemengelage, die einen neuen Essenzialismus zur Bedingung eines Theaterbesuchs macht und die gleichzeitig diesen Essenzialismus durch 'Selbstpositionierung' dekonstruieren möchte, wirft diese Praxis an Theatern, die derzeit im Übrigen unter einem beträchtlichen Zuschauerrückgang zu leiden haben, einige Fragen auf", argumentiert Zielke. "Das Theater verspielt seine eigenen Grundlagen, wenn es seinen universalistischen Anspruch aufgibt, und sei es nur für einen Abend."

(nd / cwa)

Kommentare  
Medienschau nd: Eher weiß
Na, der Universalismus ist ja bisher eher weiß - und alles andere als universell. Ich finde das zu kurz gedacht.
Medienschau nd: Universalismus
@Mascha:

Universalismus ist erst einmal eine Idee und hat keine Farbe. Wenn nicht der Universalismus als solche Idee universell ist, verlieren Worte ihre Bedeutung. Wenn Sie aber meinen, dass die Vertreter*innen des Universalismus mehrheitlich weiß sind, trifft das zwar in Deutschland vielleicht zu (?), heißt im Umkehr Schluss aber noch nicht, dass die Idee eine weiße Menschen privilegierende ist. Zu kurz gedacht ist es nur, wenn niemand weiterdenkt.
Medienschau nd: …müssen draußenbleiben
Theater ist ein Ort, wo ich mich im Zuschauerraum meiner Identität gerne entledigen möchte, um dabei zu zu sehen, wie er auf der Bühne Identitäten gestaltet, gewechselt, gefeiert und gemischt werden. Dazu braucht es doch eigentlich keine Ausschlussverfahren. Ins Theater gehen sollten alle, die Leidenschaft dafür haben, unabhängig von Zuschreibungen.
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