Medienschau: NDR, MDR – Zur Zukunft des Hamburg Ballett
Reparaturen am Imageschaden
Reparaturen am Imageschaden
14. Juni 2025. Nach der Trennung von Intendant Demis Volpi wird diskutiert, wie es am Hamburg Ballett weitergeht. Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda, der die Besetzung zu verantworten hat, sagte dem NDR, "man sei aktuell dabei zu sortieren, wie jetzt mit der Situation umzugehen sei und er wolle jetzt vor allem nach vorne blicken".
Anders als beim Findungsprozess, der Volpi als Nachfolger des 51 Jahre das Hamburg Ballett prägenden Choreographen John Neumeier bestimmte, soll nun auch das Ensemble in die Besetzung des Intendanz-Postens einbezogen werden, so der NDR.
Bis eine Nachfolge gefunden ist, übernehmen drei Personen interimistisch die Leitung der Kompanie: der stellvertretende Ballettintendant Lloyd Riggins, Ballettbetriebsdirektor Nicolas Hartmann und die stellvertretende Direktorin der Ballettschule Gigi Hyatt.
Gestrichen sind mit dem Aus von Demis Volpi auch etliche Programmpunkte auf dem Spielplan des Hamburg Ballett: Ersatzlos gestrichen wird dem WDR zufolge Volpis Produktion "Demian". Die Ballett-Tage Anfang Juli eröffnen nicht mit dessen Ballett "Surrogate Cities", sondern mit der "Kleinen Meerjungfrau" von John Neumeier. Betroffen sind "zahlreiche weitere Termine der Spielzeit", so der WDR.
Nach Kritik an Demis Volpis Führungsstil und der Kündigung mehrer Erster Solist*innen des Hamburg Balletts hatte die Hamburger Kulturbehörde vor wenigen Tagen den Vertrag des Ballettintendanten aufgelöst und ihn von seinen Aufgaben freigestellt. Beschwert hatten sich die Tänzer:innen dem NDR zufolge über schlechte Kommunikation, fehlende Transparenz und eine oft abschätzige Haltung Volpis gegenüber Mitgliedern der Kompanie.
(NDR, WDR / eph)
mehr medienschauen
meldungen >
- 17. April 2026 Kunststiftung Sachsen-Anhalt warnt vor nationalistischer Kulturpolitik
- 16. April 2026 Göttingen: Schauspielerin Thyra Uhde gestorben
- 16. April 2026 Salzburg: Ex-Festspielpräsident Heinrich Wiesmüller gestorben
- 16. April 2026 Konstanz: Intendantin Karin Becker verlängert
- 15. April 2026 Preisjurys der Mülheimer Theatertage 2026
- 13. April 2026 Chemnitz: Theater wehrt sich gegen Abschaffungspläne
neueste kommentare >
-
Thyra Uhde Tiefstes Mitgefühl
-
Wokey Wokey, München Virtiosität schlägt Inhalt
-
Frauenliebe und - sterben, Hamburg Leichte Irritation
-
Nach dem Leben, Nürnberg Empfehlung
-
Die Quelle, Wien Claquere unterwegs
-
Leser*innenkritik Black Rider, SHL Flensburg
-
Burn, Baby, Burn!, Hannover Sagenhaft gut
-
Die Quelle, Wien Bitte weitermachen
-
Fräulein Else, Wien Danke!
-
Über die Notwendigkeit, ... , Wiesbaden Super Abend





Leider muss ich Ihnen widersprechen, denn Herr Zinnecker verpackt hier seine Meinung einfach noch einmal anders als in seinen vorherigen Artikeln. Er mag die Arbeiten von John Neumeier nicht und lanciert die Vermutung, dass dieser selbst hinter "der Intrige" gegen Demis Volpi steckt. Dabei nutzt er tendenziöse Behauptungen und rethorische Fragen.
Besser informiert über die Fakten seine Kollegin Hannah Knuth in Zeit Nr. 19/25, leider hinter der Bezahlschranke. Erstaunlich, dass Herr Zinnecker diese Fakten nicht zur Kenntnis nimmt.
Mit freundlichen Grüßen, Eva aus Hamburg
Dank für die Zeilen. Es wäre ein Wunder gewesen, verliefe dieser Leitungswechsel geräuschlos. Wahrscheinlich gehört es dazu. Die Hauptaufgabe des Theaters, sagte Heiner Müller einmal, "ist die Intrige".
Liebe Grüße
Ich möchte Eva zustimmen, nachdem ich den bei #1 empfohlenen Podcast gehört habe. Insbesondere fielen mir dort wenig aktuelle Kenntnisse über die Positionierung der Ballett-/bzw. Tanzsparten in der deutschen Theaterlandschaft auf. Es wurde sinngemäß behauptet, dass die Tanzsparten in Abhängigkeit zur Oper stünden, wo sie gelegentlich für tänzerische Aufgaben gebraucht würden. Vielmehr ist die Abschaffung dieser Einsätze seit mehr als 30 Jahren flächendeckend im Gange. Vielerorts war sie mit einem stilstischen Wechsel weg vom Ballett als Spitzentanz verbunden. Dass das Hamburger Ballett durch einen Intendanten geleitet wird, ist zudem nicht (wie beschrieben) als einzigartige Konstruktion zu bewerten. Auch andernorts finden sich Intendanzen in dieser Sparte (z.B. Stuttgart, Dortmund, Essen oder als Intendanz Tanz in Mannheim). Es wird m.E. allgemein zu wenig auf die jeweils bestehenden Strukturen und deren Interventionsmöglichkeiten bei Fehlentwicklungen geschaut. Als es in Hamburg schief lief, blieb nur der Hilferuf nach dem Kultursenator. Es gab in Hamburg eben keine hausinterne Instanz, die solche Konflikte bearbeitet oder kompetent vermeiden hilft. Hut ab auf jeden Fall für die mutige Herangehensweise der Tänzer/innen aus Hamburg und Düsseldorf! Es wundert mich immer wieder, wie oft Fehlbesetzungen hätten vermieden werden können, wenn sich die Entscheider/innen im Vorfeld über das Image der Bewerber/innen informieren würden. Es gibt leicht zu recherchierende Presseberichte zu problematischen Persönlichkeiten, bei denen man nicht einmal zwischen den Zeilen lesen müsste. Mögen die Berichte zur Causa Volpi teilweise zu publikumsorientiert, zu wenig kritisch, redundant etc. gewesen sein, so bin ich über jeden Kommentar auch froh. Sollte der Skandal in Hamburg wirklich so hausgemacht und nur von lokalem Interesse sein? Wohl kaum. Stillschweigen (vor allem über die Höhe der Abfindung) scheint im Moment aber interessanter zu sein als umfassende und fachkundige Recherche zu einem durchaus komplexen Feld.