Medienschau: Neue Osnabrücker Zeitung – Offener Brief gegen Intendanz

Bevormundung

Bevormundung

7. Oktober 2025. Die Neue Osnabrücker Zeitung berichtet über einen Offenen Brief, in dem Kulturschaffende die "Demokratisierung des Theaters" fordern. Sie schließen an die Debatte um die Absetzung des Stückes "Ödipus Exzellenz" an.

Die Absetzung des Stückes "Ödipus Exzellenz" durch Osnabrücks Intendant Ulrich Mokrusch (hier die jüngste Meldung dazu) gibt den Verfasser*innen des Offenen Briefs, der laut Angaben der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) über 600 Unterstützer*innen gefunden hat, Anlass "überkommene Strukturen am Theater" zu kritisieren. "Sie fordern eine politische Debatte über Entscheidungs- und Arbeitsstrukturen an den Städtischen Bühnen", heißt es im Bericht der NOZ und weiter: "Die Autoren des offenen Briefes interpretieren die Vorgänge als Bevormundung des Publikums und der Gesellschaft durch den Intendanten."

(noz.de / chr)

Update vom 9. Oktober 2025.

Am 7. Oktober ist auf dem Portal der Stadt Osnabrück eine Stellungnamhe des Aufsichtsrats des Theaters und der Stadt Osnabrück erschienen: "Nach der Absetzung des Stückes „Ödipus Exzellenz” findet am Theater Osnabrück eine interne Aufarbeitung statt. Der Prozess ist in vollem Gange, es liegen jedoch bereits erste konstruktive Vorschläge vor. Die Details dieser internen Arbeit fallen in die Verantwortung der Geschäftsführung aus Intendant und Kaufmännischem Direktor des Theaters." Und weiter: "Wir sehen in der Absetzung weder einen Skandal noch einen Eingriff in die Kunstfreiheit. Das Regieteam und das Theater, vertreten durch den Intendanten, hatten einen Vertrag geschlossen, auf dessen Grundlage die Entscheidung erfolgte. Das ist kein ungewöhnlicher Vorgang im Theaterbetrieb und liegt in der Hand des Intendanten. Unabhängig davon, ob man die Absetzung richtig oder falsch findet: Theater und Regie haben einen gemeinsamen Vertrag geschlossen und die Intendanz darf darauf vertrauen, dass dieser Vertrag eingehalten und respektiert wird."

(informiert.osnabrueck.de / chr)

Kommentare  
Medienschau Osnabrück: Dranbleiben
Beachtlich dieser offene Brief in der NOZ! Hoffentlich mauert die Stadtspitze nun nicht erst recht... Nach langjähriger Erfahrung mit verschiedenen Leitungsmodellen muss ich zugestehen, dass es nicht nur um das andere Leitungsmodell geht, sondern auch darum, dass das Leitungsmodell zum Leitungspersonal passt. Mental umpolen vom einem zu andern, klappt eher nicht. Auch sollte es Standard werden, dass die Gremien, die das Leitungspersonal auswählen, in den Besetzungsverfahren detaillierter zu Führungsthemen nachfragen. Die negativen Auswirkungen z.B. einer Fehlbesetzung auf die Theatermitarbeitenden (und das Publikum bzw. die Öffentlichkeitswirksamkeit des Hauses) sind dann keine "Überraschung" mehr, falls man überhaupt davon (aus der Presse!) erfährt. Bitte weg von einem zu unkritisch gewährten Vertrauensvorschuss für neue Intendanzen. Liebe Osnabrückerinnen: einfach dranbleiben, dann kann es anders laufen!
Medienschau Osnabrück: Stellungnahme Aufsichtsrat
Es ist irritierend, dass Nachtkritik in der aktuellen Berichterstattung zur Osnabrücker Theaterdebatte lediglich den Offenen Brief zur „Demokratisierung des Theaters“ wiedergibt, jedoch die öffentliche Stellungnahme des Aufsichtsrats der Städtischen Bühnen Osnabrück unterschlägt.

Gerade diese Stellungnahme liefert wesentliche Informationen, um die Vorgänge um die Absetzung von „Ödipus Exzellenz“ angemessen einzuordnen. Der Aufsichtsrat betont darin, dass weder ein Eingriff in die Kunstfreiheit noch ein Skandal vorliegt, sondern ein vertraglicher Vorgang, der in der Verantwortung des Intendanten liegt. Zudem verweist er auf bestehende transparente und partizipative Entscheidungsprozesse am Theater Osnabrück, die seit Jahren etabliert und zuletzt sogar weiterentwickelt wurden.

Indem Nachtkritik diese Perspektive unerwähnt lässt, entsteht der Eindruck einer unausgewogenen Darstellung, die die institutionelle Verantwortung und die rechtlichen Rahmenbedingungen der Entscheidung ausblendet. Wer eine öffentliche Debatte über „Strukturwandel“ und „Demokratisierung“ des Theaters führen möchte, sollte alle relevanten Stimmen zugänglich machen – gerade jene, die unmittelbar Verantwortung tragen. Nur so kann ein offener, sachlicher Diskurs entstehen.

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(Anm. Redaktion. Ein freundlicher Hinweis auf neue Quellen tut es auch manchmal, insbesondere wenn sie abseits der überrregional leicht zugänglichen Medien liegen. Verschwörungstheoretische Anwandlungen sind unnötig. Der Hinweis auf die Stellungnahme wurde als Update eingefügt. Mit freundlichen Grüßen, Christian Rakow)
Medienschau Osnabrück: Nervt
Die ständige Kritik an Theater-Intendanten ist inzwischen fast ein Volkssport geworden. Und es nervt nur noch! Wer ständig auf Theaterintendanten eindrischt, verkennt nicht nur die Leidenschaft, sondern auch das Durchhaltevermögen, das diese Menschen täglich beweisen. Während andere noch über die Theater jammern, wie hier „leporello“, kämpfen Intendanten mit knappen Budgets, politischen Grabenkämpfen und der Erwartung, jedem Publikumsgeschmack gerecht zu werden – und das alles, ohne ihre künstlerische Vision zu verraten. Wer also glaubt, Theaterchefs seien machtbesessene Sesselfurzer oder Elfenbeinturmbewohner, sollte mal einen Tag hinter den Kulissen verbringen. Der Besucherservice der Osnabrücker Theaters hat da sicherlich ganz gute Angebote für „leporello“.
Medienschau NOZ: Unagebracht
@3 Sehr geehrter Herr Weckherlin, in meiner 45-jährigen kontinuierlichen Theaterarbeit habe ich noch keinen Intendanten, noch keine Intendantin erlebt, die zu ihrem Beruf gezwungen wurden oder ihn aus einer Notlage heraus ergriffen haben nach dem Motto: wenn nichts besseres kommt, dann werde ich halt Intendant, Es ist mir bewußt, daß diese Position nicht einfach und mit enormen Kraftanstrengungen verbunden ist. Aber Empfindlichkeiten sind hier nicht angebracht. Von Schauspielern erwartet man einerseits Empfindsamkeit, Durchlässigkeit, Phantasie und Kraft, andererseits müssen wir stark und gepanzert sein um den Theateralltag auszuhalten und täglich Kritik zu ertragen, sei es von den Damen und Herren der Regie, sei es von der Presse und ja, auch in erheblichem Maße von der Theaterleitung. Ihren Beitrag empfinde ich deshalb , mit Verlaub, höchst unangebracht, zumal hier auch niemand behauptet hat, Intendanten seien machtbesessene Sesselfurzer. Mit herzlichen Grüßen aus Dresden
Medienschau Osnabrück: Kein Theaterradio gehört
Wer sich 2025 als Intendant_In dazu entschliesst eine Premiere abzusagen (aus derart diskussionswürdigen Gründen), ohne um die möglichen Konsequenzen für seine Person in der Öffentlichkeit zu wissen, der hat schon länger kein Theaterradio mehr gehört.
Also seien Sie mir nicht böse Herr Weckherlin, wenn mein Mitleid sich in Grenzen hält. Ihr unermüdlicher und ehrerrettender Einsatz für den Bühnenverein in allen Ehren…
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