Medienschau: Süddeutsche Zeitung – Interview mit Marco Goecke

"Ich habe dafür auch was riskiert"

"Ich habe dafür auch was riskiert"

10. September 2025. Choreograph Marco Goecke gibt kurz vor seinem Start am Theater Basel der Süddeutschen Zeitung ein Interview.

Der unrühmliche Hundekot-Angriff auf die (im Interview nicht namentlich genannte) FAZ-Kritikerin Wiebke Hüster scheint für Goecke inzwischen bestens verarbeitet: "Die Presse hat Schlagzeile nach Schlagzeile rausgehauen und Klicks ohnegleichen kassiert – gutes Geschäft. Ich bin bekannter als je zuvor."

Ansonsten erzählt Goecke im Gespräch mit SZ-Tanzkritikerin Dorion Weickmann von alten Held*innen wie Madonna oder Mick Jagger ("Wobei die Jüngeren gar nicht mehr wissen, wer Mick Jagger überhaupt ist") und gibt sein Unverständnis über ebendiese jüngere Generation zu Protokoll: "Ich fand erstaunlich, wie artig die heute sind: kochen vegan, gehen um elf ins Bett, schlagen scheinbar nie über die Stränge und verlassen sich in jeder Lebenslage auf ihr Smartphone, den großen Google-Flüsterer. Zugleich bewundern sie mich für meine Karriere – aber ich habe dafür auch was riskiert. Ich habe leidenschaftlich gelebt, habe hier im Café Nil auf den Tischen getanzt und bin mit einem Bündel Telefonnummern raus, weil ich so ein heißer Feger war."

Allgemein wendet er sich gegen die "Political Correctness" in der Kunst: "Das führt zu einer Starrheit, einer Unbeweglichkeit, die das Theater gar nicht zulassen darf. Flächendeckende Viktimisierung hilft überhaupt nicht weiter, und das sage ich als schwuler Mann. Theater ist doch der Inbegriff wirklicher Freiheit! Meine Tänzer tragen Wimperntusche und Perlenkette – herrlich! Aber wir haben ja gedacht, wir hätten in puncto Frauen, Schwule, Minderheiten alles erreicht und müssten nicht mehr zum Christopher Street Day. Bis das Netz die Entwicklung regelrecht umgedreht hat. Es sprießen Hass und Ressentiment. Da kommen wir mit Opferhaltung, Anklage und Rückzug nicht weiter."

Mehr am Zeitungskiosk oder hinter Paywall auf sueddeutsche.de.

(sueddeutsche.de / chr)

Kommentare  
Medienschau Goecke: Lieber vegan kochen
Goecke outet sich mit diesem Interview vor allem als langweiliger Spießer selbst, der in bester CDU-Art alle jungen Menschen verallgemeinert und sich selbst auf peinliche Art und Weise als letzten Wilden inszeniert. Nachdem was er der Kritikerin angetan hat, kann er froh sein überhaupt noch Arbeiten zu haben. Lieber vegan kochen und auf seine Work-Life-Balance achten, als völlig gestört einem anderen Menschen Kot ins Gesicht zu drücken!
Medienschau Goecke: Was heißt das?
Das Ziel der Political Correctness ist es, rassistische, sexistische, homophobe Äußerungen zu unterlassern. Wenn Goecke jetzt gegen PC ist, heißt das dann, es ist ihm ein Bedürfnis, sich rassistsich, sexistisch zu äußern? Findet er es gut, für sein Schwulein beleidigt zu werden?
Medienschau SZ Goecke: Führungsposition – warum?
Dass so einer Person nach all diesen Aussagen und seinem misogynen Verhalten überhaupt noch eine Führungsposition angeboten wird – das ist der eigentliche Skandal. Aber anscheinend stört sich weder die Theaterwelt, noch die Stadt Basel, noch die Verantwortlichen daran. Genau darin liegt das Problem. ...

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