Medienschau: SZ– Peter Raue zum Berliner Kulturabbau

Größte Krise seit Jahrzehnten

Größte Krise seit Jahrzehnten

18. Dezember 2024. Joe Chialos "mangelnde Erfahrung, mangelnde Empathie und sein fehlendes Handwerkszeug dürften zur größten Krise der staatlich geförderten Kultur in Berlin seit Jahrzehnten führen." In der Süddeutschen Zeitung lässt der Berliner Anwalt und Kunstförderer Peter Raue kein gutes Haar am Agieren des Berliner Kultursenators und den Sparplänen des Senats.

Nach harten Einschätzungen des Berliner Kürzungsprocederes resümiert Raue: "Ein Kultursenator, der von den ihm anvertrauten Theatern, Opern, Museen Unmögliches verlangt – Kürzungen, die am 19. Dezember 2024 beschlossen werden und am 1. Januar 2025 umzusetzen sind –, hat das Vertrauen der Kulturschaffenden und ihrer Institutionen verloren." Mehr am Zeitungskiosk oder hier hinter Paywall.

(Süddeutsche Zeitung / chr)

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Medienschau Kulturkürzungen: Volksbühne!!
Am heutigen Tag (19.12.2024) sind die Kürzungen im Berliner (Kultur-)Haushalt beschlossene Sache geworden, somit muss die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz wohl 2025 die monströse und ruinöse Sparleistung (2 von 20 Millionen Euro) erbringen. Der Tagesspiegel zitiert die Künstlerische Betriebsdirektorin: "Am Donnerstagabend [19.12.2024] teilt die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz mit, ihre Sparvorgabe von zwei Millionen Euro bedeute rechnerisch, den künstlerischen Etat etwa für Regieteams, Gastschauspieler und Vorstellungen auf null zu setzen. Der unverhältnismäßige Einschnitt lasse den Schluss zu: „Die Volksbühne soll aufs Abstellgleis gesetzt werden“. Nach dem plötzlichen Tod des Intendanten René Pollesch ist die Zukunft des Hauses ohnehin ungewiss: Die für 2027 designierte Intendanz, das Regie-Duo Vegard Vinge/Ida Müller, hatte Anfang Dezember abgesagt. - Man erwäge nun, so die Künstlerische Betriebsdirektorin Celina Nicolay, 2025 auf mindestens zwei Neuproduktionen zu verzichten, frei werdende Stellen nicht nachzubesetzen und die Anzahl der Vorstellungen zu reduzieren. Was eine Minderung der Einnahmen zur Folge habe, die durch womöglich höhere Ticketpreise ausgeglichen werden müssten, was wiederum einen erschwerten Zugang für breite Teile der Bevölkerung bedeute. Ein Exempel für den Teufelskreis, in den auch andere Häuser geraten dürften." https://www.tagesspiegel.de/kultur/130-millionen-euro-weniger-fur-berlins-kultur-sie-bedrohen-das-herz-der-stadt-12904309.html
Die Lage ist insofern maximal besorgniserregend, als auch der ebenso kompetente wie (sonst) engagierte Daniel Wesener (Bündnis 90/Die Grünen) im Interview heute (Berliner Morgenpost) die Frage, ob es nicht eine Option wäre, „ein ganz anderes Theater am Rosa-Luxemburg-Platz in Betracht zu ziehen (Spielstätte Staatsballett/Haus für zeitgenössischen Tanz)“ mit beängstigendem Fokus auf Totaltransformation/Schließung beantwortet und „Denkverboten“ eine Absage erteilt – eine alarmierende Formel für neoliberale Tabulosigkeit, die ich bei Wesener nicht erwartet hätte: „Denkbar ist vieles, aber dafür braucht es mehr als eine spontane Idee, die man einfach so in die Welt hinausbläst, wie es der Kultursenator mitunter tut. Wir haben genügend solcher Beispiele erlebt, etwa bei der Zentral- und Landesbibliothek. Derartige Vorhaben brauchen immer einen gut durchdachten Plan, eine kluge Vorgehensweise und ausreichend Zeit für die Umsetzung. Wenn wir über eine Umstrukturierung eines Stadttheaters sprechen, dann wird das nicht von heute auf morgen gehen. Klar ist, dass es keine Denkverbote geben sollte, vor allem wenn die Kürzungen des Senats auch über 2025 hinaus bestehen bleiben. Dann wird es strukturelle Veränderungen nicht nur im Theaterbereich schon deshalb geben müssen, weil der Status quo mit den vorhandenen Mitteln nicht mehr finanzierbar ist. Gleichzeitig werde ich mit vielen anderen dafür kämpfen, dass sowohl die Volksbühne als auch die als eigenständige Häuser mit ihren jeweiligen künstlerischen Profilen und Komische Oper bedeutenden Traditionen erhalten bleiben.“
Medienschau Kulturkürzungen: Kein Anwalt der Künste
"Chialo erwies sich an diesem kalten Abend in Hamburg als ungemein gewinnender Redner; er hat die Fähigkeit, mangelnde eigene Kenntnis im Bereich der Hochkultur als Vorteil zu verkaufen: Denn wer sich nicht auskennt, der ist auch nicht verstrickt. Hier spricht jedenfalls eher kein Anwalt der Künste, sondern ein freundlicher Revisor, ein bedauernder Controller: Was jetzt passiert, muss sein, tut ihm leid! "

https://www.zeit.de/2025/03/joe-chialo-cdu-berlin-kultursenator
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