Medienschau: Tagesspiegel – Ex-Kultursenator Klaus Lederer zu Berlins Sparpolitik

Brachiale Abrissbirnenmentalität

Brachiale Abrissbirnenmentalität

1. März 2025. Dass sich die politisch Verantwortlichen in Berlin "für Kultur an sich wenig interessieren" und versuchen, "das mit dem Triggern kuntfeindlicher Affekte und von Ressentiments zu übertönen", beklagt Ex-Kultursenator Klaus Lederer (ehemals Die Linke) im Tagesspiegel-Interview.

"Da klingt schon ein bisschen Trumpismus durch", sagt Lederer im Interview mit Nicola Kuhn und Claudia Reinhard vom Tagesspiegel (€) . "Es ließe sich ja ernsthaft diskutieren, was die Berliner Kultur wirklich braucht und was verzichtbar wäre. Aber das passiert ja nicht. Stattdessen werden Excel-Tabellen mit Kürzungen verkündet, bei denen der zuständige Senator offenbar nicht mal mitreden wollte. Anschließend wird die brachiale Abrissbirnenmentalität dann mit neoliberalen Phrasen und Motivationscoach-Sprüchen legitimiert", so Lederer.

(tagesspiegel.de / chr)

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Medienschau Lederer-Interview: Brauchtum der CDU
Klaus Lederer arbeitet vor allem die gesamtgesellschaftliche Bedeutung von Künsten und Kulturen heraus, die eben nicht mit ihrer vielbeschworenen "Umwegrentabilität" deckungsgleich ist. Er übersieht auch nicht, dass es Berührungspunkte zwischen der AfD und der CDU gibt, wenn letztere - ausgerechnet in Gestalt des Kultursenators - den Begriff des "Brauchtums" bemüht. Das Wort "Brauchtum" gehört zum Kernvokabular der AfD, weil es automatisch als fixe, „deutsche“ Größe verstanden wird. Natürlich muss der Tagesspiegel in das Interview mit Lederer eine Abgrenzung zwischen Chialo-CDU und AfD hineinmoderieren - weil kaum jemand begreifen will, dass neoliberales Wirtschaftsverständnis parteiübergreifend längst nicht mehr so tut, als sei es mit einer multikulturellen Gesellschaft vereinbar. Lederer macht schon eingangs klar, dass sich die Kürzungen vor allem auf Projekte beziehen, die mit Diversität und Abbau von Barrieren assoziiert sind. Zusammen mit Kai Wegners legendärem Satz, die Kassiererin im Supermarkt müsse die Opernhäuser finanzieren, die sie selbst nie besuche, produziert diese CDU-Kulturpolitik genau jene "Eliten-Kultur", die sich konträr zu multikulturell engagierten Künstler*innen verhält. Eine solche Kunst- und Kulturpolitik seitens der CDU/CSU muss im Kontext mit dem konzertierten Bashing ("551 Fragen") zivilgesellschaftlichen Engagements gegen die AFDU gesehen werden. Von ebenso großem Belang ist ein Blick auf die "Erinnerungspolitik" der CDU in ihrem Wahlprogramm: Wenn es um den Nationalsozialismus geht, stehen "die Deutschen" als Opfer (!) von Flucht und Vertreibung im Vordergrund. Erika Steinbach könnte 2025 (wieder) problemlos Kultur- und "Erinnerungspolitik" für AfD und CDU machen.
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