Medienschau: taz – Über den Streit um die Osnabrücker Ödipus-Absetzung

"Gar nicht vulgär oder sonst wie problematisch"

"Gar nicht vulgär oder sonst wie problematisch"

14. August 2025. Nadine Conti hat für die taz noch einmal den Konflikt zwischen dem Theater Osnabrück und dem künstlerischen Team um den Regisseur Lorenz Nolting recherchiert. Das Theater hatte eine geplante Inszenierung, in deren Zentrum das Thema Missbrauch in der katholischen Kirche stehen sollte, abgesetzt.

Kernstück und Rückgrat des Stückes sei die Reinszenierung eines Gottesdienstes auf der Bühne gewesen, rekapituliert die taz. Dagegen habe der Intendant ein Veto eingelegt – mit dem Argument, "dass man die Gefühle von Gläubigen im Publikum schützen müsse, religiöse Symbole nicht diskreditieren dürfe. Er habe darauf bestanden, bei Proben anwesend zu sein und immer wieder massiv in die künstlerische Arbeit eingegriffen".

"Ihn habe die Plattheit der Inszenierung gestört, die Effekthascherei im Umgang mit den religiösen Symbolen. Er habe befürchtet, dass die Empörung darüber am Ende das eigentliche Thema überlagert. Deshalb habe er darauf gepocht, dass zwischen der Institution Kirche und dem Glauben an sich differenziert werden solle", gibt der Bericht die Position des Intendanten Ulrich Mokrusch wieder. Die Macher jedoch würden versichern, dass an der Darstellung "gar nichts vulgär oder obszön oder sonst wie problematisch" gewesen sei. "Es sollte vor allem darum gehen, wie von den Tätern und den Vertuschern die Sprache der katholischen Gebete missbraucht wurde, um Missbrauch zu rechtfertigen und die Opfer im Machtsystem zu behalten."

Eigentlich hatte das Theater für den 21. August 2025 eine Ersatzveranstaltung zum Thema Missbrauch in der katholischen Kirche angekündigt. Dagegen wollte nun laut taz wiederum das geschasste Regie-Team protestieren. "Mit der Giordano-Bruno-Stiftung und dem Aktionskünstler David Farago haben sie sich dazu Unterstützung geholt. Farago hat schon öfter mit spektakulären, öffentlichkeitswirksamen Aktionen vor dem Kölner Dom oder auch in Rom dafür getrommelt, der Kirche die Missbrauchsaufarbeitung endlich aus der Hand zu nehmen." Die Stadt tue sich allerdings schwer damit, diese Aktion zu genehmigen, weil dort gleichzeitig noch die sommerliche Konzertreihe "Theater-Beach" stattfindet. "Der Anlass für die Gegenveranstaltung ist in der Zwischenzeit auch entfallen: Das Theater musste seine Veranstaltung absagen."

(sle)

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Medienschau Osnabrück: Weitere Quellen
Flankiert wird das alles von weiteren Artikeln aus den Federn von Bianca Specker (OS KURIER,13.8.2025) und Ralf Nestmeyer (Humanistischer Pressedienst, 31.7.2025).
Nach der Absage der Ersatzveranstaltung der abgesagten Veranstaltung hat sich das alles, denke ich, weit genug ausdifferenziert, um langsam in den Tenor Rainer Schmedemanns und Ralf Nestmeyers hoffend einzustimmen: Möge(n) sich nun, am besten in Münster, Paderborn und/oder Köln, also KATHOLISCHEN HOCHBURGEN, andere Theater „Ödipus Exellenz“ auf den Spielplan setzen; das ist mittlerweile auch keine (bloße) Wunschvorstellung mehr; das Interesse an der Veranstaltung liegt auf der Hand, und eine Inszenierung eines anderen Theaters kann noch schwerlich etwa als unsolidarisch mit dem Theater in Osnabrück gebrandmarkt und wirksam mißverstanden werden. Das Theater Osnabrück hat sich in eine seltsame Lage hineinmanövriert, oder ? Soll da jetzt jedes Forum abgesagt werden fernerhin, wo bestimmte (in den Nachbarthreads hinlänglich aufgeworfene) Fragen gestellt werden können zur Sache ??
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