Medienschau: WDR – Florentina Holzingers Pläne für Venedig

Für die ganz Mutigen

Für die ganz Mutigen

14. Januar 2025. "Die Tierschützer werden bei uns nicht so viel anzuecken haben, sondern eher die Menschenschützer", sagt Florentina Holzinger im WDR und verrät schon ein wenig von ihren Plänen für den österreichischen Biennale-Pavillon in Venedig 2026.

Unter dem Titel "Seaworld Venice" wird Holzinger mit ihrem Team den Pavillon in einem Triptychon von Themenpark, Sakralbau und Kläranlage konzipieren und dabei Installation und Performance verbinden, verrät die Choreografin im Interview mit dem WDR. Fürs Publikum soll es auch Tauchgänge in der Lagune von Venedig geben: "Dieser Tauchgang wird das spezielle Erlebnis, nur für die ganz Mutigen." Es gehe dabei "um eine spirituelle Erfahrung".

(wdr.de / chr)

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Medienschau Holzinger/Venedig: Kunst und Politik
Florentine Holzinger hat sich im WDR ein wenig schwer getan mit ihrem neuen Titel "einflussreichste*r Künstler*in". Sie glaubt gleichzeitig daran, dass eine FPÖ-Kickl-Regierung ihrem/Österreichs Pavillon noch mehr Richtigkeit und Dringlichkeit verleiht. Das Risiko einer Kürzung bei der Pavillon-Finanzierung schätzt sie als nicht sehr hoch ein, implizit ist Kickl - wie alle anderen Besucher*innen - zu einem Tauchgang in der "Seaworld" eingeladen. Vielleicht bleibt ja auch Kickl nicht vom Segment „Kläranlage“ verschont, wenngleich die braune K.cke dann nicht mehr bloß am Dampfen sondern auch in Österreich wieder in Amt und Würden ist. Bei "Menschenschützern" werde man eher anecken als bei "Tierschützern". Natürlich, sie vertritt "Österreich" - nicht Kickl und seine FPÖ. Natürlich, die Wahl fiel auf sie in der Zeit vor Amtsantritt einer FPÖ-ÖVP-Regierung. – Aber inwieweit gehen hier Aktivismus und Autonomie vielleicht doch eine hinterfragbare Symbiose ein? Ja, ich weiß, nähme Holzinger den Hut, würde Kickl einen Breker-Klon reanimieren, Haider klonen und seine Allianz mit Meloni. auch ästhetisch feiern. (Das ist gar nicht nur Übertreibung, sondern der Versuch, die Unvorstellbarkeit zeitgenössischer Zustände zu erfassen.) Die Bezugnahme auf ein „Davor“, das Phantasma eines „überzeitlichen“ Österreich wirkt nach so vielen Jahrzehnten FPÖ-Politik dennoch ein wenig schal. Ich persönlich konnte noch nie an eine „Nation“ glauben, die zu jedem Zeitpunkt auch „Demokratie“ und „Menschenrechte“ verkörpert – Allegorien, die subkutan jedes Unrechtsregime überdauern. Gleichzeitig konnte ein solcher Glaube ehrfurchtgebietenden Widerstand, großartige Kunst zur NS-/Faschismus-Zeit hervorbringen: Aber eben nicht im Auftrag oder an den offiziellen Schauplätzen der/des faschistischen/nationalsozialistischen Regime(s) – sondern in Exil-Ländern, die sich politisch konträr zum Faschismus positionierten (z.B. die USA – damals …), in den Konzentrationslagern oder im lebensgefährlichen Versteck. Inmitten der Kickl-Meloni-/Wien-Rom-(hoffentlich nicht +Berlin)-Achse eine offizielle Kunstplattform zu bespielen – die damit verbundenen Fragen dürften/sollten in Gegenwart und, leider, Zukunft sehr vielen Künstler*innen, Galerien, Kunst- und Kulturinstitutionen zu denken geben. Die Kritik an (darstellenden) putintreuen Künstler*innen war, ist und bleibt berechtigt. Als schaffende*r Künstler*in in aller Öffentlichkeit einen libertär-identitären, im Um- und Andichten wendigen Faschismus wirksam zu durchbrechen kann jedoch ebenso scheitern wie die Umdeutung von Anna Netrebkos „Pace“ in der Partie der Leonora („La Forza del Destino“) zur dezidierten Stellungnahme gegen Vladimir Putin.
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