Presseschau vom 13. April 2012 – Die Süddeutsche Zeitung berichtet, was 6,3 Prozent Tariferhöhung selbst für ein großes Theater wie das Thalia Hamburg bedeuten
In der Folge besonders ungerecht
In der Folge besonders ungerecht
13. April 2012. Die aktuellen Nöte lassen sich auf eine Zahl bringen: 6,3 – das ist der Prozentsatz, um den die Gehälter im öffentlichen Dienst steigen werden. Und dass das selbst ein erfolgreiches Theater wie das Thalia Theater Hamburg, das seit Jahren eines der höchsten Einnahmesolls in Deutschland erfüllt und zudem mit Gastspielreisen viel Geld verdient, zu Fall bringen könnte, beschreibt Till Briegleb heute in der Süddeutschen Zeitung.
Nicht, dass man derartige Sätze nicht schon unzählige Male gehört hätte, schreibt Briegleb, den Satz nämlich, den Thalia-Geschäftsführer Ludwig von Otting auf der Spielplanpressekonferenz gestern verkündete: "Wenn der Bürgermeister seine unmissverständlichen Zusagen nicht erfüllt, dann weiß ich nicht, wie dieses Theater weiter arbeiten soll."
Die Tariferhöhung bedeute ein Fiasko für alle öffentlichen Betriebe, denen die Kommunen diese Erhöhung nicht bezahlen wollen. Und für die Stadttheater habe der Anstieg der Gehälter besonders ungerechte Folgen. "Die Konsequenzen tragen jene, die von diesem Geldsegen gar nicht profitieren: Künstler und Zuschauer. Denn wieder eingespart werden kann diese deutliche Etaterhöhung nur bei den Schauspielern, den Produktionsbudgets und Gagen, also beim Zweck der Institution." Das Thalia müsste von seinem künstlerischen Etat von vier Millionen Euro jene 1,2 Millionen, die dieser Abschluss kostet, an die fest Angestellten umleiten.
Gerüchteweise gebe es inzwischen ein Bürgermeister-Wort von Olaf Scholz, demnach man sich bemühe, die Tariferhöhungen auszugleichen. "Allerdings hat Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler vor kurzem selbst den Satz gesagt, Bemühungszusagen seien das Papier nicht wert, auf dem sie ständen." Und Ludwig von Otting unterstreiche diese Einschätzung mit dem Zusatz, so Briegleb, "in Hamburg hätte es bisher noch nicht mal ein Bemühen gegeben." Thalia-Intendant Joachim Lux knüpfe seine anstehende Vertragsverlängerung daran, dass er die "unmissverständlichen Zusagen" schriftlich verbindlich im Briefkasten finde.
Das eigentliche Thema dieser Spielplan-Pressekonferenz geriet in den Hintergrund, nämlich die Frage, ob das Thalia das absurde Ergebnis seiner heiß diskutierten Spielplanwahl von letztem Jahr in die Tat umsetzen würde. Teils, man hat "in der Masse der Vorschläge genug entdeckt, um einen anständigen deutschen Stadttheaterspielplan zu bestücken. Also: erst mal weiter arbeiten."
(sik)
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