Presseschau vom 30. November 2015 – In k.west spricht der designierte Düsseldorfer Intendant Wilfried Schulz über die Theaterlandschaft in NRW
Ich würde etwas Demut erwarten
Ich würde etwas Demut erwarten
30. November 2015. Wie sieht Wilfried Schulz die Theaterlandschaft in Nordrhein-Westfalen? Das Kulturmagazin k.west hat ihn in Person von Chefredakteur Andreas Wilink gefragt. In seiner Antwort macht Schulz die unterschiedlichen Standpunkte von Kritik und Theaterleuten deutlich. Wir geben die entsprechende Passage aus der Dezember-Ausgabe im Wortlaut:
k.west: Stefan Bachmann in Köln, Anselm Weber bis 2017 in Bochum – beides Regisseure aus Ihren Hamburger Tagen –, tun sich schwer, über Standard hinauszukommen. Also die beiden Stadttheater, die am ehesten in NRW das Zeug dazu hätten. Die größte Erfinderlust entwickelt Peter Carp in Oberhausen. Wie betrachten Sie die hiesige Theaterlandschaft? Ohne Noten zu verteilen.
Wilfried Schulz: Ich bin mit beiden gut befreundet, kenne Carp, kenne die Kollegen in Bonn gut. Die NRW-Landschaft ist mir sehr vertraut. Wissen Sie, das ist Ihr Steckenpferd und das Ihrer Kritiker-Kollegen, ist Ihre gute Aufgabe, die bewertende Suche nach dem ganz Besonderen, außerordentlich Innovativen, nach dem, wohin es geht. Aber es hat manchmal wenig zu tun mit der Wertigkeit eines Theaters für die Stadt. Auch der gesellschaftlichen, politischen, moralischen Wertigkeit.
Das ist mir in Dresden noch viel klarer geworden, ich habe da sicher nicht jeden Tag Avantgarde gemacht, wenngleich an bestimmten Ecken Pollesch, Rimini Protokoll und andere tolle ästhetische Abenteurer auftauchten. Aber entscheidend war, dass die Stadt für sich die Nützlichkeit des Theaters erkannt hat. Sie verstanden, selber behauptet und sogar als Forderung mir zurückgegeben hat.
Theater lehrt uns Differenz auszuhalten. Ich würde gern jedes Theater nach seinem gesellschaftlichen, generationsübergreifenden, reflektierenden, integrierenden Wert für die Stadt beschreiben. Das andere ist ein wenig Rosinen-Pickerei. Und beherrscht mein Denken nicht. Da habe ich eine andere Lust, mich zu positionieren. Wie immer mehr Intendanten-Kollegen auch. Eine Stadt muss ihr Theater spüren. Übrigens, niemand von uns hat die drei Regisseure in der Tasche, die wissen, wie's geht und wo's lang geht. Ich würde etwas Vorsicht, Zögern, um nicht zu sagen Demut erwarten. Oft habe ich das Gefühl, alle sind fertig mit dem Sprechen, bevor ein Satz überhaupt gedacht wurde.
(aus k.west 12/2015)
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Und Theaterkritik beschreibt diesen Wert natürlich nicht. Aber: was beschreibt den Wert, wie würde man sich ihm nähern? Das ist doch spannend! Zuschauerbefragung, 'likes' bei nachtkritik, Blutdruckmessung beim Kulturdezernenten, Besucherquoten?
Man kann und soll nicht alles objektivieren, aber ohne Indikatoren keine Erfolgsmessung.