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Unsere auswahl ist subjektiv

Presseschau vom 13./15. Dezember 2013 – Die SZ und die FAZ berichten über die Twitter-Theater-Woche #TTW13

Unsocial Media?

"Weil das Theater ja ganz dicht dran sein will an der Welt und ihren Dramen, twittert es jetzt mit – freilich nur über sich selbst", schreibt eine skeptisch gestimmte Mounia Meiborg in der Süddeutschen Zeitung (13. Dezember 2013) über die Twitter-Theater-Woche #TTW13. Die Tweets der Theater (über Kantinenspeisekarte, Praktikantinnen und den Schweiß der Schauspieler) führen sie "unweigerlich zu der Frage (...): Muss ich ein Groupie sein, um mich für solche Tweets zu interessieren?" Die Theatergemeinde bleibe "gern unter sich. Das fällt im virtuellen Raum besonders auf, wo alles von Reaktionen lebt." Und die kämen bei dieser Twitter-Woche aus einem spärlichen Rund von zwanzig Leuten. "Ansonsten wünschen sich die Theater gegenseitig gute Nacht und guten Morgen. Dramaturgen posten Witze, die außerhalb ihres Berufsstands niemand versteht." Und "mehr als um die Inszenierungen geht es dann darum, (...) was das Ganze eigentlich sein soll: Werbung fürs Theater oder ein offener Dialog? Vor allem aber wird die Frage aller Fragen diskutiert: Darf man live aus dem Parkett twittern? (...) Beim Social TV sitzt der Zuschauer allein zu Hause, beim Social Theatre mit anderen im Theater. Und da wirkt jeder noch so sozial gemeinte Blick aufs Smartphone schnell, na? Unsozial."

Presseschau vom 6. Dezember 2013 – brandeins über die Überförderung der deutschsprachigen Nachwuchsdramatik

Kollateralschaden: Mittelmaß

6. Dezember 2013. "Wenn es der deutschsprachigen Gegenwartsdramatik an irgendetwas nicht fehlt, sind es Subventionen", schreibt Peter Laudenbach im Wirtschaftsmagazin brandeins. Auf den ersten 20 Plätzen sowohl der meistinszenierten wie auch der meistbesuchten Schauspiele suche man allerdings vergeblich nach Aufführungen der Gegenwartsdramatik.

Presseschau vom 4. Dezember 2013 – Der tip über die Bedrohung von Berlins Freier Szene durch die Gentrifizierung

Gut fürs Image, gut fürs Vergnügen

Berlin, 4. Dezember 2013. In Berlin hat sich in den 1990ern ein kultureller Reichtum bei relativer finanzieller Armut entwickelt. Das zahlt sich als weicher Standortfaktor längst aus, schreibt Peter Laudenbach in der aktuellen Ausgabe des Berliner Stadtmagazins tip: "Gentrifizierung und steigende Mieten im Innenstadtring, der Kampf um Grundstücke und die von Spekulation, aber auch von echtem Bedarf getriebene Hausse am Immobilienmarkt – all das macht die Kreativen zunehmend nervös."

Presseschau vom 29. November 2013 – Im Freitag spricht der Kurator Klaus Biesenbach über Christoph Schlingensief

Böse! Deutscher Kurator beleidigt Texaner

29. November 2013. Für die Wochenzeitung Freitag (28.11.2013, 6:00 Uhr) hat Christine Kappeler mit dem Ko-Kurator der großen Christoph Schlingensief-Retrospektive in den Berliner Kunstwerken, Klaus Biesenbach, gesprochen. Biesenbach ist auch Direktor des New Yorker MoMA PS1, wohin die Ausstellung im Frühjahr 2014 weiterwandert.

Presseschau vom 27. November 2013 – Die Süddeutsche Zeitung über eine Tagung zur Netzkultur in Berlin

Vom chaotischen Pluralismus

27. November 2013. In der Süddeutschen Zeitung berichtet Alexandra Borchardt von der internationalen Fachtagung "Online in die Politik" in Berlin (hier das Tagungsprogramm). Im Netz herrsche die Blockbuster-Kultur, so die Bestandsaufnahme. "Die 'Gefällt mir'-Gesellschaft der sozialen Netzwerke belohnt und stärkt die Sieger, die Schwachen werden bestenfalls ignoriert." Politische Inhalte spielten dabei eine weit geringere Rolle als Pornographie oder Witze. "Hinter einem 'Gefällt mir' auf Facebook verbirgt sich oft Apathie", wird Nishant Shah, wissenschaftlicher Direktor am Institut für Internet und Gesellschaft in Bangalore, zitiert.

Presseschau vom 24. November 2013 – Die ungarische Tageszeitung Népszabaság interviewt Burgtheaterintendant Matthias Hartmann

Ich bin von keinem Missionsgeist getrieben

24. November 2013. Burgtheaterintendant Matthias Hartmann hat Gabriella Valaczkay ein Interview gegeben, das die ungarische linksliberale Tageszeitung Népszabaság am 17. November 2013 veröffentlicht hat. Es geht darum um die Billeteursaffäre am Wiener Burgtheater, um Hartmanns Einsatz für die freie Szene in Ungarn und seinen verunglückten Besuch bei Kulturminister Balog, den Hartmann nun nach Wien einlädt, wo das Burgtheater im kommenden Jahr ein ungarisches Theaterfestival ausrichten wird: "Wenn ihr Minster Mut hat, kommt er nach Wien und beantwortet offen die Fragen." Unsere Zusammenfassung des Interviews beruht auf einer Übersetzung von Ágnes Szabó.

Presseschau vom 13. November 2013 – Shermin Langhoff spricht im Interview mit der Süddeutschen Zeitung übers Interkulturelle

Für Migration geöffnet

13. November 2013. Am Freitag geht die erste Premiere der Intendanz Shermin Langhoff über die Bühne des Berliner Maxim-Gorki-Theaters, Nurkan Erpulats Inszenierung von "Der Kirschgarten". Im Interview mit Mounia Meiborg in der Süddeutschen Zeitung spricht sie über den Stand des postmigrantischen Theaters.

Presseschau vom 5. November 2013 – Der Spiegel über den Fall des Burgtheater-Billeteurs Christian Diaz

Held statt Hindernis

5. November 2013. Im Spiegel berichtet Jonathan Stock noch einmal über "eine Meldung und ihre Geschichte", nämlich über die Protestaktion des Billeteus Christian Diaz beim Jubiläumskongress des Wiener Burgtheaters. Über den Beruf des Kartenabreißers schreibt er eingangs, dies sei eigentlich kein Beruf, sondern eine Funktion, die man kaum wahrnehme, seine "Handgriffe könnten auch von Maschinen erledigt werden". Der Kartenabreißer sei "ein Hindernis auf dem Weg zu einem Vergnügen. Es gibt keine Lieder über Kartenabreißer. Es gibt keine Helden unter ihnen. Es gab jedenfalls keine – bis Christian Diaz auftrat."

Presseschau vom 5. November 2013 – Der Tagesspiegel interviewt Lars Eidinger

"Ich bin ja eh verheiratet"

5. November 2013. "Frauenfußball ist ein Fall für die Paralympics", findet Lars Eidinger im Interview mit der Sonntagsausgabe des Berliner Tagesspiegels – und gesteht: "Ich habe mich für Ikea prostituiert." Alles nur Pose? Jedenfalls haut der Schaubühnen-Schauspieler weitere launige Schoten raus, die durchaus etwas über seine Einstellung zum Theater verraten.

Presseschau vom 1. November 2013 – Die taz über das bedrohte Anhaltische Theater Dessau

Ein Theater ohne Schauspiel

1. November 2013. "Ich habe das Gefühl, hier passiert Unrecht", zitiert Manuela Rauer in der taz den Schauspieler Sebastian Müller-Stahl, Ensemblemitglied des bedrohten Theaters Dessau. "Der Druck ist Wahnsinn. Selbst der Bund erhöht den Kulturetat. Hier hält man an diesen irren Kürzungen fest".

Presseschau vom 1. November 2013 – Die Welt kommentiert die Abschaffung des Stückemarkts beim Berliner Theatertreffen

Seltsame Logik

1. November 2013. Matthias Heine schreibt auf Welt-Online, dass er die Ankündigung der Berliner Festspele "Schrecken verheißend" findet, von den Berliner Festspielen würden für das TT-Nebenfestival "Stückemarkt" nun statt neuer Stücke "drei internationale Theater-Nachwuchskünstler/-gruppen, die neue Formen von theatraler Sprache und außergewöhnliche performative Erzählweisen entwickeln" gesucht.

Presseschau vom 26. Oktober 2013 – ORF-Gespräch mit Bundestheater-Chef Georg Springer

"Nicht den Funken einer Information"

Wien, 26. Oktober 2013. Immer mehr österreichische Protagonisten fordern das Burgtheater dazu auf, nicht mehr mit dem umstrittenen Dienstleister G4S zusammenzuarbeiten, dessen Geschäftspraktiken der Ex-Burgbilleteur Christian Diaz in seiner abgebrochenen Rede beim Burg-Jubiläum kritisiert hatte. Unter den Protestierenden sind der Grünen-Bildungssprecher Wolfgang Zinggl, die IG Kultur, der Kulturrat "art but fair" und die Grazer Autorenversammlung. Währenddessen verteidigt Bundestheater-Chef Georg Springer die Zusammenarbeit im Gespräch mit dem ORF. "Wenn ich einen Lieferanten habe, dann interessiere ich mich nicht dafür, mit wem er sonst noch Verträge hat, solange es keine nachweislich unseriösen Geschäftspraktiken gibt", erklärte er.

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