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Jérôme Savary ist tot
Überbordend und sinnlich
5. März 2013. Nach kurzer schwerer Krankheit starb gestern Abend der große französisch-argentinische Regisseur Jérôme Savary in einem Pariser Krankenhaus. Das teilte das Landestheater Niederösterreich in St. Pölten mit, wo Savary in den letzten Jahren drei Raimund-Stücke inszenierte.
Savary wurde 1942 in Buenos Aires geboren. Als 18jähriger zog er 1960 nach New York, in die Heimatstadt seiner Mutter, die eine Tochter des einstigen New Yorker Gouverneurs Frank W. Higgins war. In New York war er zunächst Jazzmusiker (und Chauffeur der Witwe von Charlie Parker, wie Wikipedia weiß), bevor er schließlich zum Theater wechselte.
1965 gründete Savary in Paris die "Compagnie Jérôme Savary", aus der "Le Grand Magic Circus et ses animaux Tristes" hervorging, eine überwiegend aus Laien bestehende Theatertruppe, mit der er bald auch international bekannt wurde. Als Intendant des Hamburger Schauspielhauses brachte Ivan Nagel Savarys überbordend lebenszugewandtes und sinnliches Theater nach Deutschland. Hier hat Savary in legendären Inszenierungen immer wieder mit Peter Zadek zusammengearbeitet – 1981 in der Fallada-Revue "Jeder stirbt für sich allein" im Berliner Schillertheater zum Beispiel.
1988 wurde Savary Direktor des Théâtre National de Chaillot. 2000 wurde er an die Opéra Comique berufen, die er bis 2007 geleitet hat. Seine letzte Berliner Arbeit hat Savary 2009 im Auftrag der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz realisiert: Vögel ohne Grenzen nach Aristophanes.
(sle)
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Jérôme Savary mochte die Deutschen und sein Stück "Weihnachten an der Front", das im ersten Weltkrieg spielt, hat sicher ein bisschen dazu beigetragen, die seinerzeit noch sehr wacklige Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland zu fördern. Wenn überhaupt, so verstand er sich als politischen Bühnenautor, der aber zugleich jedes Pathos seiner Botschaften gnadenlos parodierte und unterminierte. Wir hatten viel Glück mit ihm.
Ute Nyssen/Theaterverlag Nyssen & Bansemer Köln