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Unbekanntes Brecht Foto aufgetaucht
Als Mozart verkleidet
23. Dezember 2010. In ihrer heutigen Ausgabe präsentiert die Süddeutsche Zeitung ein bisher unbekanntes Brecht-Foto, das den jungen Autor, der sich sonst gern in Ledermantel oder Boxerposen ablichten ließ, mit Mozartperücke und in Rokoko-Outfit zeigt. Im Arm (und ebenfalls in Perücke und Rokokorobe) die damalige Freundin Paula Banholzer, aus deren Besitz der SZ zufolge das Foto auch stammt.
(sle)
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„Die zwei Fremdkörper demonstrieren mit ihrem Gestus, so Hillesheim, »das Unechte, das Manieristische und auch das sozial Verarmte«“
Die Bitte von mir als Student der Deutschen Literatur: Bitte mehr Geld für die Lehre und weniger für diese Idol-Forschung...das wäre auch Brechts Wunsch gewesen;-)
Es war lange ruhig um den großen Meister des Epischen Theaters, niemand wusste mehr etwas Neues von ihm zu berichten. Alles schien gesagt, die Brechtforschung am Ende. Nun ist wie aus dem Nichts ein neues altes Foto aufgetaucht. Brecht hat sich selbst in jungen Jahren als Fan der Salzburger Festspiele geoutet. Wahrscheinlich protestierte er aber auch nur dagegen, dass Karl Valentin und Liesl Karstadt immer nur in Tracht zu Besuch gekommen sind und wollte den bayrischen Banausen mal etwas Kultur beibringen. Wir sind begeistert und Lampions auch auf der Bühne wieder schwer in Mode. Der Dümmste bekommt die rote Laterne.
Gestern war ich wieder mal im BE und zwischen zwei Stunden Klamauk, habe ich mir wie so oft die Brechtfotos im Turmzimmer angesehen. Da hängt er in etwas schiefen Rahmen, mal frech mit Ledermantel und Zigarre, stolz mit Automobil, mal nachdenklich, dann wieder in kraftvoller Pose. Alle diese Bilder wirken wohl in irgendeiner Weise gestellt. Ein inszeniertes Leben zieht an uns vorbei. Wenn da nicht ein Bild wäre, das dem Blick leicht entgehen könnte. Es hängt neben dem Ausgang zur Stiege und zeigt Brecht 1933 in seiner Charlottenburger Wohnung. Er sitzt an einem leeren aufgeräumten Schreibtisch, knöpft sich die Jacke zu und sieht zum geöffneten Fenster. Ein Lichtschein dringt ins Zimmer, die Gardine hebt sich leicht im Wind. Wieder nachdenklich und sehnsuchtsvoll entrückt wirkt des Meisters Blick. Was wird er wohl gesehen haben? Den vorbeischwebenden Engel der Geschichte aus dem Bild von Paul Klee? Wir wissen es nicht, wir wissen nur was weiter geschah. Walter Benjamin hat es beschrieben und Brecht hat es erzählt.
Man wird die Brechtgeschichte nun umschreiben müssen. Das Bild wird ersetzt werden gegen einen Karnevalsschnappschuss im Mozartkostüm. Welche Ausblicke... aus dem Turmzimmer.
Der Traum vom Christkind
Ich glaube ich hab einen Engel gesehen
Er stand da so einsam und unglaublich schön
Die Flügel geknickt, zerrissen das Hemd
Und hat so herzzerreißend geflennt
Was ist diese Welt doch auch immer so eilig
Ich hielt nur kurz inne, mir wurde ganz heilig
Dann hab ich ihn sanft in den Arm genommen
Da ist er mir zwischen den Fingern zerronnen
Danke. Es war übrigens der 22.12.10 Immanuel Kant, jetzt wird es vielleicht klarer. So jetzt ist gleich Bescherung, frohes Fest.
Das Foto gibt es auf:
http://blog.theater-nachtgedanken.de/2010/12/24/fur-drei-groschen-neues/