Coming Society - In der Berliner Volksbühne bitten Susanne Kennedy und Markus Selg in eine Instagram-optimierte Bilderhölle
Im Wellness-Modus
von Elena Philipp
Berlin, 17. Januar 2019. Sanfte Stimmen aus dem Off weisen uns den Weg durchs Portal. Vom Parkett auf die Bühne, den heiligen Ort des Theaters. "Experiences, experiences" versprechen die körperlosen Stimmen oder die stimmlosen Körper von neun Performer*innen – in solch gedämpfter Tonlage und von säuselnder Muzak untermalt, dass man die Offerte kaum mitbekommt. Jahrmarkt war gestern. Heute lockt eine supersofte Wellness-Welt, in der die hyperherzlichen Hosts meditativ bis stoned lächeln und alle ganz, ganz freundlich sind. Eigentlicher Kontakt ist aber unterbunden. Willkommen in der Zukunft! Entworfen von der Regisseurin Susanne Kennedy und dem Bildenden Künstler Markus Selg. Für die Berliner Volksbühne.
Die Nacht von Lissabon - Hakan Savaş Micans beglückende Adaption von Erich Maria Remarques Flucht- und Migrations-Schicksal-Roman am Berliner Maxim Gorki Theater
Fluchtpunkt Atlantik
von Simone Kaempf
Berlin, 11. Januar 2019. Keine fünf Minuten und Dimitrij Schaad wird schon mit Szenenapplaus belohnt. Dabei hat der Schauspieler nur seinen Oberkörper entblößt, sich einmal auf den herausgestreckten Bauch geklatscht und gefrotzelt, dass dieser Körper für Europa stehe: "Aktuell noch Mittelklasse, aber bald geht es steil bergab." Der mittelprächtige Witz löst lautes Gelächter aus, und das ist natürlich Schaad zu verdanken, der sympathischsten Rampensau Berlins, wenn nicht des ganzen Theaterbetriebs. Ein erstklassiger Improvisator ist er, ein uneitler Selbstdarsteller, der erstmal alle "Applausflittchen" zur Mäßigung ruft. Und wirklich sparen sich alle ihre Zuneigung auf fürs Ende dieser Roman-Adaption von Regisseur Hakan Savaş Mican am Maxim Gorki Theater, für die es einen so satten, mitreißend-ehrlichen Applaus aus dem ganzen Zuschauerraum gibt, wie es selten geworden ist.
Crash Park - das Leben einer Insel
Abenteuerurlaub mit Familie Crusoe
von Esther Slevogt
Berlin, 19. Dezember 2018. Der französische Theatermacher Philippe Quesne ist vielleicht so etwas wie der Walt Disney des freien Theaters. Auch wenn er natürlich nie die hochgerüsteten Illusionsmaschinerien auffährt, mit denen der Disney-Konzern seine Welten baut. Die hinreißenden Theaterwelten von Philippe Quesne sind nicht weniger illusionär und verzaubernd, kommen aber mit viel weniger Mitteln aus: ein paar komischen Perücken, krude zusammengezimmerten Kulissen aus Pappmaschee, viel Musik und seltsam somnambul durch die Welt stapfenden Individuen, die immer ein bisschen zu trashig aussehen, um noch als echt durchzugehen. Und doch sehen sie meist aus wie Du und ich.
Haußmanns Staatssicherheitstheater - Regisseur Leander Haußmann dreht in seinem Retro-Dissidenz-Abend an der Berliner Volksbühne gehörig auf
Der diskrete Charme der Ost-Künstlerbohème
von Christian Rakow
Berlin, 14. Dezember 2018. Das muss er gewesen sein, der schnellste Szenenapplaus der Saison. Da sitzt man also erst und blickt ins kahle Rund der Volksbühne, enttäuscht, weil Leander Haußmann ja Schauwerte versprochen hatte und jetzt alles leer ist, aber es kann natürlich immer auch Verarsche sein. Silvia Rieger tritt aus einer Falltür hervor, und immerhin schieben Bühnenarbeiter ihr noch zwei Kabuffs heran.
Regie: Christian Filips
Regie: Rosmarie Vogtenhuber
Regie: Sebastian Hartmann
Regie: Christina Tscharyiski
Regie: Philippe Quesne
Regie: Simon Stone
Regie: Nico and the Navigators
Regie: Andres Veiel
Regie: Anne Teresa De Keersmaeker
Regie: Michiel Vandervelde / fabuleus
Regie: Annie-B Parson / Big Dance Theatre
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