Safe Places - Falk Richter und Anouk van Dijk vermessen am Schauspiel Frankfurt das gegenwärtige Klima der Angst und des Hasses
Deutsches Brot ist deutsche Vielfalt
von Michael Laages
Frankfurt, 8. Oktober 2016. Wer schon mal (wie der Autor) das zweifelhafte Vergnügen hatte, zum Beispiel im ICE-Restaurant Beatrix von Storch gegenüber zu sitzen, der Polit-Medusa an der Spitze der Berliner AfD, und wer dabei eigentlich am meisten schockiert war von der extrem biederen Maske über dem offenen Hass auf alles Fremde, der aus jedem ihrer Sätze spricht, der folgt mit verzweifeltem Vergnügen dem Psychopathogramm von "Trixi", wie Falk Richter es kurz vor dem Finale in seinen neuen Abend inszeniert.
Faust 1 - In Darmstadt von Bettina Bruinier in die Großraumdisko versetzt
Feeling Good
von Alexander Jürgs
Darmstadt, 8. Oktober 2016. "Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust", ist einer der meistzitierten Sätze aus Goethes "Faust". In Darmstadt, wo Bettina Bruinier das Stück Weltliteratur im Kleinen Haus inszeniert, gibt es gleich zwei Fausts. Samuel Koch, der schmale Mann in seinem Rollstuhl, ist der eine, Christian Klischat, im Vergleich: ein Koloss, der andere. Gerade am Anfang wirken sie wie Antipoden. Kochs Faust ist schlaff, apathisch. Er ist der Typ, der sein Leben verflucht, der einen neuen Kick herbeisehnt, aber noch nicht so recht weiß, ob er sich darauf überhaupt einlassen will. Klischats Faust dagegen ist agil, seine Stimme bebt und brummt, er gibt sich angriffslustig. Wenn er die wuchtigen Baumstümpfe, die auf der ansonsten kargen Bühne stehen, umstößt, dann fallen dabei auch die buntgekleideten Menschen vom Bürgerchor gleich reihenweise mit um.
One for the Road / Der stumme Diener - Jürgen Kruse inszeniert am Schauspiel Frankfurt zwei sehr unterschiedliche Stücke von Nobelpreisträger Harold Pinter
Die Folter endet nie
von Alexander Jürgs
Frankfurt, 7. Oktober 2016. Die Bühne liegt im Dunkeln, ist zugestellt mit alten Büsten, mit antikem Mobiliar, Lampenschirmen, Klavier und Plattenspieler. Dazwischen ein großes Gerüst, bei dem man nicht sicher ist, ob es mehr Globus oder Käfig sein soll: Die ganze Welt ist ein Gefängnis, scheint es uns zu sagen. Am Rand ein Misshandelter, über und über voller Kunstblut, das Feinrippunterhemd vollgesaugt mit roter Farbe, er trägt Schlieren an den Beinen. Und dann wird es laut. "We love you", dieses lysergsäurediethylamidschwangere Meisterwerk der Stones, schallt aus den Boxen. Man hört das nervöse Klavier, den psychedelischen Chor, den Krach.
Iphigenie - Ersan Mondtag bringt den antiken Stoff am Schauspiel Frankfurt in einer eigenen Fassung fast ohne Text auf die Bühne
Vernichtungsfantasien im Wellnesstempel
von Alexander Jürgs
Frankfurt am Main, 9. September 2016. Im Marketing- und Reiseführersprech ist er "der berühmteste Sohn der Stadt". Im Zwei-Jahres-Rhythmus ist sein Geburtstag – am 28. August 1749 kam Johann Wolfgang von Goethe im Frankfurter Großen Hirschgraben zur Welt – Anlass für ein Literatur- und Bühnenfestival, das sich mit seinem Werk beschäftigt. Am Auftakt der "Goethe Festwoche" stand nun eine "Iphigenie" – doch von Goethes Bearbeitung des antiken Tragödienstoffes findet sich in der Fassung, die Ersan Mondtag für das Schauspiel Frankfurt geschaffen hat, im Grunde nichts. Überhaupt ist es eine Inszenierung, in der auf das gesprochene Wort fast gänzlich wie verzichtet wird.
Regie: Bülent Kullukcu, Dominik Obalski, Anton Kaun (Rohtheater)
Regie: Johanna Wehner
Regie: Thorleifur Örn Arnarsson
Regie: Thomas Oliver Niehaus
Regie: Stephan Kimmig
Regie: Oliver Reese
Regie: Stephanie Mohr
Regie: Jorinde Dröse
Regie: Liquid Penguin Ensemble
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