Carry on, little Mermaid!

Donald Trump will das Kennedy Center in Washington als Chairman übernehmen. Denn er hat Probleme mit einer ganz bestimmten Kunstform.

Von Christian Rakow

Kennedy Center © Steve, Washington D.C., USA  / Wikimedia Commons CC BY-SA 2.0

Kennedy Center © Steve, Washington D.C., USA / Wikimedia Commons CC BY-SA 2.0

8. Februar 2025. Für den Fall, dass Sie die Verordnungsfluten aus den USA des Donald Trump (und Elon Musk) auch schon zermürben (stetes Dekret höhlt den Stein) und weil einstweilen noch offen ist, inwieweit diese neue Ankündigung überhaupt umsetzbar ist, rückt die Nachricht nicht in die Meldungen, sondern in den "Spiralblog" des Absonderlichen und Bemerkenswerten: Donald Trump plant, die Leitung des renommierten John F. Kennedy Center for the Performing Arts in Washington zu feuern und sich selbst als Vorstand des Hauses einzusetzen (hier der Bericht der Frankfurter Rundschau).

Die Absicht ward zu gestriger mitternächtlicher Stunde auf seinem privaten Verlautbarungskanal "Truth Social" verbreitet. In gewohnter Drastik (die sich in seinen Postings in Majuskeln ausdrückt) teilt der republikanische Präsident gegen das Kennedy Center aus und proklamiert: "We will soon announce a new Board, with an amazing Chairman, DONALD J. TRUMP!"

Das Kennedy Center ist das größte Kulturzentrum der us-amerikanischen Hauptstadt und beherbergt einen Konzertsaal, eine Oper, mehrere Theater und Restaurants. Das 1971 gegründete Zentrum trägt den Namen des demokratischen US-Präsidenten John F. Kennedy (1917–1963). Trumps Angriff ist offenbar von der Diversität des Programms ausgelöst: "Just last year, the Kennedy Center featured Drag Shows specifically targeting our youth — THIS WILL STOP", schreibt er. Das ist diktatorische Gleichschaltungspraxis in Reinkultur. Die Politik macht sich die Kultur Untertan. Und inthronisiert sich dafür im Handstreich selbst. Was nicht ins eigene Programm (also ins enge Raster) passt, wird getilgt.

Als Antidot zu solchen Verengungs- und Verelendungsprozessen empfehle ich Ihnen die Nachtkritik zu Bastian Krafts Zürcher Drag-Abend "Die kleine Meerjungfrau", die aktuell Nr. 1 unserer Charts ist. Diese Kunst öffnet die Herzen für die verschiedensten menschlichen Ausdrucksweisen und besticht mit dem schönen Satz eines Lehrers und Drag-Künstlers: "Ich soll die Kinder queer werden lassen? Ich schaffe es doch nicht mal, dass sie ihre Hausaufgaben erledigen." Carry on, little Mermaid!

 

Kommentare  
Spiralblog 05: Gruß von der Förde
Ja, wahrscheinlich ist das Buch „111 Dekrete/Dekret-Tatorte, die Sie gelesen/gesehen haben sollten“ bereits in der aktuellen Spiegel-Bestsellerliste und das KI-Buch , Trump hochrechnend, „111 Dekrete/Dekret-Tatorte, auf die Sie sich einstellen dürfen“ im Druck; damit der Stein nicht, Tropfen für Tropfen, gehöhlt wird, gibt es vermutlich kaum eine andere Lösung, als nicht Stein zu sein, oder? Die kleinen Meerjungfrauen, bestens orientiert in dänischen Gewässern
und sich, seitdem mit „Modern Mermates“ wir hier in Kiel Bock haben und Bocksgesänge anstimmen auf unseren neuen radikalen Mythos, wieder und wieder an den Gestaden unserer Förde zeigen, singen zunächst sehr viel, was
sie können wie kaum jemand, sehr trostvoll können; beispielsweise haben sie in Schleswig desletzt vernommen „Death is not the end“ (nach Nick Cave) und daraus nun die Zeile „Trump is not the end“ gemacht; das hören wir von Mal zu Mal, und wir hören zunächst auf, Stein zu sein; doch die Mermates, die sich aus der zugeschriebenen Rolle einer Erlösungsbedürftigkeit gelöst haben, nicht mehr
„Mermaids“, nein, „Mermates“ genannt sein wollen, lassen nun auch die Dekrettexte zu Strophen des Songs werden, als gelte es, Trump mehr als einen kranken Menschen aufzufassen, ja, dem auch gesungen wird:“Du bist nicht das End !“ Aber hier sammeln sich derweil auch Nymphen, Nixen, Sirenen, Delphine treten hinzu; gerade die Nixen sind sehr wehrhaft, „kriegstüchtig“ heißt das im Wortschatz unserer beliebtesten Politiker: ich nenne stellvertretend für viele
Mareminde aus Eckernförde, die es auf eine Länge von 4 Metern bringt und die
Trump nicht länger reizen sollte, wie er es mit der Aufkündigung des Klimaschutzabkommens bereits getan hat. Eine eigene Nische mit großem Bild in der Landgerichtskantine Kiel ist ihr mittlerweile gewidmet, und der Prozeß des Delphins Dirk geht derweil in Berufung. Gruß von der Förde - und ihrem Bahnhof; der „Schwan der Scham“ erwartet mich ... .
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