Spiralblog 59 - Spoileralarm!
Wir verraten alles
14. April 2025. Soll man nicht, macht aber Spaß: Vorher erzählen, wie's ausgeht. Wir sorgen für einen Theaterbesuch ohne böse Überraschungen.
Von Christian Rakow & Janis El-Bira
Bitte jetzt nicht aufregen. © Xavi Cabrera / unsplash.com
14. April 2025. Wir fragen uns als Kritiker ja immer, wie viel man von der Stückhandlung verraten darf. Um ein für alle mal reinen Tisch zu machen, spoilern wir alle wesentlichen Stücke, die Ihr am Theater findet. Wer sich künftige Spannung nicht verderben lassen möchte, sollte jetzt umkehren.
In Becketts "Warten auf Godot" warten die Hauptfiguren vergeblich auf Godot.
In Brechts "Dreigroschenoper" wird der Ganove Mackie Messer nicht gehängt.
In Ibsens "Ein Puppenheim" wird Nora am Ende ihren Mann verlassen.
In Dürrenmatts "Die Physiker" sitzen die Physiker zwar in einer Psychiatrie, sind aber keineswegs verrückt.
In Goethes "Faust" wird der Gelehrte Faust die Wette mit dem Teufel nicht verlieren, in Teil 2 ist es Interpretationssache.
In Tschechows "Drei Schwestern" kommt keine der drei Schwestern nach Moskau.
In Hauptmanns "Die Weber" scheitert der Weberaufstand und der fromme Hilse stirbt.
In Shakespeares "Hamlet" stirbt Hamlet (und einige andere auch).
In Shakespeares "Othello" stirbt Othello (und einige andere auch).
In Shakespeares "König Lear" stirbt König Lear (und einige andere auch).
In Shakespeares "Macbeth" stirbt Macbeth (und einige andere auch).
In Shakespeares "Romeo und Julia" sterben Romeo und Julia von eigener Hand.
In Lessings "Emilia Galotti" stirbt Emilia Galotti durch die Hand ihres Vaters.
In Lessings "Minna von Barnhelm" heiraten die Hauptfiguren, auch wenn es lange so aussieht, als würde einer der beiden durch eigene Hand sterben.
In Schillers "Die Räuber" sterben die Brüder Franz und Karl Moor.
In Schillers "Maria Stuart" stirbt Maria Stuart (aber das weiß man ohnehin aus Geschichtsbüchern). Das gilt auch für Schillers "Wallenstein" und "Die Jungfrau von Orleans".
Büchners "Dantons Tod" spoilert sich selbst.
In Heinrich von Kleists "Prinz von Homburg" stirbt der Prinz von Homburg nicht, auch wenn er zunächst zum Tode verurteilt wird.
In Ödön von Horváths "Kasimir und Karoline" findet Karoline doch noch eine solide Partie.
In Heiner Müllers "Hamletmaschine" stehen die Ruinen von Europa im Rücken und der Held (wenn es ihn geben sollte) redete BLABLA.
In Jean-Paul Sartres "Geschlossene Gesellschaft" sind die Hölle die Anderen.
In Jean-Paul Sartes "Die schmutzigen Hände" macht sich die Hauptfigur die Hände schmutzig, aber aus den falschen Gründen.
In Ibsens "Ein Volksfeind" badet keiner in Unschuld.
In Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald" geht es nicht um Backhendl.
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Das Schöne an dieser Liste grob-inhaltlichen Spoilerns ist aber, daß hierbei auch ein wenig durchschimmert, wie unwichtig zuweilen das sogenannte Rein-inhaltliche im Erleben eines Stückes sein kann.
In Molières „Der eingebildete Kranke“ bildet sich Argan ein, dass er krank ist.
In Ken Ludwigs „Othello darf nicht platzen “ platzt Othello nicht.
In Goethes „Hanswursts Hochzeit“ (leider unvollendet) wird gezeigt, dass Hanswurst heiratet.
In Peter Hacks’ „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“ wird eigentlich nicht direkt ein Gespräch gezeigt, aber von Frau von Stein über Herrn von G. monologisiert (wollen wir mal gelten lassen).
Der größte Spoiler unter den Dramatikern war aber wohl Peter Weiss.
In Peter Weiss’ „Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats, dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade“ stellt die Schauspieltruppe, die ein gewisser Herr de Sade leitet, dar, wie der Revolutionär Marat verfolgt und ermordet wird.
In Peter Weiss’ „Diskurs über die Vorgeschichte und den Verlauf des lang andauernden Befreiungskrieges in Viet Nam als Beispiel für die Notwendigkeit des bewaffneten Kampfes der Unterdrückten gegen ihre Unterdrücker sowie über die Versuche der Vereinigten Staaten von Amerika die Grundlagen der Revolution zu vernichten“ wird dargestellt, wie …
Aber es gibt auch irreführende Titel:
In Georges Feydeaus „Der Floh im Ohr“ kommt kein Floh vor.
So, das reicht erst einmal.
Aber ich hätte noch eine Anregung für einen neuen Spiralblog: Sprechende Namen von Personen in Dramen: Wurm, von Kalb bei Schiller z. B.