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ITI-Preis für Gießener Gründungsdirektor Andrzej Wirth

Gebürtiger Pole, naturalisierter Amerikaner, deutscher Professor

Berlin, 29. Februar 2008. Der Preis des Internationalen Theaterinstituts zum Welttheatertag wird in diesem Jahr an den Literatur- und Theaterwissenschaftler Andrzej Wirth verliehen, den emeritierten Gründungsdirektor des Gießener Instituts für angewandte Theaterwissenschaft, aus dem unter anderem René Pollesch, Rimini Protokoll, Tim Staffel und She She Pop hervorgegangen sind.

Andrzej Tadeusz Wirth wurde 1927 im polnischen Wlodawa geboren, und überlebte den zweiten Weltkrieg im deutsch besetzten Warschau, wo er Schüler eines konspirativen Elite-Gymnasiums war. Nach dem Krieg studierte er in Warschau und Lodz Philosophie, übersetzte zusammen mit dem jungen polnischen Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki u.a. Kafka und Dürrenmatt ins Polnische und promovierte 1956 in Wrozlaw mit einer Arbeit über Bertolt Brecht, der ihn 1956 wenige Monate vor seinem Tod ans Berliner Ensemble holte.

In den Folgejahren knüpfte Wirth auch Kontakte mit Schriftstellern und Intellektuellen in der Bundesrepublik, schloß sich der Gruppe 47 an, wurde zum bedeutenden Pionier in der Vermittlung zwischen polnischer und deutscher Kultur, und trug wesentlich dazu bei, die Arbeit polnischer Theatermacher wie Jerzy Grotowski in Deutschland bekannt zu machen.

1966 ging Wirth als Gastprofessor in die USA und entschloss sich aufgrund der Verschärfung der politischen Lage in Polen nach Märzunruhen des Jahres 1968 und der darauf folgenden antisemitischen Kampagne des Regimes, in den USA zu bleiben, deren Staatsbürgerschaft er inzwischen seit Jahrzehnten besitzt. 

Wirth unterrichtete an so bedeutenden Universitäten wie Harvard, der Stanford- oder der Yale University. Sein Interesse galt früh der Theaterarbeit Robert Wilsons und Heiner Müllers. 1982 berief ihn die Justus-Liebig-Universität Gießen, wo er das Institut für Angewandte Theaterwissenschaften gründete, das er bis zu seiner Emeritierung 1992 geleitet hat. Er lebt in Berlin und Venedig und beschreibt sich selbst gern als gebürtigen Polen, naturalisierten Amerikaner und deutschen Professor. Das ITI wird den Preis an Wirth Ende Juni in Halle im Rahmen des Festivals Theater der Welt überreichen.

(sle)

 

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