Presseschau vom 8. Juni 2016 – Deutschlandradio spricht mit der Aufsichtsratsvorsitzenden des Volkstheaters Rostock Sybille Bachmann

Keine Leistung gebracht

Keine Leistung gebracht

8. Juni 2016. Sybille Bachmann, Fraktionsvorsitzende des Rostocker Bundes in der Rostocker Bürgerschaft und Aufsichtsratsvorsitzende des Rostocker Volkstheaters, hat sich über die Jahre von einer Unterstützerin des geschassten Intendanten Sewan Latchinian zu seiner scharfen Gegnerin gewandelt. Latchinians Einschätzung, er sei "Opfer einer Intrige" geworden, weist sie im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur als pure Einbildung des Gefeuerten zurück: "Selbstwahrnehmung und die Realität liegen sehr weit auseinander".

Die Realität seien "Zustände im Haus, sind verspätete Spielplangestaltung, sind zurück gehende Besucherzahlen, zurück gehende Erlöszahlen, sind aktuelle betriebsinterne Vorgänge, die nicht vorkommen dürften".

Von Anfang an gewusst, was kommen kann

Angesichts Latchinians Behauptung, er sei als Intendant eines Viersparten-Theaters nach Rostock gerufen worden, weist Bachmann darauf hin, dass es von Anfang an Gespräche mit dem Oberbürgermeister gegeben habe, in denen "zur Debatte gestanden" habe, aus den vier Sparten eventuell zwei Sparten zu machen. Gespräche dieses Inhalts habe Latchinian selber bestätigt. Also habe er gewusst, was auf ihn zukommen könne. "Und dann muss ich irgendwann Lösungen finden."

In ein, zwei Jahren wieder aufbauen?

Das habe Latchinian nicht getan, anders der Geschäftsführer, der einen Plan vorgelegt habe, "Der geht in Richtung: Stärkung Musiktheaters, Erhalt Orchester, Erhalt Tanz. Und die Umgestaltung der Schauspielsparte mit Schwerpunkt in Kinder und Jugend. Und mehr ein – Einkaufen von erwachsenem Schauspiel. Aber in der Perspektive war natürlich eine Erweiterung jederzeit möglich, damit ich in ein, zwei Jahren dort wieder aufbauen kann" [von welchem Geld das geschehen solle, nachdem ja nun gerade wegen zurückgehendem Budget den Schauspielerinnen gekündigt wird, verrät Bachmann leider nicht – d. Verf.].

Um die prägende Rostocker Tradition des Erwachsenentheaters fortsetzen zu können, hätte Latchinian "Leistung bringen müssen. Wenn die Besucherzahken gerade auch im Schauspiel einbrechen, ... dann habe ich am Ende ein Problem und das habe ich zu lösen". Jetzt, nach dem Rauswurf des Widerspenstigen sehe sie keine "schlechte Stimmung am Haus, ich seh nur ganz viel Stimmungsmache."

(www.deutschlandradiokultur.de / jnm)

 

Mehr dazu:

Meldung vom 6. Juni 2016 – Rostocks Intendant Sewan Latchinian fristlos entlassen

Presseschau vom 8. Juni 2016 - Der Deutschlandfunk kommentiert die Entlassung von Sewan Latchinian

Presseschau vom 8. Juni 2016 – Der Norddeutsche Rundfunk spricht mit dem designierten Intendanten des Volkstheater Rostock Joachim Kümmritz

Kommentare

Kommentare  
#1 Lachinian entlassen, Deutschlandradio: TierärzteF.-P._Steckel 2016-06-08 23:24
Sie sehe keine schlechte Stimmung im Haus, sie sehe nur "Stimmungsmache", meinte Bachmann vor dem Hintergrund der so kurzfristigen Entlassung von Latchinian vor seiner Premiere am kommenden Freitag. Sie habe sich bereits vor der Entscheidung darum gekümmert, dass die Premiere stattfinden könne. Dazu brauche (man?) den Regisseur nicht. Es sei nur noch um die Generalprobe gegangen, betonte Bachmann: ’Von Kunst muss ich keine Ahnung haben. Aber wenn mir deutlich gesagt wird: 'Es ist nicht erforderlich. Und: Es könnte der Dramaturg, das könnte ein stellvertretender Regisseur übernehmen und dass das nicht unüblich ist' –, dann vertraue ich darauf.’

Das spricht die Vorsitzende des Aufsichtsrats eines (nicht länger) großen deutschen Stadttheaters! Obendrein handelt es sich um eine Première von Schauspielstudenten. Die Mitteilungen der Frau Bachmann beinhalten eine klare Umschulungsempfehlung: Kinder, werdet Tierärzte!

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