Dramenjuwel

Wien, 7. November 2016. Der exil-DramatikerInnenpreis 2016 geht an Mehdi Moradpour für sein Stück "türme des schweigens". Der exil-dramatikerInnenpreis wird vom Wiener Verein exil gemeinsam mit den Wiener Wortstaetten ausgelobt und ist mit € 2.000,- dotiert.

Der Jury des exil-DramatikerInnenpreis 2016 gehörten Esther Holland-Merten (Dramaturgin), Martin Pesl (Journalist) und Bernhard Studlar (Wiener Wortstaetten) an. Matin Pesl schrieb die Begründung der Jury, darin heißt es: "Mit 'türme des schweigens' legt der Autor Mehdi Moradpour ein kurzes Stück für vier sprechende und zwei weitere, stumme oder abwesende Personen vor, welches die Bezeichnung 'Exildrama' in jeder Hinsicht verdient. Die Familie, die er in einer gelinde gesagt komplizierten Situation zeigt, hat ihre Migration nach Europa schon hinter sich – sie ist nicht vordergründig Thema, sondern schwebt wie ein Damoklesschwert über dem Geschehen. [...] Wie gehen die Figuren mit einer ganz 'normalen', westlichen Katastrophe um? Moradpour geht dem Geschehenen in kurzen, sparsam betexteten Szenen sehr behutsam und keineswegs erschöpfend auf den Grund. Mit ebenso feinem Besteck behandelt der Autor die deutsche Sprache, die nicht seine Muttersprache ist, und lässt sie dadurch immer wieder frisch und neu wirken. [...] Mehdi Moradpour hat mit "türme des schweigens" ein feines, fragiles Dramenjuwel geschaffen [...]." die rechte für das Stück hält der Suhrkamp Verlag.

moradpour 280 neda navaee uMehdi Moradpour © Neda NavaeeMehdi Moradpour studierte Physik und Industrietechnik in Nur und Qazvin (Iran), im Leipzig und Havanna Hispanistik, Amerikanistik und Arabistik. Er lebt als Autor, Übersetzer und Dolmetscher für Farsi und Spanisch in Berlin. 2013 war er mit "reines land" für den Münchner Förderpreis für deutschsprachige Dramatik nominiert. 2014 wurde Mehdi Moradpour in den Lehrgang "Forum Text" an der UniT Graz aufgenommen. 2015 bekam er den Jurypreis des 3. Autorenwettbewerbs der Theater St. Gallen und Konstanz für mumien. ein heimspiel. Sein Musiktheaterstück "chemo brother" hatte im Frühjahr 2016 an der Deutschen Oper Berlin seine Uraufführung (Komposition: Eleftherios Veniadis / Arne Nitzsche, Regie: Marielle Sterra) und wird im Juni 2017 wieder aufgenommen.

2016 wurden beim international ausgeschriebenen Wettbewerb zum exil-DramatikerInnenpreis 67 Stücke eingereicht: Von 33 Autorinnen, 32 Autoren und 2 Teams aus den Herkunftsländern Argentinien, Australien, Deutschland, Griechenland, Iran, Israel, Luxemburg, Österreich, Russland, Schweiz, Serbien, Tansania und Ukraine.

Die bisherigen PreisträgerInnen waren Semir Plivac, Ana Bilic, Marianna Salzmann, Olga Grjasnowa, Azar Mortazavi, Valerie Melichar, Susanne Ayoub, Barbara K. Anderlič und Christian Maly-Motta.

(Wiener Wortstaetten / jnm)

mehr meldungen

Kommentare

Kommentar schreiben