Presseschau vom 12. Oktober 2017 – Regisseur Christopher Rüping im Deutschlandfunk Kultur über strukturellen Sexismus im Theaterbetrieb

Es fehlen die Kontroll-Gremien

Es fehlen die Kontroll-Gremien

12. Oktober 2017. Im Anschluss an den "Fall Harvey Weinstein" und die Debatte um Sexismus im Filmbusiness Hollywood hat sich Eckhard Roelcke für die Sendung "Fazit" auf Deutschlandfunk Kultur (11.10.2017) mit dem Regisseur Christopher Rüping über Sexismus auf den Bühnen unterhalten. Rüping meldet Zweifel an, ob er als Mann eigentlich der richtige Ansprechpartner sei, weil er lediglich "aus zweiter Hand" berichten könne. Aber er hat doch aufschlussreiche Beispiele aus dem Theaterbetrieb. Bewerbungen von Schauspielerinnen etwa würden nach Haarfarbe geordnet; in einem Bewerbungsverfahren sei der Satz gefallen: "Wir suchen nach tits and ass."

Am Theater macht Rüping ein Strukturdefizit aus, das aus der hierarchischen Organisation resultiere. Anders als etwa die IT-Branche besäßen die Häuser auch keine "Awarenessteams". "Der Theaterbetrieb ist ja fast noch ein bisschen feudal organisiert, es gibt eindeutige Machtdispositionen, es gibt wenige regulierende Gremien", sagt Rüping. "Das ist nicht nur schlecht, weil es natürlich auch immer darum geht, eine persönliche und in dieser Persönlichkeit eine möglichst radikal und Grenzen des bestehenden Denkens einreißende Lesart eines Stoffes zu finden, aber natürlich machen es genau diese Strukturen natürlich schwer, ein Forum zu stellen, in dem Betroffene, die zum Beispiel übergriffig behandelt wurden oder die sich vielleicht selber gar nicht sicher sind, ob das, was sie gerade auf der Probe erlebt haben, ob das jetzt noch im Rahmen des Erwartbaren, Möglichen und Notwendigen war oder schon längst darüber hinaus ging. Es gibt wenig Gremien oder wenig Stellen, an denen man das offen diskutieren könnte".

(deutschlandfunkkultur.de / chr)

Kommentare

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#1 Rüping über strukturellen Sexismus: unsägliche DebatteKanalvoll 2017-10-12 19:19
Und die Kontrollgremien-Mitglieder sind dann frei von jedem Sexismus, ja?
Die Wahrheit ist doch, dass man das gar nicht immer zu jedem Zeitpunkt kann, wie Rüping das vorschlägt in dem Gespräch: immer unter Aufbietung aller einem menschenmöglichen Kräfte zu unterscheiden, ob das momentan nur der Kunst dient oder ob da Begehren mit hineinspielt - beim Zuschauen, beim Proben, bei Schauspielern, bei Regie, bei allen, die in irgendeiner Sache miteinander zielstrebig auf ein Ergebnis hin umgehen, auch in anderen Branchen und Arbeitsgebieten...
Es ist doch schön, wenn es einem selbst hinterher auffällt oder sensibel bereits während man einem Sexismus anheimfällt - und dann geht einfach nichts über das Stopp-Sagen. - Als Zuschauer, als Regie, als Schauspieler: - stopp - jetzt stimmts hier irgendwie nicht (mehr) - Und das ist schon das einzige Kontrollgremium, das ich mir da vorstellen kann -
Diese ganze Debatte ist unsäglich. Ich habe das Gefühl, dazu reden nur Aliens miteinander, die am liebsten das Leben aus dem Leben entfernen wollen, um ja sichergehen zu können, dass ihnen kleine Flügelchen wachsen, damit theMamasundthePapas in der Rolle der Götter sie einst durchwinken, wenn sie das Zeitliche segnen müssen.
Fakt ist und bleibt:
Man muss nicht bei einem namhaften Filmproduzenten ins Hotel-Zimmer durchspazieren, wenn der einem überraschend zum Dienst-Termin im losen Bademantel die Tür öffnet. Aber: man kann durchaus auch, wenn man meint, dass einem dies dienlich wäre, selbst wenn man eigentlich keine Lust auf diese Nummer dieses Typen hat.
Man kann Jahrzehnte später dann dazu auch stehen, wie man sich einst entschieden hat... Wenn man kann.
Und man muss sich auch nicht an jedem kleinen Sender oder Theater sogleich mit einem Magnaten Weinstein vergleichen müssen -
Man muss übrigens auch nicht solche Interviews geben, wenn man aufrichtig der Meinung ist, dass der Interviewer sich auf jeden Fall lieber mit der Liebsten zu dem Thema unterhalten sollte - Warum also t u t es Rüping? Hat er sich genötigt gefühlt? WARUM?
Und warum denkt er überhaupt, dass hauptsächlich Frauen von dem Gefühl der Nötigung betroffen wären. Ich bin mir da gar nicht so sicher.
Mein Fazit: Sehrsehrschwaches Fazit vom DF Kultur
#2 Rüping über strukturellen Sexismus: selten klugPalfi 2017-10-13 09:22
Täusche ich mich oder ist es wirklich selten, dass ein Theatermacher so klug und sensibel über ein heikles Thema spricht wie Rüping in diesem Interview?
#3 Rüping über strukturellen Sexismus: TäuschungAsterix 2017-10-13 11:10
Klare Täuschung!
#4 Rüping über strukturellen Sexismus: Bigotteriemarie 2017-10-13 11:44
ich persönlich habe noch nie in meinem leben ein "gremium" gebraucht, um mich gegen "sexuelle übergriffigkeitsversuche" zu wehren.

beobachtet habe ich jedoch, wie schnell und wirkungsvoll gestreute gerüchte existenzen vernichtet haben und mir auch die leute genau angeschaut, die zu dessen verbreitung gern und reichlich beigetragen haben ... jedenfalls ein wirksames thema zum ablenken - beliebt auch zum fallen stellen ... letztendlich jedoch ein spiegelbild für eine gesellschaft, welche kriegsschauplätze mit unendlichem leid empörungslos hinnehmen kann, weil sie das thema "sexismus" zum abarbeiten ihrer bigotten moral als höchte priorität serviert bekommt.

was ist mit den unzähligen EINZELFÄLLEN von getöteten, verhungerten und ertrunkenen kindern, männern und frauen? >>> ach ja, ist ja nicht in hollywood und an anderen prominenten elite-orten ...

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