Kolumne Straßentheater - Wohl und Wehe von Opernhausschenkungen
Die Zauberflöte im Klausianum
11. Februar. Klaus-Michael Kühne, aktuell der reichste Deutsche, schenkt der Stadt Hamburg ein Opernhaus. Was sagt dieser Mäzenaten-Akt über den Stifter? Und was bedeutet er für die Beschenkten – in Zeiten, in denen andernorts gerade ein Theaterneubau von den Bürgerinnen und Bürgern deutlich abgewählt wurde?
Von Janis El-Bira
11. Februar 2025. Wann hat eigentlich das letzte Mal jemand einer Stadt ein Opernhaus geschenkt? Also wirklich geschenkt? Nicht bezuschusst oder als Teil des großen Kollektivs einer engagierten Bürgerschaft mit angeschoben, sondern tatsächlich: Portemonnaie auf und los geht’s?
Was als Meldung aus Hamburg in der vergangenen Woche klang wie eine Geschichte aus unvordenklichen Zeiten, hat im Europa des 21. Jahrhunderts doch immerhin einen indirekten Vorläufer. In Belgrad steht bereits ein nicht gänzlich unseriöses Opernhaus, das als Liebhaberprojekt von einer Einzelperson privat finanziert wird. Madlena Zepter, Ehefrau des serbischen Milliardärs Philip Zepter, erbaute und betreibt den Glaskasten komplett mit eigenem Geld im Zentrum ihrer Geburtsstadt. Ein Denkmal hat sich Madame Zepter damit gleich in mehrfacher Hinsicht gesetzt, die Institution heißt nämlich sogar wie sie – Madlenianum. So viel Stolz muss sein.
Hanseatische Diskretion
Nun steht nicht zu befürchten, dass Klaus-Michael Kühne, aktuell reichster Deutscher und alleiniger Stifter des spektakulären Hamburger Opernneubaus, ein "Klausianum" begründen wird (auch wenn das namentlich natürlich sehr hübsch wäre). Vielmehr übt sich Kühne in hanseatischer Diskretion und will das Haus nach Fertigstellung der Hamburger Staatsoper zum freien Betrieb übergeben. Zum Impresario wird der Schenkende schon allein aus Altersgründen (Kühne ist 87) also nicht werden, auch wenn bereits bekannt ist, dass er wohl den Architekten bestimmen und bitteschön nicht am Geschmack des Stifters vorbeigebaut werden soll. Wer womöglich einige Hundert Millionen Euro des eigenen Geldes hergibt, hat darauf natürlich alles Recht der Welt. Selbst ungeachtet dessen, dass es mit der Herkunft des Kühne-Vermögens eine etwas, nun ja, unrunde Bewandtnis hat.
Und auch wenn Kühnes Schenkung wenigstens im Kulturbereich eine selten gewordene Größenordnung haben mag, hat sie doch zahlreiche Vorgänger. Die Oper ist seit dem 16. Jahrhundert ein bevorzugtes Ziel philanthropischer Unternehmungen der Reichen und Mächtigen. Könige und Kirchenfürsten haben sie gesponsort, in einer Stadt wie Venedig gab es dereinst nicht weniger als zwanzig Opernhäuser im unmittelbaren Besitz wohlhabender Patrizierfamilien, und im New York des 19. Jahrhunderts bauten die superreichen Astors ein Opernhaus für die obersten Schichten, dessen aristokratischer Protz gewalttätige Straßenproteste mit mehreren Toten hervorrief.
Urgeschichtliche Schenkökonomien
Als in dessen Nachfolgerbau die Logen bald nicht mehr ausreichten für die wachsende Zahl kulturhungriger Vermögender, errichtete New Yorks Geldadel mit der Metropolitan Opera ein Haus, dessen Platzangebot der verbreiterten Spitze der Vermögenspyramide Rechnung trug. Die Anthropologin Vlado Kotnik hat diese Formen des Kultur-Sponsorships als eine moderne Fortschreibung urgeschichtlicher Schenkökonomien beschrieben: Wie die Stadt dem Stifter Wohlstand "schenkte", schenkt dieser ihr etwas seinem Wohlstand Entsprechendes zurück. Dabei wollen gewisse Symmetrien beachtet bleiben. Das ist einer der Gründe dafür, warum sich Superreiche eher mit einem Opernhaus als beispielsweise im sozialen Wohnungsbau verewigt sehen wollen, wie manche angesichts der Kühne-Meldung direkt forderten.
Zum Wesen von Schenkungen gehört, dass sie viel über den Schenkenden verraten und nicht zwangsläufig bedürfnisorientiert sind. Ob Hamburg denn wirklich einen Opernneubau brauche, mag angesichts der überaus großzügigen Gabe wenigstens in der Politik kaum jemand fragen. Was wäre das auch für eine Geste, ein solches Geschenk zurückzuweisen? Wahrscheinlich wäre aber ausgerechnet ein Opernhaus aktuell nicht das Erste, was die Hamburger Bevölkerung sich von Herrn Kühne wünschen würde, hätte dieser sein vieles Geld einfach zur freien Verfügung bereitgestellt.
Wohin schwingt das Meinungspendel?
In der zwar reichen, aber vom direktdemokratischen Prinzip bestimmten Schweiz haben sich die Luzerner*innen gerade mehrheitlich gegen den Neubau ihres Theaters entschieden – und das trotz eines einstimmigen Beschlusses des dortigen Stadtparlaments. Natürlich hatte das auch projektspezifische Gründe – aber wäre das Meinungspendel selbst im von aktuellen Sparzwängen verschont gebliebenen Hamburg nicht vermutlich ähnlich ausgeschlagen, wenn das neue Opernhaus aus der Stadtschatulle hätte bezahlt werden sollen?
Kühnes Schenkung fällt in Zeiten, da man das Gefühl hat, die Menschen besser gar nicht erst danach zu fragen, was ihnen ihre Theater, Opernhäuser und Museen tatsächlich wert sind. Stattdessen stellt ihnen einer einfach ein solches hin. Es kommt ihn teuer und den Übrigen sei es nun lieb. Wir müssen wahrscheinlich froh sein, solange sich die Superreichen bloß in der Kultur austoben.

Kolumne: Straßentheater
Janis El-Bira
Janis El-Bira ist Redakteur bei nachtkritik.de. In seiner Kolumne Straßentheater schreibt er über Inszeniertes jenseits der Darstellenden Künste: Räume, Architektur, Öffentlichkeit, Personen – und gelegentlich auch über die Irritationen, die sie auslösen.
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Arnold Maersk Mc Kinsey Möller stiftete einen Neubau der KÖNIGLICHEN OPER.
Im Juni 2001 war der Baubeginn, abgeschlossen der Bau am 1.10.2004.
Ein erstes Sonderkonzert gab es am 15.1.2005, die erste Opernpremiere (Verdis „Aida“) folgte am 26.1.2005.
Keine Kürzungen, sonder eine jährliche Budget-Steigerung um 11%, kein Gegeneinander Staatstheater versus Clubkultur. Carsten Brosda und seine Mannschaft versuchen wirklich, alles gleichermaßen zu entwickeln.
Aber mir scheint, dass es nicht nur am Geld liegt, sondern vor allem an Konzepten, die sich nicht an Jahresetats oder Legislaturperioden orientieren, sondern an längeren Zeiträumen, an langen Linien.
Das gibt viel mehr Vertrauen der Akteure, mehr Begeisterung der Zuschauenden und ja, offensichtlich auch mehr Begeisterung für Sponsoren, sich hier langfristig einzubringen.
Keine Blaupause, aber vll wäre ein verstärkter Austausch zwischen den Verantwortlichen in Berlin und Hamburg doch nicht das schlechteste. Von der Wichtigkeit von Sponsoren wird ja dort auch viel gesprochen …
https://www.zdf.de/kultur/aspekte/kultur-kuerzung-wandel-aufruhr-100.html
"Felder" einer "Dauerausstellung
1.1 Umfeld-Erkundung/Wo sind „wir“ – Wer ist „wir“ überhaupt?
Der Hafen insgesamt als Ort von Flucht, Vertreibung, Migration.
Der Baakenhafen war ein Ausgangspunkt für jene Soldaten des Deutschen Reiches, die von 1904 bis 1908 Völkermord an den Herero und Nama im heutigen Namibia (damals: Deutsch-Südwestafrika) begingen. Die Forderung, am Standort ein Dokumentationszentrum einzurichten, spiele in der Opern-Planung aber keine Rolle, hat der Hamburger Kultursenator Brosda gesagt. Kritische Brücke zu Kühne + Nagel: Analogien zwischen Rassismus/Antisemitismus? Ausblick-Einblick Gegenwart: Wie hat es der neoliberale/postliberale Kapitalismus geschafft, sich als „ideologiebefreite“ technische Anwendung zu verkaufen: „ohne ideologische Scheuklappen“ – die Opfer je nach Feindbild-Konjunktur im Visier?
2 "Arisierung" des Konzerns/Verdrängung von Adolf Maass (ermordet in Auschwitz) aus dem Konzern Kühne + Nagel (1933)
3 Die Rolle von Häfen, Flughäfen, Bahnhöfen
Die Opfer: Aufbruch, Ende von Leben und ewiges, rechtloses Interim.
Die Täter: Logistische Schnittstelle für Staatsterrorismus/Totalitarismus wie NS
Kühne + Nagel: Ausplünderung der Wohnungen/ Raub von Kunstwerken aus dem Besitz der von den Nazis verfolgten und ermordeten Menschen in Europa - auf einem "Markt" also, zu dessen NS-Expansion ("Weltkrieg") sich das Wachstum von Kühne + Nagel proportional verhielt. Wem gehört das Land, auf dem wir gerade – wie immer viel zu spät – kritische Miene zur bösen Realität machen?
4 Verbrecherische Kontinuität der Keywords und Narrative
1933-1945-2025 (ohne Grundgesetz und Auschwitz-Prozesse):
„Wirtschaftswunderland"=“Deutsche Wirtschaft“=“Deutschland“
Keinerlei Konfiszierung verbrecherisch "erworbenen" Vermögens, Ehrungen des Klaus-Michael Kühne durch Hamburg/dessen Drohungen, Sponsorengelder zurückzuziehen, sobald sich jemand erdreistet, auf die Historie des Kühne-Kapitals hinzuweisen. (https://taz.de/Eklat-um-Harbour-Front.../!5875250/)
5/1.2 Ortsbegehung Wo sind „wir“ – Wer ist „wir“ überhaupt?
Ein kritischer Blick auf das Gehäuse, in dem „man“ sich gerade befindet: Apotheose des Kühne-Kapitals mit/durch uns, die wir hier kritisch rumstehen?
Warum sind wir hier drin – schon aus dem Berliner Stadtschloss/Humboldtforum, sogar von Holocaust-Leugnern co-finanziert, kommen ja weder „wir“ noch das Luv-Boot wieder raus.
Warum wird es – wie immer – zu spät sein: im unwahrscheinlichen Fall, dass ein derartiges Szenario Realität würde?
Chemnitz ist Sachsen, ist Osten, ist dunkel, ist rechts. Da will niemand hin.
(Anm. Redaktion/Christian Rakow: Das gibt mir die wunderbare Gelegenheit, auf unsere Regionalkarte zu verweisen: https://nachtkritik.de/nachtkritik-regional?view=regional Dort werden Sie viele Besprechungen auch aus Ostdeutschland finden. Aus Chemnitz zuletzt die Schiller'sche "Verschwörung des Fiesco zu Genua" am 2. Februar 2025.)