Presseschau vom 30. September 2011 - die Welt über spielwütige Regisseure
Sie wollen doch nur spielen
Sie wollen doch nur spielen
30. September 2011. Anlässlich der Hamburg-Premiere von Nicolas Stemanns Gesamt-"Faust", in dem der Regisseur auch selbst auf der Bühne steht, konstatiert Matthias Heine im Feuilleton der Welt einen Trend zum Regisseurs-Laientheater.
Früher habe der Weg ja eher in die umgekehrte Richtung geführt, also: Aus Schauspielern wurden Regisseure. Nur in absoluten Ausnahmefällen sei mal ein Spielleiter für einen seiner Darsteller eingesprungen. Heutzutage jedoch sei der mitspielende Regisseur "nicht mehr Notlösung, sondern Dauermaßnahme": "Wenn der Spielplan es will, treten in Berlin etwa an einem einzigen Abend gleichzeitig mindestens drei in ihren eigenen Inszenierungen auf: Patrick Wengenroth in der Schaubühne in 'Wir Kinder vom Bahnhof Zoo', Dimiter Gotscheff und Nicolas Stemann in 'Hamletmaschine' und 'Zwölf letzte Lieder' im Deutschen Theater." Dabei bräuchten fast alle dieser selbstinszenierten Spieler einen "Fetisch", um sich daran festzuhalten: "Was bei Stemann und Wengenroth die Gitarre und das Mikrophon sind, war bei Castorf und Stein das Textbuch."
Für sie alle, auch für den Charismatiker Schlingensief und die "Urkraft Einar Schleef", gelte: "Der Regisseur ist auf der Bühne nur ein Sonderfall des Laien." Und Laien seien ja im letzten Jahrzehnt zu einem "unerlässlichen Bestandteil des postdramatischen Theaters" geworden. So erklärt sich Heine den Spieltrieb der Regisseure "als Untertrend jenes Megatrends zum Laientheater."
(sd)
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