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Brecht-Schauspielerin Käthe Reichel ist tot
Heilige Johanna und Shen-Te
Berlin, 19. Oktober 2012. Käthe Reichel ist tot. Wie unter anderem die Welt meldet, starb die Schauspielerin in der vergangenen Nacht im brandenburgischen Buckow. Sie wurde 86 Jahre alt.
Die 1926 in Berlin als Waltraut Reichelt geborene Reichel erhielt ohne Ausbildung erste Engagements in Greiz, Gotha und Rostock, wo sie Egon Monk entdeckte. Ihren Durchbruch erlebte sie ab 1950 an Bertolt Brechts Berliner Ensemble, wo sie in vielen Inszenierungen auftrat. Ihre Lieblingsrolle spielte sie als Titelfigur in "Die Heilige Johanna der Schlachthöfe", ihre Darstellung der Shen-Te in "Der gute Mensch von Sezuan" war prägend.
Seit 1961 war Reichel fest am Deutschen Theater engagiert. Für die DEFA spielte sie in Märchenfilmen wie "Wie heiratet man einen König", aber auch und im Klassiker "Die Legende von Paul und Paula". Eine ihrer wenigen Hauptrollen spielte sie im TV-Film "Muhme Mehle" von Thomas Langhoff. Daneben spielte sie viel fürs Fernsehen, in der DDR etwa die Großmutter in der legendären Kinderserie Spuk unterm Riesenrad, in der BRD in der ARD-Serie "Florian". Zu ihren Schülern zählt u.a. Margot Bendokat.
Reichel war auch politisch aktiv. 1976 protestierte sie gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann. Während der Wendezeit hielt sie auf der historischen Demonstration vom 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz eine Rede für Freiheit und Demokratie. Später unterstützte sie das internationale Komitee zur Verteidigung von Slobodan Milošević. 2000 erhielt sie den Menschenrechtspreis der Gesellschaft für Bürgerrechte und Menschenwürde.
2011 erschien ihr autobiografisches Buch Dämmerstunde.
(Welt / geka)
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Für kaum eine Schauspielerin fielen wohl Kunst und politisches Engagement so zusammen wie für Käthe Reichel. Dass sie bei Letzterem gerne übers Ziel hinausschoss (was sie immer heftig bestritt), mag man ihr nachsehen. Sie ruhe in Frieden!
Ich habe mal mit ihr Geld im Foyer des DT gesammelt. Für die Frauen im Kosovo. Ich habe mich etwas unwohl dabei gefühlt. Sie ging forsch voran. Ich lernte von ihr, wie man mit entschiedener Haltung Geld aus den Taschen der Bürger zieht. Das hat mir wirklich imponiert.
Diese Unerschrockenheit.
Danach sah ich sie auf der Bühne im "Kreidekreis". Kleine Rolle. Sie schritt voran, genauso wie im Foyer.
Eine Frau, die man überall hinstellen konnte und die immer unverwechselbar bei sich blieb.
Sie brauchte das BE nicht. Das BE würde sie dringend benötigen. Aber jetzt ist sie verstorben.
Traurig.