Anthropos, Tyrann (Ödipus) - Volksbühne Berlin
Untergang, live und in Farbe
von Andrea Heinz
Berlin / Online, 19. Februar 2021. Fangen wir gleich damit an: Mit "Anthropos, Tyrann (Ödipus)" ist der Volksbühne ein richtig großer Wurf gelungen. Gemeinsam mit dem Theater des Anthropozän der Humboldt Universität, mit der Meeresbiologin Antje Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts Bremerhaven (AWI) und Mitverfasserin der Stellungnahme "Klimaziele 2030: Wege zu einer nachhaltigen Reduktion der CO2-Emissionen" der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, und dem Dramaturgen Frank Raddatz verkündet Regisseur Alexander Eisenach "die Wiederauferstehung der Tragödie". Wobei die ja streng genommen nie tot war, ist unsere Gegenwart doch eine einzige Tragödie: Wir schauen, "live und in Farbe", wie es im Stück einmal heißt, zu beim Untergang, aber laufen lieber sehenden Auges hinein, als ernsthaft etwas dagegen zu unternehmen. Wie Menschen halt so sind.
Woyzeck Interrupted - Deutsches Theater Berlin
Jeder Mensch ein Abgrund
von Shirin Sojitrawalla
Berlin, 19. Dezember 2020. Georg Büchners "Woyzeck" ist kein Stück über häusliche Gewalt, auch wenn ein Frauenmord darin geschieht. Einer jener Femizide, an denen sich die Dramenliteratur ergötzt. Woyzeck ersticht Marie aus vielerlei Gründen, Eifersucht mag einer davon sein. Ein Mord aus Eifersucht im Jahr 1821 inspirierte Büchner zu seinem Fragment. Dass heute in Deutschland durchschnittlich an jedem dritten Tag eine Frau von ihrem Mann oder Ex-Mann getötet wird, inspirierte wiederum die Schauspielerin und Dramatikerin Mahin Sadri und den Regisseur Amir Reza Koohestani zu ihrer "Woyzeck"-Version am Deutschen Theater Berlin.
Familiodrom - Sophiensaele Berlin
Wir Kollektiveltern
von Falk Schreiber
Berlin / Online, 8. Dezember 2020. Ziemlich schnell wird klar, dass man durchschnittlichstes Mittelmaß ist. Hätte man nämlich Kinder, dann würden die wohl in einer Großstadt aufwachsen, in einem sozial heterogenen Viertel aber in einem mehrheitlich weißen Umfeld, und das Milieu wäre eines, das man als "sozialökologisch" bezeichnen könnte. Und tatsächlich: Die Kinder der meisten Zuschauer*innen dürften in vergleichbaren Verhältnissen aufwachsen. Interrobang haben mit dem "Empowerment nach Rousseau" "Familiodrom" eine ziemlich homogene Blase aus dem heterogenen Stadtteil in die Berliner Sophiensæle gelockt. Beziehungsweise ins Internet, wo "Familiodrom" als immersive Zoom-Performance stattfindet, aus Gründen des Pandemieschutzes, aber auch, weil das Netz hier strukturbildendes Element ist: Es geht darum, ein Kind als "Kollektiveltern" zu erziehen, und das Kollektiv schließt sich online zusammen.
Regie: Sebastian Nübling
Regie: andcompany&Co. (Alexander Karschnia, Nicola Nord, Sascha Sulimma &Co.)
Regie: Yael Ronen
Regie: Lucia Bihler
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