Ungeduld des Herzens - An der Schaubühne Berlin macht Simon McBurney aus dem Roman von Stefan Zweig ein lasches Live-Hörspiel
Mitleid im Kaffeehaus
von Sophie Diesselhorst
Berlin, 22. Dezember 2015. Huch, hat Katie Mitchell die Hälfte ihrer Ausrüstung auf der Bühne vergessen? Und die Schaubühnen-Schauspieler*innen auf Autopilot gestellt? Virtuos ergänzen sie einander im Stummfilm-Spiel und der Synchronisation per Mikrophon; ja, bisweilen tritt sogar eine*r aus dem Off mit einer kleinen Kamera an die heran, die gerade im Spotlight in einer dramatischen Stefan Zweig-Szene zerfließen und zoomt auf die Gesichter, um die jeweiligen Seelen unters Mikroskop zu halten. Insgesamt ist es aber doch eher ein Live-Hörspiel als ein Mitchell'scher Live-Film, was Simon McBurney aus Zweigs "Ungeduld des Herzens" gemacht hat; ein Roman, den Zweig 1938 im Exil verfasste, dessen wesentliche Handlung aber vor dem Ersten Weltkrieg spielt.
Drei Schwestern - Leander Haußmann inszeniert Tschechow am Berliner Ensemble als großes Ausstattungstheater mit kindlichem Blick
Rauswurf aus dem Karussell
von Wolfgang Behrens
Berlin, 17. Dezember 2015. Noch vor wenigen Tagen hat Leander Haußmann seinen Regisseurskollegen Alvis Hermanis verteidigt: nicht dessen schwer verdauliche Ansichten zur Flüchtlingsthematik, aber doch den Künstler hinter diesen Ansichten. Nun betritt man den Zuschauerraum des Berliner Ensembles, blickt auf die Bühne und denkt: Aha, Hermanis! Denn wie bei Hermanis' Wiener Platonov-Inszenierung (die auch beim Berliner Theatertreffen 2012 zu besichtigen war), so sehen wir auch hier – in Haußmanns neuer "Drei Schwestern"-Produktion – einen einzigen Ausstattungstraum: Lothar Holler hat einen russischen Salon nachgebaut, wie er im Buche steht, mit hohen abblätternden Wänden, ollen Porträts, Antikplunder, Kerzenleuchtern und wunderbaren Durchblicken in die Nachbarräume. Wenn irgendwo im Berliner Ensemble unter Claus Peymann noch Reste des Brecht'schen Verfremdungseffektes überlebt haben sollten, dann sollen sie heute wohl erster Klasse beerdigt werden!
Nora - Am Deutschen Theater Berlin poliert Stefan Pucher mit einer Ibsen-Überarbeitung von Armin Petras die Oberflächen des Emanzipationsdramas
Fiebrige, falsche Leidenschaft
von Sophie Diesselhorst
Berlin, 4. Dezember 2015. "Bye-bye, Mister Norwegian Pie" singt Christine Linde (Tabea Bettin) zum Abschied und unterbricht das starre Melancholical, in dem die Eheleute Helmer gefangen sind, noch einmal kurz mit ihrem skurrilen Auftreten – das sowieso das einzig Erfrischende an diesem kurzen Abend gewesen ist. Denn allein Bettin findet zu einem Ton, der Armin Petras' Ibsen-Überschreibung irgendwie erträglich macht: Sie fertigt ihren Text mit kühler Nonchalance ab. Zugegebenermaßen sehr viel schwieriger ist das vor allem für Katrin Wichmann als Nora, die in Stefan Puchers Inszenierung zwischen heißer Authentizitätssehnsucht und kalter Authentizitätssehnsuchtsironisierung hin- und herhetzt.
Regie: Cecilie Ullerup Schmidt, Andreas Liebmann
Regie: Malte Schlösser
Regie: Fabian Hinrichs, Schorsch Kamerun
Regie: Sebastian Nübling
Regie: Tom Kühnel, Jürgen Kuttner
Regie: Sylvain Creuzevault
Regie: Nurkan Erpulat
Regie: Paul McCarthy & Damon McCarthy
Regie: diverse
Regie: copy & waste
Regie: Constanze Behrends
Regie: Angélica Liddell
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