Auferstehung - Alize Zandwijk bringt in Bremen Armin Petras' Dramatisierung von Tolstois Roman zur Uraufführung
Wie wollen wir leben?
Von Falk Schreiber
Bremen, 8. März 2019. Hey, ho, Kasatschok. Mit dem ersten Bild von Tolstois "Auferstehung" hat Alize Zandwijk alle gängigen Russland-Bilder abgearbeitet. Beppe Costa spielt einen wilden Rhythmus auf der Mandoline, jemand tanzt, jemand schwankt, der Alkohol fließt in Strömen. So sentimental, leidenschaftlich und tränenreich geht es zu, hinter dem Ural. Und dann beginnt Annemaaike Bakker, mit sektschwerer Zunge zu erzählen: von der Magd Jekatarina, die einst vom jungen Fürsten Nechljudow verführt wurde. Jemand wirft ein, dass es sich wohl eher um eine Vergewaltigung gehandelt habe. Das ist nicht so ganz klar, jedenfalls sei sie schwanger geworden, habe das Kind verloren und sei auf die schiefe Bahn geraten. Wahllose Männerbekanntschaften, Prostitution, und jetzt stünde sie vor Gericht, einen Freier habe sie ermordet.
Aus dem Nichts - Nurkan Erpulat inszeniert in Bremen Armin Petras' Adaption des Films von Fatih Akin
Krimi mit Untergrund
von Jan-Paul Koopmann
Bremen, 14. Februar 2019. Als zum Ende die Schredder anlaufen, ist die Trennschärfe eh längst dahin. Es ist ein Chaos, das da zu melancholisch-schöner Musik in den Aktenvernichtern landet: Zettel mit den Namen der NSU-Opfer Mehmet Turgut, Enver Şimşek oder Theodoros Boulgarides. Auf anderen finden sich die Schlagworte der Migrationsdebatte: "Deutschland schafft sich ab" etwa, oder schlicht "Chemnitz". Auch ein Foto von Otto Schily wird gehäckselt, dazu diverse Dokumente, auf denen das Relevante längst schon in dicken Balken geschwärzt wurde. Es ist eine der stärksten Szenen in Nurkan Erpulats "Aus dem Nichts" Inszenierung, wie da minutenlang nur Schnipsel fliegen – aber auch ihr entlarvendster.
Hier bin ich - Am Theater Bremen inszeniert Felix Rothenhäusler den Roman von Jonathan Safran Foer
Scheitern als Technik
von Jan-Paul Koopmann
Bremen, 29. November 2018. "Dass der Hund hier alles vollkackt, das vergleichst du mit der Shoah?" Man kann die Entrüstung des ansonsten eher weniger sensiblen Opas Irv schon verstehen. Es ist ja wirklich eine Zumutung, wie Jonathan Safran Foers Roman "Here I Am" leichtfüßig den Massenmord am jüdischen Volk mit einem drohenden Untergang Israels vermengt – und beides zur Projektionsfläche degradiert für die herzerweichende Trennungsgeschichte eines US-amerikanischen jüdischen Pärchens irgendwo Anfang der 40. Diese Spiegelung hat Felix Rothenhäuslers Inszenierung sehr genau verstanden. Sie beleuchtet die Beziehungen zwischen diesen und jenen überhaupt bis ins Mark: zwischen Vater, Mutter und Kind, Volk und Religion, Israel und Diaspora, Chef und Sekretärin. Nur wer die Menschen in diesen Konstellationen eigentlich sind, ist dem Stück auf frappierende Weise egal.
Regie: Monika Gintersdorfer
Regie: Moritz Beichl, Emilie Girardin Dobosiewicz, Saskia Kaufmann, Sophia Barthelmes,
Regie: Alexander Giesche
Regie: Alexander Riemenschneider
Regie: Monika Gintersdorfer, Benedikt von Peter
Regie: Felix Rothenhäusler
Regie: Monika Gintersdorfer, Knut Klaßen
Regie: Johanna Schall
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