Scharfer Wind

Budapest, 4. Januar 2013. Wie der Wiener Standard meldet, ist der österreichische Schriftsteller Peter Esterházy wegen einer Theater-Empfehlung zum Opfer der Zensur im staatlichen ungarischen Radio geworden. Esterházy hatte den Hörern in seiner monatlichen Sendung geraten, das Ungarische Nationaltheater zu besuchen, so lange noch dessen Intendant Robert Alföldi im Amt ist. Doch in der ausgestrahlten Sendung war diese Stelle rausgeschnitten worden. Über den Vorfall berichtet Esterhazy in der am Freitag erscheinenden Ausgabe der Wochenzeitung "Elet es irodalom" (Leben und Literatur). Auszüge aus dem Zeitungsbeitrag veröffentlichte am Donnerstag das Internet-Portal "index".

"Zum letzten Mal, so weit ich mich erinnern kann, wurde ich '81 zensiert", schreibt Esterházy darin. Bis zum Jahr 1989 hatte in Ungarn noch das kommunistische System geherrscht. "Wird man mich jetzt wieder anrufen, Verzeihung, es war ein Missverständnis? Weil wir plötzlich im Jahr '86 sind - und ich damals bereits über die Barbarei von '81 zu reflektieren vermochte. Aber ich will jetzt weder im Jahr '81 noch im Jahr '86 leben. Damals habe ich schon einmal gelebt, ein Mal war genug."

Seit der Machtübernahme des rechts-konservativen Ministerpräsidenten Viktor Orbán im Jahr 2010 stehen die öffentlich-rechtlichen Medien in Ungarn unter der Kontrolle von Orbán-loyalen Kadern. Am Budapester Nationaltheater, der ersten Bühne des Landes, kommt es in diesem Sommer zu einem Intendantenwechsel. Der bisherige Theaterchef Robert Alföldi wird von Attila Vidnyanszky abgelöst. Der Regisseur steht Orbán nahe und vertritt eine anti-westliche, konservative Theaterauffassung.

(der standard / sik)

 

Mehr Meldungen zur zweifelhaften Politik und Kulturpolitik in Ungarn: 

17. Dezember 2012: Kandidat der Regierung wird Intendant des Ungarischen Nationaltheaters

21. März 2012: Theaterbrief Ungarn (2) – Gefährdung und Chancen des Theaters in Ungarn am Beispiel des Budapester Trafó-Theaters

 

 

Kommentar schreiben