Von der Elbe an den Rhein

Düsseldorf, 12. November 2014. Wilfried Schulz wird neuer Intendant des Schauspielhauses Düsseldorf. Das meldet die Landshauptstadt Düsseldorf auf ihrer Internetseite, nachdem die Meldung bereits im Laufe des Tages u.a. via WDR an die Öffentlichkeit gedrungen war. Die Aufssichtsratsentscheidung sei einstimmig ausgefallen. Aktuell leitet Schulz das Staatsschauspiel Dresden. Über seine mögliche Berufung nach Düsseldorf war seit Längerem spekuliert worden.

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© Matthias Horn
Schulz soll das Düsseldorfer Schauspielhaus ab der Spielzeit 2016/17 übernehmen. Es befindet sich nach einem mehrmaligen Führungswechsel seit 2011 in einer tiefen Krise. Derzeit wird es übergangsweise von Altintendant Günther Beelitz geführt.

Schulz werde nunmehr mit der sächsischen Landesregierung einen Vertrag zur vorzeitigen Auflösung seiner Dresdner Intendanz schließen, heißt es in Düsseldorf, um dann einen Fünf-Jahresvertrag für die Düsseldorfer Schauspielleitung zu unterzeichnen. Die Vorbereitungen für seine erste Spielzeit werde der neue Intendant am 1. Januar 2015 aufnehmen.

Wilfried Schulz, der 1952 in Berlin geboren wurde, arbeitete als Dramaturg an den Theatern in Heidelberg (wo er den Heidelberger Stückemarkt mitbegründete), Basel und am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Von 2000 bis 2009 war er Intendant des Schauspiels Hannover, danach wechselte er nach Dresden. Produktionen seiner Häuser wurden und werden regelmäßig zu bedeutenden Festivals eingeladen. Auf dem Berliner Theatertreffen gastierte das Staatsschauspiel Dresden zuletzt 2011 mit Schillers Don Carlos in der Regie von Roger Vontobel.

(www.duesseldorf.de / WDR / geka / chr)


Presseschau

Für die Sendung "Mosaik" auf WDR 3 (13.11.2014) begrüßt Andreas Wilink grundsätzlich diese Intendanzentscheidung, denn Schulz sei "ein gewiefter, kluger, liebenswürdiger und gut vernetzter Theatermacher"; er habe an seinen "intellektuellen Anspruch den Gegebenheiten der Provinz angepasst. Düsseldorf muss keine Revolte fürchten. Und darf die Rückgewinnung des Publikums erhoffen." Allerdings liegt für Wilink darin auch das Risikofreie der Wahl: Die "Entscheidung für Wilfried Schulz ist gerade angesichts der lähmenden Dauerkrise des Düsseldorfer Schauspielhauses doch mutlos." Ein "Aufbruchssignal" sei die Berufung eines dann 64-Jährigen, der "den letzten Punkt seiner Karriere macht", nicht.

Eine "gute Wahl" ist Schulz für Stefan Keim in der Welt (online 12.11.2014). Zwar werde mit dem gelernten Dramaturgen die Tradition regieführender Intendanten in Düsseldorf gebrochen, aber "Wilfried Schulz steht für ein offenes, politisch denkendes Stadttheater" und sei "einer der klügsten Köpfe des deutschen Theaters". Der Anspruch an ihn: "In Düsseldorf muss er inhaltlich überzeugen und gleichzeitig Glamour bieten, große Namen, repräsentative Aufführungen. Ein Theater für die Stadt und möglichst viele Bürger unterschiedlicher Schichten, aber auch Inszenierungen, in die man Geschäftsfreunde und internationale Gäste einladen kann."

Christine Dössel von der Süddeutschen Zeitung (13.11.2014) findet die "Entscheidung für den seriösen Theaterdenker" Wilfried Schulz "absolut begrüßenswert". Dem "so erfahrenen wie umsichtigen, in Dresden sehr erfolgreichen Theatermann" sei "zuzutrauen, dass er den Düsseldorfer Tanker nach den Havarien der vergangenen Jahre wieder flott macht".

"Der solide Fahrensmann Schulz, ein dramaturgisch gebildeter Kopf (ohne Regie-Ambitionen)", werde die Aufbauarbeit nach den Defizitjahren "fortführen müssen, ehe er höhere Ziele stecken kann“, schreibt Andreas Rossmann in einem Kurzkommentar für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (13.11.2014). "Was in Düsseldorf alles schiefgelaufen ist, macht so bitter wie beispielhaft deutlich, wie schnell ein Theater abstürzen kann – und wie lange es braucht, es wiederaufzurichten. Wilfried Schulz könnte dafür der richtige Mann sein."

 

 
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