Effekte der Angst

25. Juni 2015.  In der vergangenen Woche erhielt der Berliner Autor und Regisseur Karsten Laske für sein Stück "Terrorkind" den Leonhard-Frank-Preis. Das teilte das Würzburger Mainfranken Theater mit, das den Preis "für einen herausragenden Bühnentext" gemeinsam mit der Leonhard-Frank-Gesellschaft in diesem Jahr zum neunten Mal vergeben hat. Der diesjährige Wettbewerb stand unter dem Motto "Angstfrei".

Leonhard Frank Preis 2015 Karsten LaskeDie Autoren der Langen Nacht der Modernen Dramatik 2015, Angelika Waldis, Karsten Laske (Preisträger) und Livia Huber (v.l.n.r.)
© Gabriela Knoch
"Angst ist zu einer Schlüsselemotion der Gegenwart geworden. Wie stellt sich individuelle oder kollektive Angst dar und welche politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Effekte löst sie aus?" hieß es in der Preisausschreibung. Es konnten Bühnentexte eingereicht werden, die mit maximal drei Schauspieler*innen besetzbar und noch nicht uraufgeführt worden sind

Aus rund 60 Einsendungen wurden drei Stücke von einer Jury ausgewählt. Die Jury bestand aus Daniel Osthoff (Leonhard-Frank-Gesellschaft), Hermann Schneider (Intendant Mainfranken Theater), Stephan Suschke (Schauspieldirektor Mainfranken Theater), Roland Marzinowski (Leitender Schauspieldramaturg), Wiebke Melle (Schauspieldramaturgin), Tim Stefaniak (Regieassistent und Regisseur des Gewinnerstücks 2015) und der Preisträgerin des letzten Jahres, Ulrike Schäfer. Am Ende der "Langen Nacht der Modernen Dramatik" kürte die Jury das Gewinnerstück, das am 25. Mai 2016 in den Kammerspielen des Mainfranken Theaters uraufgeführt wird.

Die Jury begründete ihre Wahl unter anderen mit folgendne Sätzen: "Vor dem Hintergrund von Gewalt und Terror entfaltet Karsten Laskes Text über ein Mutter-Sohn-Verhältnis eine eigentümliche und unheimliche Sogwirkung. Zunehmend werden alle Gewissheiten in Frage gestellt. Verschiedene, scheinbar unvereinbare Welten stürzen dabei plötzlich ineinander. Die Sprache umkreist fieberhaft die Geschehnisse, kann aber den Ursprung der Gewalt nicht finden."

Der Preisträger Karsten Laske wurde 1965 in Brandenburg / Havel geboren und wuchs in Sachsen auf. Nach einem Schauspielstudium an der Hochschule "Ernst Busch" in Berlin erhielt er ein Festengagement am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin. Anschließend arbeitete er an der Filmhochschule "Konrad Wolf" in Potsdam als künstlerischer Mitarbeiter im Fachbereich Regie. Seit 1998 arbeitet er als Autor und Regisseur. 2005 erhielt Karsten Laske den Grimme-Preis für die ARD-Doku-Reihe "Damals in der DDR". 2010 wurde er für "Mein Bruder, Hitlerjunge Quex" mit der Goldenen Lola für das beste Spielfilmdrehbuch ausgezeichnet. Karsten Laske lebt auf der Insel Hiddensee.

Der Leonhard-Frank-Preis ist nach dem in Würzburg geborenen Schriftsteller Leonhard Frank (1882 – 1961) benannt und wird seit 2007 von der Leonhard-Frank-Gesellschaft und dem Mainfranken Theater jährlich vergeben. Der Preis ist mit 4000 Euro dotiert.

Unter den Preisträgern der vergangenen Jahre waren Paul M. Waschkau (dessen Stück dann aber doch nicht uraufgeführt wurde) Johanna Kaptein und Sarah Trilsch.

(Mainfranken Theater / sle / jnm)

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