Beschränken, erfassen, speichern

17. Mai 2020. Die Kulturminister*innen von Bund und Ländern haben in einem sechs Seiten umfassenden Konzept für Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Regierungschef*innen der Länder Eckpunkte für Öffnungsstrategien für die Kulturszene festgelegt. Das berichten mit Berufung auf die DPA diverse Medien, darunter die Berliner Zeitung. Laut den Berichten hat die DPA Auszüge aus dem Papier dokumentiert.

Dieser Dokumentation zufolge haben sich die Kulturminister*innen für eine planvolle Öffnung weiterer kultureller Einrichtungen und Aktivitäten ausgesprochen, um "eine dauerhafte Schädigung der reichhaltigen Kulturlandschaft hierzulande" zu verhindern. Im Zuge der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie war der Spielbetrieb in Deutschland Mitte März eingestellt worden.

Lokale Voraussetzungen, ergänzende Konzepte

Als Voraussetzung für Lockerungen werden jeweils die lokalen Entwicklung der Infektionszahlen genannt. Auf dieser Basis sollten Vor-Ort-Konzepte entwickelt werden, heißt es weiter, die individuell an die jeweilige Spielstätte, Einrichtung oder Veranstaltung angepasst sind. Zur Begrenzung von Besucherzahlen sollen dabei in Theatern Sitzplätze und ganze Sitzreihen ausgelassen werden. Ticketing-Systeme sollen den Vorstellungen der Minister*innenrunde zufolge dabei die Einhaltung Mindestabstand sicherstellen helfen.

Zur Vermeidung von Warteschlangen wollen die Kulturminister*innen Online-Tickets und Zeitfenster, wie es in den Berichten weiter heißt. Zur Nachverfolgung bei Erkrankungsausbrüchen sollen Kontaktdaten der Besucher*innen und Sitzplatzbelegung erfasst und gespeichert werden. Zur Verringerung der Aerosol-Belastung in Sälen und Innenräumen werden von der Kulturminister*innenkonferenz ergänzende Konzepte empfohlen.

Zum Schutz künstlerischer Akteur*innen sind dem Papier zufolge unterschiedliche Regelungen für Darsteller*innen auf der Bühne, Orchestermusiker*innen, Chorsänger*innen, Tänzer*innen oder Schauspieler*innen notwendig. In Probenräumen oder Garderoben soll die zulässige Personenzahl beschränkt werden. Aus Sicht der Kulturminister*innen müssen auch künstlerische Programme den veränderten Bedingungen angepasst werden. Hier werden insbesondere "kleinformartige Darbietungen sowohl in geschlossenen Räumlichkeiten als auch im Freien" empfohlen.

( berlin.de / sle)

 

18. Mai 2020: Der Deutsche Bühnenverein begrüsste die Verabschiedung des Papiers, an dessen Handlungsempfehlungen es "als Branchenverband der Theater und Orchester maßgeblich beteiligt" gewesen sei, wie Geschäftsführer Marc Grandmontagne in einer Erklärung hervorhob, die der Bühnenverein per Presseaussendung verbreitete. Das Eckpunktepapier sei "eine kluge Regelung", die es schaffe, "den absolut notwendigen Gesundheitsschutz mit der Öffnung künstlerischer Produktionsmöglichkeiten zu versöhnen, und durch einen dynamischen Charakter tagesaktuell zu bleiben." "Das Papier räumt dem Gesundheitsschutz der Mitarbeiter*innen und des Publikums oberste Priorität ein," so Ulrich Khuon, Präsident des Deutschen Bühnenvereins in der gleichen Pressemitteilung. Gleichzeitig betone es "die herausragende Bedeutung von Kunst und Kultur für unsere Gesellschaft und die schwierige Lage, in der sich Kulturschaffende und Institutionen durch die pandemiebedingten Beschränkungen befinden." Es komme deutlich heraus, dass es notwendig sei, "Vor-Ort-Konzepte mit grundlegenden Schutzvorkehrungen zu entwickeln, und dass es keine Generallösung gibt." 

(Bühnenverein / sd)

 

Mehr zum Thema:

Deutschlands Theater proben den Wiedereinstieg in den Spielbetrieb. Eine Recherche von Harald Raab.

Mit welchen Formaten ist die Wiedereröffnung möglich? Theaterpodcast #25 Zurück aus dem Netz mit den Gästen Cornelia Fiedler und Martin Wuttke.

Dem Publikum stehen keine leichten Zeiten bevor von Jörg Hänzschel, Kommentar, Süddeutsche Zeitung (19.5.2010)

 

 

 
Kommentar schreiben