Dämmernde Diskursgewächse

von Nikolaus Merck

Berlin, 31. Januar 2009. Man erfährt ja im Theater immer wieder Interessantes. Etwa dass Pornodarsteller ein Vielfaches der Helden des Fernsehens verdienen. Oder dass 29 Zentimeter eben doch mehr Lust machen als 14 Zentimeter. Das wenigstens behauptet Tom Donkey, der so heißt wegen seiner 29 Zentimeter, womit er zum rechten Superstar aufgestiegen ist, pornobusinessmäßig. Andererseits ist das mit den Wahrheiten im Theater auch immer so eine Sache.

In "Donna Davison" in den Kammerspielen des Deutschen Theaters trägt Mister 29 cm einen rosa Anzug und oben einen leicht fettigen Vokuhila. Während die Titelheldin im knallengkurzen Grausilbernen auf Wolkenkratzer-Absätzen erscheint. Will uns die Kostümbildnerin weismachen, so trüge sich das fleischerne Business outfitmäßig? Wir denken, das sind Klischees. Wiederum andererseits erweckt ein Theater, auf dem Sätze gesagt werden wie: "In der Pornographie verführt die Abwesenheit der Anwesenheit" natürlich unmittelbar Vertrauen. Diskursiv jedenfalls geht es hier state of the art zu.

Feminismus der neuen Körperlichkeit
Für die Sätze ist Thomas Jonigk verantwortlich. Der war mal eine große Junge-Autoren-Nummer in den Neunzigern. Damals gehörte er zum Umfeld des Theaters Affekt, einer freien Gruppe um den Regisseur Stefan Bachmann und den Dramaturgen Lars-Ole Walburg. Jonigk schrieb Die-Familie-ist-die-Hölle-auf-Erden-Stücke und auch dank seiner begann einst die Uraufführungssucht im deutschen Theaterwesen. Später ward's ein wenig ruhiger, der Mann machte Karriere, schrieb Romane, ein Opernlibretto, trat beim Bachmann-Preis im Jörg Haiderschen Klagenfurt auf. Jetzt kehrt er für ein Auftragswerk des Deutschen Theaters nach Berlin zurück: "Donna Davison".

In den Kammerspielen ist die Dame Davison nicht bloß Pornoaktrice und Trägerin des besagten Grausilbernen, sie vertritt auch einen neuen "körperlichen Feminismus", weshalb sie ihre lange blondierte Haarpracht eindrucksvoll femme fatale-mäßig einsetzt und außerdem Sachen sagt wie die von der "Anwesenheit der Abwesenheit". Die Wuchtbrumme Alwara Höfels spielt Donna Davison als ziemlich viel Frau. Zuviel Frau für Jan Friedberg, der zwar Tatort-Kommissar und Träger einschlägiger Film- und Fernsehpreise ist, aber leider nur 14 statt 29 Zentimeter aufweist und außerdem den Kardinalfehler begeht, sich in Donna zu verlieben.

Hätte er das Programmheft der Aufführung gelesen, hätte er gewusst: Bloß nicht. Pornodarsteller eignen sich nicht für Beziehungen mit Normalsterblichen. Weil letztere an der Seite von Profi-Sexlern eifersüchtig werden oder depressiv. Gut. Friedberg, den Thomas Huber sehr geradeaus und sehr geheimnisfrei vorstellt, weiß das nicht, weshalb er sich verliebt und unglücklich wird und depressiv.

Seidene Bettstatt vor Spiegelwand
Aber vielleicht spielt er das auch nur, Jonigk nämlich hat "Donna Davison" als Film im Film im Spiel geschrieben. Friedberg und Davison spielen in einem Film, der das Zusammentreffen eines Fernsehstars mit einem Pornostar bei gemeinsamer Filmarbeit zum Thema hat. Ho ho! Das ist raffiniert. Sehr gekonnt und verwirrend, aber leider will man am Ende der 80 Minuten gar nicht mehr wissen, ob Friedberg am Ende Davison umbringt oder nur spielt, dass er sie umbringt oder vielleicht bloß träumt, dass er spielt, dass er sie umbringt.

Zu diesem stetig sich steigernden Desinteresse trägt wesentlich die Regie von Hanna Rudolph bei, die die Figuren des Spiegelspiels allzu geradlinig inszeniert. Die Leutchen kommen und gehen, sprechen ihren Text und sind dabei komplett widerspruchsfrei. Derweil Videos zusätzliche Verwirrung über das Spiel im Spiel im Spiel stiften, legt das bedauernswert auf der Drehbühne kreiselnde Drei-Kammern-Häuslein mit Dusche, seidener Bettstatt vor Spiegelwand (Spiegel!) und Jalousiezimmer (beim Pornodreh flugs herunterzulassen) etwaigen Höhenflügen der Zuschauerfantasie genauso Fußeisen an wie die vor den Brandmauern dämmernden Fauteuils mit Grüngewächsen.

Katharina Schmalenberg als Regisseurin spielt statt der zu erwartenden Zuchtmeisterin einen Regie-Puck, eine Art zwangsweise an den Boden gehefteten Springteufel, und auch Michael Benthin mit seinen 29 Zentimetern und Sven Walser als Stichwortgeber und Agent der wirklichen Wirklichkeit können bei diesem Harmlosigkeitswahnsinn nichts retten.

Die "Anwesenheit der Abwesenheit" übrigens meint die Frau im Pornofilm, die als Idee der Frau anstelle der konkreten Frau agiert. Aber die Judith-Butler-Kundigen unter uns haben hinterher erklärt, dass der neue Feminismus auch darüber längst hinaus ist. So fehlte zum Diskursstück jonigkscherseits doch entscheidendes Diskursmaterial, zum interessant aufgedonnerten Regieunternehmen fehlte es Rudolphsch am Willen zur Verfremdung und Brechung des Vorgefundenen.


Donna Davison (UA)
von Thomas Jonigk
Regie: Hanna Rudolph, Bühne: Hansjörg Hartung, Kostüme: Geraldine Arnold, Musik: Bert Wrede, Video: Sebastian Pircher.
Mit: Alwara Höfels, Katharina Schmalenberg, Michael Benthin, Thomas Huber, Sven Walser.

www.deutschestheater.de

 

Kritikenrundschau

Als "Schlaumeier-Stück über Pornografie" bezeichnet Andreas Schäfer im Tagesspiegel (2.2.2009) Thomas Jonigks neues Stück "Donna Davison". Mehr als von ernst zu nehmenden Figuren handele es von Klischees, zu deren Entlarvung das Stück mit Realitätsebenen jongliere. Doch das Stück sei "nicht nur ein Stereotypenkarussell und Diskurslabyrinth, sondern auch ein Angsthasen-Text. Mit seinen Verspiegelungen will er nicht nur entlarven, sondern gleichzeitig auch Jonigks Position verschleiern." Regisseurin Hanna Rudolph mache "aus diesem albernen Nichts das Beste: eine grelle Farce." Selten habe man "freilich Schauspieler beim Schlussapplaus so ernst gesehen, so peinlich berührt von dem, was sie da anderthalb Stunden über die Bühne rumpeln mussten."

"Donna Davison" sei "eine Art postmoderner Verwechslungskomödie, die sich des altbewährten Theatertricks vom Spiel im Spiel bedient, um die Uraltfrage des Theaters zu stellen: Muss ein Schauspieler wissen, wovon er spielt, um glaubwürdig zu sein?", schreibt Dirk Pilz in der Berliner Zeitung (2.2.2009). Das Stück sei "zwar fein ausgedacht, aber kein bisschen mehr", es sei "ein anrisshaftes Konstrukt-Stück", in dem alles "haltungslos runtergehandelt" werde. Thomas Jonigk liefere "uns einen dramatischen Diskurs, der wie ein Kurzvortrag im Theaterwissenschaftsgrundkurs wirkt". Der jungen Regisseurin Hanna Rudolph bleibe nichts weiter übrig, "als diesen Text irgendwie unfallfrei über die Bühne zu bringen".

In einer Kurzkritik in der Berliner Morgenpost (2.2.2009) vermutet Peter Hans Göpfert, dass Jonigk "dem Zuschauer wohl mal zeigen" wolle, "dass der eine vorurteilslastige Sicht auf den Pornobetrieb hat". Dem Betrachter aber "schwanen die aufklärerischen Absichten des Autors rasch". Der Witz des Stücks erschöpfe sich schließlich in Filmtiteln wie "Anale Grande", "in puncto Humor könnte das Stück ein Rettungspaket gebrauchen."

"Dass er die Grenze zwischen Realitäts- und Drehbuchebene stets in der Schwebe" belasse, sei noch "die interessanteste Dimension von Jonigks Text, der daraus aber keine nennenswerte Neuerkenntnis" entwickle, meint Anne Peter in der Berlin-Ausgabe der tageszeitung (2.2.2009). Hanna Rudolphs Inszenierung nehme den Text "ganz von der ironischen Seite" und lasse Alwara Höfels als Donna "überdeutlich gegen alle Klischees an- und gleichzeitig ihren Sexappeal ausspielen". Doch leider "ist das alles eben doch kein Drama über eine sexuell befreite Frau, sondern lediglich eine Komödie über maskuline Neurosen, in der die hinlänglich bekannten Männerfantasien zwar weidlich auf die Schippe genommen, über spezifisch weibliche Lust jedoch kaum etwas erzählt wird."

Auch Jürgen Otten in der Frankfurter Rundschau (3.2.2009) interessiert sich für die Überlagerung der Ebenen in"Donna Davison": "Wann hört die Kunst auf? Wann fängt das Leben an? Ist Pornographie Kunst? Und ist Kunst schon Pornographie?" Allerdings verliere Thomas Jonigk sein Thema beim Versuch, es sprachlich auszuformen, "beinahe" aus den Augen. Richtig gefährlich werde es sogar, wenn sich die Komödie ins Stück hineindränge, und ausgerechnet auf diese Momente sattele die Regisseurin Hanna Rudolph auf: Sie sei "zu mutlos" und klebe "an der Trivialität des Textes" fest, "anstatt ihn gegen den Strich zu bürsten. Aber was soll sie machen? Zu massiv sind die Affirmationen Jonigks, zu effektgeladen ist seine Sprache, zu erwartbar, zu sehr Wirkung heischend. Das fast Paradoxe daran ist, dass man, je unzumutbarer dieser Text wird, umso mehr Freude am Zuschauen hat. Das Amüsement siegt über den Diskurs."

mehr nachtkritiken

Kommentare

Kommentare  
#1 Donna Davison in Berlin: schwache SchreibeLeser vom Rhein 2009-02-01 10:45
Zugegeben, habe das in Berlin nun nicht gesehen, aber: Herr Jonigk schreibt doch seit Jahren keine guten Texte mehr! Der kann doch froh sein, wenn die Regie diesen geistigen Dünnpfiff auf ein Niveau hebt, daß es zu ertragen ist. Habe in Düsseldorf "Hörst du mein heimliches Rufen" und "Diesseits" gesehen, und das waren beides sehr gute Inszenierungen schwacher Jonigkscher Schreibe. Das ist meine Meinung.
#2 Donna Davison in Berlin: Wuchtbrummen- und Butler-Kenner?Jeffra Stryka 2009-02-01 13:33
lieber Herr Merck, Wuchtbrumme? Und das als einzige Umschreibung Frau Höfels? Haben sie nebenbei noch was zum Spiel zu sagen? Beispielsweise, daß sie als einzige an diesem Abend in der Lage ist, zwischen "direkten Tönen" und "formalem Theatersprech" zu wechseln und damit überhaupt erst die Möglichkeit zur Unterscheidung der Spielebenen aufzeigt? Und überhaupt: Wuchtbrumme als Attribut verwenden, aber Judith- Butler- Kenner sein. Seltsame Kombination.
#3 Donna Davison in Berlin: nichts zu sehenTyler Durden 2009-02-01 15:59
So wie ich das Stück gelesen habe, dreht es sich eigentlich um die Korrumpierbarkeit des Kulturbetriebs. Schade, dass davon in der Inszenierung anscheinend nichts zu sehen war.
#4 Donna Davison in Berlin: überforderte, hilflose RegieLeser von der Spree 2009-02-01 19:52
Habe das Stück gestern abend gesehen und auch die letzten beiden Jonigk Dramen und muss dem Leser vom Rhein widersprechen. "Hörst du mein heimliches Rufen" in Düsseldorf war brilliant, "Diesseits" wurde zur Inszenierung des Jahres in Düsseldorf gewählt. Gestern abend am verlotterten Übergangs-DT war eine junge gehypte Regisseurin mit dem Stück vollkommen überfordert und hat versucht diese Überforderung mit einer hilflosen Mittelüberfrachtung zu kaschieren, was freilich nicht geglückt ist. "Donna Davison" ist folglich noch nicht uraufgeführt.
#5 Donna Davison: die Würde des Ortes verlangt ArgumenteLeser von der Panke 2009-02-02 00:49
"Brilliant", "Dünnpfiff", "Wuchtbrumme" - meine Damen und Herren, wäre es nicht der Würde dieses Ortes angemessen, ein wenig zu argumentieren? Ich freu mich drauf!
#6 Kritiken Donna Davison: wieder ein Auftrags-FlopZuschauer 2009-02-02 11:44
Wieder eine Uraufführung, wieder ein Auftragsschreiber, wieder ein Flop. Wieder keines der vielen neuen Stücke, die an anderen Theatern erfolgreich laufen, die man gerne sehen würde. Und wahrscheinlich wieder das Gejammere von Intendanten und Dramaturgen, neue Dramatik sei ja sooo ein Risiko. Wird das jemals besser?
#7 Donna Davison: Argumente machen es schlimmerprada 2009-02-02 17:15
warum immer argumentieren? Ist doch nur Spiel. Und was einer sagt, was bedeutet das schon? Was so alles gedacht wird in einem Zuschauerraum, nicht auszuhalten, an sich, aber wer sich auf eine Bühne stellt, will ja wohl als Freak oder Idol begafft werden und verlangt dafür noch Geld. Alles klar. Das meiste was hier gesagt wird, zu Theater überhaupt ist total langweilig und nervend. Aber Argumente machen es nur noch schlimmer. Wirklich. Nur diese professionellen Kritiken sind ganz gut und ausführlich, auch oft immer gut geschrieben, da versteh ich was, auch ohne Argumente. Die Kritiker, die wollen wenigstens was, die interessieren sich wirklich für Theater, nicht wie die, die immer Angst haben nicht verstanden zu werden. Es ist ein Spiel. Und es macht unheimlich viel spass.Das Stück ist halt nicht so richtig gut und die Regisseurin hat es nicht richtig auf die Reihe bekommen und die Schauspieler können es auch nicht reissen, na und? Next time, geht es vielleicht besser. Wenn es geil wäre hätten es die Kritiker auch gemerkt. Klar mal kommt es auch vor, da versteht der eine oder andere was nicht ganz, aber das ist schon eher selten
#8 Donna Davison: Prada groovtLeser von der Panke 2009-02-03 00:32
prada, man versteht dich nicht so richtig. was ist ein spiel, das forum hier oder was oder die freaks auf der bühne oder alles? Du bist ja offensichtlich sehr entspannt, aber vielleicht auch zu entspannt, so daß man dich nicht versteht. also keine argumente, auch nicht von kritikern. hm. das macht unheimlich viel spaß. hm. hast du was geraucht? macht auch spaß. next time geht es vielleicht besser, ey. klar kommt mal vor, aber eher selten, leute. prada groovt.
#9 Donna Davison: Theatertexte sollten verwirrenkrah 2009-02-03 01:58
ich finde auch, dass theater ein versuch ist und folglich immer auch schief gehen kann. den luxus müssen wir uns einfach gönnen. allerdings soll das kein urteil über den abend sein. ich habe ihn nicht gesehen, aber kenne das stück. ich mag es, weil es einige fragen stellt, ohne sie eindeutig zu beantworten. das wird oft mit flachheit verwechselt. ich finde nicht, dass theatertexte irgendeine lösung parat haben sollten. sie sollten verwirren und eben nicht eins zu eins auf die wirklichkeit übertragbar sein, es muss immer ein rest irrationalität bleiben, damit man auch nach dem abend noch drüber nachdenken kann. und wenn man für etwas keine direkte entsprechung findet, heißt das weder, dass man selbst doof ist, noch dass der text doof ist. auch kann nicht jeder text gleich gut sein. wie soll das ein autor schaffen. viele texte sind doch einfach auch ein fortkommen in der entwicklung, die wer weiß wo enden wird.
die lust am zerriss besonders von kommentatoren hier ist billig und nervt.
das besondere am theater ist eben, dass man wirklich erst sieht, ob ein abend gelungen ist, wenn die zuschauer da sind. und das kann dann auch noch unterschiedlich sein. von abend zu abend. wenn theater also nicht scheitern darf, dann wird nichts gewagt, sondern man biedert sich allerhöchstens dem publikum an.
grundsätzlich sollte man auch immer davon ausgehen, dass da einfach eine menge arbeit drinnen steckt, ne ganze menge mehr als in einem kommentar auf nachtkritik und auch als in einer (professionellen) kritik.
#10 Donna Davison: Fortführung des Betriebs mit schäbigen Mittelnwie auch immer 2009-02-03 14:08
besonders beim ersten post muss man ja von vorsatz reden - das zeigt, dass dieses forum leider kein forum, sondern die fortführung des betriebs mit schäbigen mittel ist.
#11 Donna Davison: Latrinenwand des TheatersKritikerkritiker 2009-02-03 14:51
Für mich ist das hier so wie wenn ich aus einem Theater gehe, nach einer Vorstellung, und mir anhöre, was die Leute so sagen. Ich nehm das nicht so ernst, aber finde es trotzdem interessant. Meistens sagt es mehr über die Leute.
Der Betrieb funktioniert ja anders. Da muckt ja keiner auf und in den Kritikerjournalen äußern sich nur die üblichen Verdächtigen mit ihrer üblichen Meinung. Das staut bei manchen eine Wut auf, die sich hier manchmal breit macht. Das Theater ist eine hierarchische Veranstaltung, hierzulande viel mehr als in den meisten anderen Ländern.
Ich finde Jonigks Texte auch nicht gut und sein Autorenlabor eine selbstherrliche Anmaßung, heraus geschmissenes Geld, das man den Autoren einfach so geben sollte, ohne Labor. Aber ich würde Herrn Jonigk das nie sagen, aus politischen Gründen, und die beteiligten Autoren, von denen mindestens zwei auch dieser Meinung sind, auch nicht.
Nennen wir's die Latrinenwand des Theaters, aber wer da reinritzt, der interessiert mich und offenbar viele user mehr als das offizielle Gehuber.
Ehrlichkeit und Offenheit im Umgang. Das fehlt uns allen.
#12 Donna Davison: welche politischen Gründe?krah 2009-02-03 16:09
das ist lustig, was du kritikerkritiker schreibst. ich habe anderes vom autorenlabor gehört. was soll denn das schlechte am labor sein? austausch ist wichitg beim schreiben und das theater von innen kennen lernen auch. und welche politische gründe sollen das sein? und jetzt hast dus ja doch gesagt oder?
#13 Donna Davison: Autoren werden durch Dramaturgen verhurtKritikerkritiker 2009-02-03 16:40
ja, aber ohne meinen Namen zu nennen, sonst wirst du exkommuniziert.
Ich zweifle zunächst an Jonigks Selbstberufung zum Autorenlehrer. Warum kümmert er sich nicht lieber um die Texte, die er auch aufführen lässt, die weiter zu entwickeln mit den Autoren. Oder seine eigenen weiter zu entwickeln. Und dann dieser Wettbewerb, wer ist der Sieger am Ende, statt den Leuten den Druck zu nehmen, unter dem sie leiden.
Ja, man kann da Connections machen. Das ist das A und O für Dramatiker. Es reicht eine durchschnittliche Schreibe, hauptsächlich man kennt die richtigen Leute, dann kriegt man auch einen Auftrag vom DT in Berlin. Anstatt die Autoren in Ruhe zu lassen, werden sie verhurt durch die Dramaturgen.

#14 Donna Davison: schwere Beleidigungenkrah 2009-02-03 19:38
aber das sind doch schwere beleidigungen, die anonym immer peinlich sind. du kannst das mit dem wettbewerb etc. sehen wie du willst, aber meinen eigenen ehrfahrungen nach ist das autorenlabor ziemlich gut und hilft mir sehr weiter. ich bin übrigens anne rabe nur um das dann "öffentlich" zu machen und dieses jahr dabei. ich habe noch von keinem teilnehmer des labors sowas gehört, wie du sagst. und finde das deshalb ein bisschen krude. es hört sich ziemlich verbittert an. aber klar kann man autorenförderprogramme und wettbewerbe auch kritisch sehen.
#15 Donna Davison: spezifizierte Rhein-MeinungLeser vom Rhein 2009-02-03 19:48
Das ist ja witzig hier! Schreibt einer ein schlechtes Stück, wird alles direkt mit durch den Kakao gezogen: der Kulturbetrieb, die Dramaturgen, die Labore für junge Autoren. Alles scheiße, was?! Ich versuche nochmal meine Meinung zu spezifizieren: Thomas Jonigk hat einst mit "Du sollst mir Enkel schenken", "Rottweiler" und auch "Täter" eine Schreib-Form gefunden, die zwar Jelinek und Schwab ähnelte, aber eigenständig war: böse, pointiert und wirklich sehr gut. Nachdem er vom Düsseldorfer Schauspielhaus aus der Bodensenke gezogen worden ist, kommt, meiner Meinung nach, da nicht mehr viel. Die letzten Dramen (Hörst du mein heimliches Rufen, Diesseits, Donna Davison) sind sprachlich dünn, inhaltlich noch dünner, und geben vor, besonders zu sein, am Puls der Zeit, aktuell und anders. SIE SIND ES NICHT! Thomas Jonigk sollte sich sehr genau aussuchen, wer seine Stücke inszeniert: dann können sie Qualität kriegen, wie es in Düsseldorf bereits zweimal bewiesen worden ist. Und das spricht für die INSZENIERUNGEN, nicht für die Stücke.
#16 Donna Davison: mit "diesseits" ging es mir anderskrah 2009-02-03 22:00
ach, mit diesseits ging es mir anders. da fand ich einiges in der inszenierung gut, einiges aber auch schlecht und das stück sehr gut. ich mochte es. man kann da die genres aber auch nicht so mischen, ich finde rottweiler und diesseits zu vergleichen ziemlich seltsam. ich werd mir jetzt die inszenierung mal angucken, denn das stück wird hier schlechter gemacht als es ist. ich gehe mal davon aus, dass die wenigsten das stück gelesen haben und nur dann kann man ein stück doch beurteilen. stück und inszenierung bekommt man doch gar nicht auseinander, wenn man nur die inszenierung gesehen hat.
#17 Autorenprogramme: Das bisschen Mafiaspiel...Kritikerkritiker 2009-02-03 23:15
Frau Rabe, ich sehe keinesfalls Autorenprogramme generell als sinnlos an, komme selbst von einem. Aber man wundert sich eben manchmal sehr, welche Leute sich da zu Autoritäten erklären. Welches gute Stück kommt denn aus dem Labor von Düsseldorf?
Ich finde das eher lustig, wie man da Dramatiker zu machen versucht, bitter macht mich das keineswegs. Ein wenig traurig ist es vielleicht, dass eine gute Textarbeit bei Dramaturgen so selten ist und sie sich so gern in Förderposen werfen, statt wirklich zu fördern, also Texte auf die Bühne zu lassen, eventuell von der Umsetzung seiner eigenen schwachen Produktion abzusehen und statt dessen junge Dramatiker erleben zu lassen, wie es ist, wenn ihre Texte auf Schauspieler, auf Publikum treffen. Das bisschen Mafiaspiel, nach dem Motto: Ich verschaff euch Connections... So ist das deutsche Theatersystem eben.
#18 Autorenprogramme: kontinuierliche Arbeit an Textenkrah 2009-02-03 23:46
das laborige ist ja nicht, ich verschaff euch mal connections, sondern das man gemeinsam über die texte spricht und kontinuierlich mit intensivem lektorat an ihnen arbeit. plus genug geld bekommt um nicht jobben gehen zu müssen. also ich habe nicht viel mehr wünsche an ein stipendium/förderprogramm und bin wirklich froh dabei zu sein. ich kann mich auch nicht über die qualität der texte beschweren, auch nicht der vorgängerjahre. ich kenne nicht alle, aber die ich kenne waren ziemlich gut. außerdem laufen mehrere texte aus dem labor dort im regulären spielplan. die szenischen lesungen am ende des labors sind schlicht, einfach nur gelesen, nicht inszeniert, was auch klasse ist für die texte. und wenn das eigene stück dann nicht "gewinnt", ich empfinde dieses konkurrenzkampf übrigens nicht, dann hat man ein gut lektoriertes stück, mit dem es sicher leichter ist fuß zu fassen.
aber wahrscheinlich sind wir einfach meilenweit voneinander entfernt.
über das theatersystem jammern ist auch doof. wenn man teil davon ist oder sein will, trifft einen zumindest die teilschuld.
#19 Autorenprogramme: idiotisch und kontraproduktivKritikerkritiker 2009-02-04 01:05
Also Krahrabe, Kritik ist was anderes als Jammern und Bitterkeit. Man kann auch ein System kritisieren, in dem man sich bewegt. Ich profitiere gern davon, es ermöglicht mir Wirkung, und finde es trotzdem idiotisch und kontraproduktiv. Ganz offen: Ich halte von der Arbeit der meisten meisten Dramaturgen wenig. Aber es sind meine Arbeitgeber. Ich hab manche auch gern, aber finde sie fast überflüssig.
Viel Spaß beim Fuß fassen. Wäre schön, deine Meinung in fünf Jahren zu hören.
#20 Donna Davison: Verwirrungen um ein gescheitertes Dramaprada 2009-02-04 01:17
Wisst ihr, ich würde sagen, der Satz : Mut zum Gefühl erlebt man oft auf Berliner Bühnen, müsste Trost genug sein um leichten Herzens alle Verwirrungen um ein gescheitertes Drama auf einer Berliner Bühne langsam zu beenden…Gefühl ist ja praktisch überall mit im Spiel, (remember: alles nur Spiel) auch wenn es mal nicht so gut läuft oder alles reine Theorie und kolossales Bewusstsein ist. Distanz und Annäherung, was gibt es mehr?
#21 Donna Davison: Eigeninteresse des Angreiferswie auch immer 2009-02-04 16:26
nun ja, prada, wie man's nimmt, nicht wahr - das mit dem beenden: wieso sollte man etwas beenden, das sich noch nicht mal als das zu erkennen gibt, was es ist. ich denke, du kannst es nicht wissen, da du nicht aus dem betrieb stammst (?), aber ich bin mir bei mindestens einer stimme hier ziemlich sicher, zu wissen, wer da spricht... und warum er so spricht, wie er spricht - und das er so spricht, wie er spricht, das hat nichts mit dem versuch eines "objektiven" meinungsaustausches zu tun, sondern mit dem versuch, aus eigeninteresse schaden anzurichten... (aus ähnlichen, wenn auch umgekehrten motiven sind zudem die - übrigens ziemlich leicht als solche zu durchschauenden - lobeshymnen auf gewisse andere hier besprochene abende entstanden bzw. zu verstehen)... und wie kann eine inszenierung eine gewisse qualität haben, wenn das stück schlecht ist? - so ein blödsinn. und warum sollte ein rein am theater und der inszenierung interessierter mensch plötzlich wg. eines stückes "donna davsion" das autorenlabor oder ein ganzes autorenleben angreifen? das hier sind größtenteils persönliche angriffe - und für die gibt es immer einen grund, der mit dem eigeninteresse des angreifers zu tun hat.
#22 Donna Davison: ist gut jetzt!stückgeleseninszenierunggesehen 2009-02-04 19:08
Um hier mal wieder die Kurve zu 'Donna Davison' zu kriegen, kann man dann wohl als Fazit zu dieser unsinnigen Debatte folgendes stückimmanente Zitat anbringen: "Sie werden von der Industrie hundertmal mehr gefickt als ich. Nur dass Sie keinen Spass dabei haben."
So, ist gut jetzt, oder?!
#23 Donna Davison: Gespinst der Objektivitätprada 2009-02-04 19:09
es gibt keinen objektiven Meinungsaustausch, das ist ein Gespinst, es gibt nur Mitteilungen, die sich den Rang von Glaubwürdigkeit erwerben, was immer auch eine qualitative Frage ist. Die rhetorischen Standards, die eine Kritik als seriös erscheinen lassen, werden durch eine Vielzahl von miteinander vergleichbaren Texten gesetzt und nur durch die Faszination, die ein anderer Text erzeugt, läßt sich daran was drehen. Deswegen, sage ich, die professionellen sind lockerer drauf, wollen nicht so viel auf einmal, verrennen sich hübscher und sind viel weniger beleidigt, kurz viel viel spielerischer, ja auch der Ärger über sie, wenn sie mir persönlich abwegig erscheinen, ist gerichtet und orientiert. Hier in diesem Forum geht es wie in einem nervigen Traum zu, der nicht von der Stelle kommen will. Deswegen, nicht andauernd Argumente suchen, die sich auf Inhalte beziehen wollen, die es gar nicht gibt.
#24 Donna Davison: was'n gut jetzt?stücknichtgeleseninszenierungnic 2009-02-04 19:17
Was ist jetzt gut?
#25 Donna Davison: Dramatiker in StartlöchernSBK 2009-02-04 21:46
Ich habe selten eine solch abenteuerliche Diskussion erlebt. Aber in Internet-Foren ist es üblich, dass sehr kontrovers diskutiert wird. Oftmals führt das vom eigentlichen Thema weg und hin zu einem Streit der Kommentatoren untereinander. Wer z.B. die Blogs in "Zeit", "Welt" oder "Spiegel" gelesen hat, kennt die Intensität der Meinungen und die Angriffslust der Kommentatoren.
Wer ein Stück lobt oder attackiert, tut das selten aus Eigeninteresse und möchte schlicht und einfach seine Meinung kundtun. So viele in den Startlöchern sitzende Dramatiker, die sich mit einem Lob bei einer Bühne anbiedern möchten, gibt es gar nicht.
Ich bin davon überzeugt, das man aus einem schwachen Stück mit einer guten Inszenierung viel herausholen kann, z.B durch Videoeinspielungen, gute Darsteller, Bühnenbild, Effekte etc.
Gelegentlich bin ich den Kritikern dankbar. Aufgrund der mitgelieferten Inhaltsangabe von Herr Merck wurde ich davon abgehalten, in Donna Davidson auch nur einen Fuß reinzusetzen. Da ich gerade bei Fuß bin...Da der "Kritikerkritiker" im Theaterbetrieb anscheinend schon einen Fuß in der Tür hat, kann er ja "krah" helfen, dort endgültig Fuß zu fassen. Durch den "Kritikerkritiker" erfuhr ich auch, dass der Theaterbetrieb ein hierarchisches System ist. Deshalb hat er seinen Rang in diesem Forum etwas zu hoch eingestuft. Er kritisiert nicht, sondern kommentiert nur. In Zukunft sollte er sich nur noch "Kritikerkommentator" nennen.
#26 Donna Davison: hier schreibt OpaLuder 2009-02-04 22:03
Auf allen Kommentarseiten im Internet kriechen die Faschos aus ihren Ritzen. Explosionsartig. Die Kleinbürger. Die Stammtische. Hier meint "sich weit aus dem Fenster lehnen" die Omas einer 70er Jahre Dorfstraße! Hier schreiben nicht die Coolen. Hier schreibt Opa.
#27 Donna Davison: FrageCooler 2009-02-04 23:47
Wo schreiben denn die Coolen?
#28 Donna Davison: ist Anonymität gleich Faschismus?prada 2009-02-05 00:33
was ließe sich dagegen wohl tun? wie könnten denn die Coolen endlich in die Foren gelockt werden, um dem grassierenden 70er Jahre Faschismus alternder Dorfstraßenanwohner Einhalt zu gebieten? Ist vielleicht die Anonymität das Problem, Coole sind wahrscheinlich nicht solche Verstecktypen (Sonnenbrille), die sind offener, im Heimlichen, steckt auch schon das Unheimliche und Bedrohende, ist also Anonymität = Faschismus !? Wahrscheinlich. Nur wie kommen wir aus dieser Falle raus? Donna Davison, hat einen Namen, der ist Verheißung, sie ist cool. Also werde ich mir das Stück noch einmal ansehen.
#29 Donna Davison: Tertullian wusste BescheidInga Sundström 2009-02-05 02:43
Von Stück und Inszenierung mal abgesehen, welche/s ich nicht gelesen/gesehen habe, der wesentliche Aspekt im gemeinsamen Kontext von Pornografie und Theater ist doch der Voyeurismus. Die These, dass dieser bereits Partizipation sei, ist nicht neu. Bereits in Quintus Septimius Tertullianus' "De spectaculis" heisst es: "Warum sollen Dinge, die, vom Munde ausgesprochen, den Menschen erniedrigen, ihn nicht erniedrigen, wenn sie durch Ohren und Augen zugelassen werden, da doch Augen und Ohren dem Geiste dienen und der sich nicht rein halten kann, dessen Diener sich besudeln." Dieses antitheatrale Vorurteil bestätigt umgekehrt, dass es im Theater immer auch um die Konfrontation jedes einzelnen Zuschauers mit den eigenen Schamgrenzen und Wertvorstellungen geht. Weiterhin stellt sich hier die Frage nach dem blinden Fleck gesellschaftlicher und theatraler Repräsentation. An der Pornografie ist nach Agamben nicht das individuelle Verhalten zu tadeln, sondern die Vorrichtung der Pornografie zum Zweck des verzweifelten solitären Konsums in einer abgesonderten Sphäre. Die Chance der Pornografie liegt daher in der Öffnung eines möglichen kollektiven Gebrauchs, und zwar über das Spiel. Im Spiel werden die fixierten Rollenvorstellungen und -zuweisungen von Täter und Opfer aufgehoben, unter der Voraussetzung der Abwesenheit von Manipulation. Demnach ist auch das Zuschauen mit Verantwortung verbunden, der Verantwortung für den eigenen Blick. Ob nun 14 oder 29 cm, das erscheint dann tatsächlich kleinbürgerlich.
#30 Donna Davison: das Schwarzbrot der Szeneprada 2009-02-05 03:01
Kann es sein das gute Inszenierungen schlechte Stücke retten? Durchaus! Aber wie? Was macht ein gutes Stück, was eine gute Inszenierung. Hatten wir nicht gerade die Frage, was ist gut. Zum Glück wissen wir was gut ist. Es ist viel leichter zu wissen als mancher annimmt, denn wozu haben wir denn dieses Heer von Kritikern, die Preise und Auszeichnungen, die Umfragen, das Theatertreffen, natürlich weil: aus der Mischung von Demokratie und Demoskopie unter Fachleuten, mit einem gewissen Rekurs auf Besucherzahlen wir das stimmige Gesamtbild erhalten. Und in dem kommt immer auch die gute Inszenierung des nicht so guten Stückes vor. Aber es können nun mal nicht alle Aufführungen gleich gute Aufführungen sein, das geht vom System her nicht. Nehme aber mal an, die gute Inszenierung des nicht so guten Stücks ist mit dem Pulverfass schon vergeben. Ansonsten sind halt unheimlich viel Klassiker auf der Liste, also gute Stücke, die wenn zeitgemäss aufbereitet gleichsam das Schwarzbrot der Theaterszene sind. Denn das ist der Elementarauftrag des Theaters, der Zeitgemässe Klassiker, gegenwärtige Vergangenheit, oder die im Gegenwärtigen gebrochene Vergangenheit, die Würde der Überlieferung im Schüttelwirbel einer immerjungen Avantgarde, im Grunde, der ewige Frühling, in dem ja dann auch passend das Theatertreffen stattfindet.
#31 Donna Davison: ja!, gute Regie kann schwache Texte rettenLeser vom Rhein 2009-02-05 10:35
JA, eine gute Inszenierung kann ein schlechtes Stück retten, 1000mal bewiesen, 1000mal gesehen. Ich sagte ja, dass in Düsseldorf schon 2mal sehr schwache Jonigk-Stücke durch gute Regisseure, Schauspieler, Ausstatter "gerettet" wurden. Dass dabei doch immer die Schwäche des Textes durchblitzt liegt in der Natur der Sache, denn der schwache Text bleibt der schwache Text. Auch sehen kann man das nochmal in Düsseldorf. "Kommt ein Mann zur Welt" von Martin Heckmann ist ein schwacher Text, aber eine gute Inszenierung! Ich bin ganz fest der Meinung, dass gute theaterpraktische Künstler theatertheoretische Schreiber retten können!!!
#32 Donna Davison: Neid und KleingeistSchwafel 2009-02-05 10:55
Neid, Kleingeist, Aggression. Warum schreiben die Möchtegern-Autoren hier im Forum nicht einfach bessere Stücke statt die Etablierten zu beschimpfen?
#33 Donna Davison: die Debatte ist das StückToller 2009-02-05 11:14
Könnte man diese Debatte nicht als Stück aufführen lassen? Mit sehr vielen sehr kleinen Menschen, die alle ans Theater wollen.
#34 Donna Davison: die Meute brülltLeser vom Rhein 2009-02-05 12:03
Sagt man, daß einer nicht singen kann, soll er doch selber singen, wenn einer nicht schreiben kann, soll er doch selber schreiben... "mach´s doch besser" höre ich die Meute brüllen, aber darum geht es doch gar nicht! Ans Theater will ich auch nicht, das nun wirklich nicht. Bin auch nicht neidisch, kleingeistig, und schon gar nicht aggressiv. Das ist mein letzter Eintrag zum Thema "Donna Davison" und Thomas Jonigk, der immer noch den Inhalt hat: finde Jonigk-Stücke schlecht, und eine Inszenierung kann ein schlechtes Stück retten. Den ganzen Schrieb hier gäbe es doch gar nicht, wenn die Regisseurin der Berliner Aufführung besser wäre, denn dann würde auch niemand an Herrn Jonigks Stück herum kritisieren. Und das alles ohne Neid, Aggression und daß ich es besser könnte. Guten Tag.
#35 Kommentare: ohne Klarnamen nicht ernst zu nehmenanonym 2009-02-05 13:45
Liebe nachtkritik-redaktion,

ich lese das hier und frage mich, ob sie als redaktion eine meinung zu dem haben, was sie hier mit plakativen kommentartiteln veröffentlichen. ich finde sowohl die beiträge ärgerlich, als auch dieses rumraten um die identität der hetzredner und gegenredner.
ich würde sie deshalb darum bitten, zu überdenken, ob diese art von forum nicht sehr vom sinn der sache abgerückt ist.
schon klar, nicht so einfach mit zensur usw., wird jetzt vielleicht auch gleich jemand schreien. Seriöser wär diese seite aber, wenn man hier nur noch mit seinem tatsächlichen namen schreiben kann. wenn sich zum beispiel die macher in der art der gegenkritik bei theaterheute zur aufführung äußern mögen. wenn dieses ehrlichere schreiben nicht möglich ist, möchte ich ihnen empfehlen, diesen kommentarteil zu schließen.

falls sie sorge haben, dadurch internetaufrufe einzubüßen, und daher keine veränderung des forums unternehmen, bedaure ich das, womöglich wär es aber ein nächster schritt, eine noch ernstzunehmendere kritikplattform in der wahrnehmung der theaterlandschaft zu werden.

zu meinem namen; ich bin weder verwandt noch verschwägert mit einem der produktionsbeteiligten, noch arbeite ich mit diesen zusammen.
und so lang das hier keine rolle spielt, werde ich den nicht drunterschreiben.
#36 Kommentare: Neidvorwurf ist QuatschSBK 2009-02-05 14:04
Der Rheinleser sagt da kluge Dinge, auch wenn ich seine Düsseldorfer Inszenierungen nicht kenne. Was soll der Vorwurf von Neid und Beschimpfung der Etablierten? Blödsinn. Theaterinteressierte machen sich so ihre Gedanken. In Politik-Foren gibt es auch viele Beschwerden über Politiker, und wohl kaum ein Leser hat die Absicht, Parteivorsitzender oder die Inkarnation der Sehnsüchte junger Menschen zu werden. Aber bleiben wir beim Theater. Etwa 70 Prozent der aktuellen Schaubühnen-Stücke habe ich gesehen. Noch nie habe ich mir darüber Gedanken gemacht, dort einzusteigen.
#37 Kommentare: Kreisch! würde Donald sagenHenriette Stroux 2009-02-05 14:24
Anonym von Nummer 34! Ich fasse ja nicht, was Sie da schreiben und dann noch nicht mal unterschreiben. Der Fachmann nennt so was Double-bind. Und auch noch das Theater-Heute-Format "Gegenkritik" hier als Beweismaterial aufzuführen, dessen journalistischer Höhepunkt bislang ein Interview von Thomas Ostermeier mit seinem Pressesprecher war. Kreisch!, würde Donald Duck dazu sagen!
#38 Kommentare: Petra Kohse antwortetPetra Kohse 2009-02-05 14:26
Hallo anonym von Posting 34,
also, wenn die Redaktion jetzt verlangen würde, dass alle ihre echten Namen nennen, würden Sie das auch tun? Aber freiwillig nicht?
Es ist so: Ich als Redakteurin will das nicht verlangen. Nicht zuletzt, weil wir gar nicht überprüfen könnten, ob eine angebliche Grit Schulz, die dann hier vielleicht schriebe, wirklich existiert. Gut, es gibt e-Mail-Registrierungen, dann könnte man zumindest den jeweiligen Leuten nach Hause antworten. Aber Rückschluss auf die Identität lässt das auch nicht zwingend zu.
Ich denke, die Kommentierenden haben es selbst in der Hand, wie ernst sie sich und ihre Diskussionen nehmen. Es gibt sehr wohl Leute, die mit ihrem (einem) Namen unterzeichnen. Oder die, wie Anne Rabe weiter oben, merken, dass es notwendig ist, sich an einem bestimmten Punkt des Gesprächs zu erkennen zu geben. Andere tun das nicht, und darüber will ich nicht zu Gericht sitzen.
Eine Möglichkeit, andere zu etwas zu verleiten, das man selbst für besser hält, gibt es natürlich auch im Internet: Mit gutem Beispiel vorangehen.
Viele Grüße,
Petra Kohse
#39 Kommentare: Antwort an Petra Kohseanonym 2009-02-05 16:14
liebe petra kohse & co.

Sie haben meinen standpunkt nicht verstanden. das soll auch das letzte mal sein, dass ich mich hier äußere und sicher auch das letzte mal, dass ich diese kommentare lese, so lange -(da will ich mich nicht wiederholen), da ich mich eben in diesem rahmen nicht auf eine endlosdiskussion einlasse.
hier kann sich wer will den namen eines autoren, regisseurs oder intendanten geben (oder mglw. den eines vorherigen kommentators), oder/und so unsachlich wie er will aufführung oder bestandteile, die fähigkeiten von theaterschaffenden bewerten.
autoren/regisseure werden als "schlecht" abgestempelt, und dabei sind die kommentare zu dieser aufführung nur beispiel. im schlimmsten fall lesen das leute und gehen dann wegen irgendwelchen idiotischen kommentaren nicht in aufführungen.

ich werde eben nicht "mit gutem beispiel vorangehen", und mich damit in diese reihe von zum teil sehr ärgerlichen kommentaren einreihen. ich würde meinen namen nennen, wenn sich daran etwas ändert, und das wird es nicht, wenn ich hier meinen namen nenne. dann wird hier nämlich weiter scheiße geschrieben werden, so lange sie nämlich ein derartiges forum dafür bieten.

mit freundlichen grüßen
#40 Kommentare: viel Spaß beim LeserbriefschreibenGuest 2009-02-05 17:06
@anonym: Was ist denn Ihr Standpunkt? Dass das Internet Scheiße ist? Na, guten Morgen und willkommen im Web 2.0! Viel Spaß beim Leserbriefschreiben an Theater Heute...Har Har!
#41 Kommentare: fadenscheiniger AnonymerLeser vom Rhein 2009-02-05 17:07
Jetzt kann ich mich doch nicht zurück halten:
An SBK: ich habe mit den Aufführungen in Düsseldorf nur insofern etwas zu tun, als ich sie gesehen habe. Nicht mehr, nicht weniger.
An anonym: das ist aber alles sehr fadenscheinig, was Sie hier zum Besten geben. Meine Empfehlung: lassen Sie es einfach und uns weiter unsere "scheiße", wie Sie es nennen, schreiben und unsere Meinungen äußern. Danke schön.
#42 Kommentare: Grit Schulz antwortetGrit Schulz 2009-02-05 22:40
Ich, Grit Schulz, VERBIETE hiermit allen Intendanten, Regisseuren, Schauspielern, Autoren UND Kritikern (den hier kommentierenden Kommenteuren sowieso!) für die Dauer von drei Spielzeiten, ihre geleistete Arbeit mit ihrem wahren, richtigen, einzigen, edlen Namen zu unterzeichnen.

Ab jetzt alle: "Peymann".
Oder: "Centraltheater".

Grit.
#43 Kommentare: an "anonym"otto 2009-02-05 23:34
herrlich, was da "anonym" schreibt. wie niedlich. als ob alle menschen immer die wahrheit sagen würden, wenn sie nur ihren perso abgegeben haben. gottchen nee, dass es solche naivität noch gibt, macht mir direkt wieder hoffnung. die menschen sind doch nicht bös und verlogen, nein nein nein, sondern ganz und gar liebe wesen. aber nur, wenn sie nicht heimlich und unter falschem namen im internet ihre eklige meinung verbreiten. pfui, das ist aber auch! und am ende gehen deshalb die anderen menschen nicht in das schöne theater hinein, also wirklich. entsetzlich. aber aber! "anonym" macht uns hoffnung. amen.
#44 Kommentare: ist wie beichtenotto1 2009-02-05 23:49
genau otto, vielleicht ist es ja sogar so, dass mensch nur wahr spricht, wenn er es heimlich und anonym tut. wie wäre es damit? ich glaube fast, so ist das. im beichtstuhl sitzt man ja auch im dunkeln und soll es, weil man dann viel ehrlicher sein kann.
#45 Kommentare: was für eine Wahrheit?luder 2009-02-06 00:51
aber was soll das für eine wahrheit sein, bei der man ganz mit seinem rassismus, egoismus und faschismus allein ist? doch keine, die für andere wichtig wäre. also weg mit dem, der nur diese wahrheit kennt.
#46 Donna Davison: Perversität des TheaterbetriebesTheaterarbeiter 2009-02-06 13:06
Kommentare: Betriebsimmanente Pädophilie

Eine Autorenwerkstatt dient vor allem dazu, den Autoren Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten zu geben, ihnen Mut zu machen - etwas, das sie bis dahin im Elternhaus oder im Freundeskreis nur marginal bis gar nicht erfahren haben.
Man geht eher behutsam mit ihnen um.

Wollte man ihnen wirklich die Wahrheit über den Betrieb erzählen, auf den sie sich einlassen, sähe die in etwa so aus:
Dramaturgen und Regisseure, die mit der Gegenwartsdramatik betraut werden, sind – wenn man so will – betriebsimmanente Kinderficker. Sie bevorzugen begabte, dabei relativ unreife und unerfahrene Autoren unter 30, die sie von Autorenwerkstatt zu Theaterlabor weiterreichen können, die sie im umfassenden Sinn "machen" können – auf ihre speziellen Wünsche und die allgemeinen Anforderungen des Betriebs hin. Diese Autoren werden dann so lange ausgereizt, soll heißen: auf einer Studiobühne nach der anderen aufgeführt, bis man sie satt hat, sie älter und bekannter geworden sind – und man wieder nach Frischfleisch verlangt. Das alles geht in immer kürzer werdenden Abständen vor sich.

Wenn die Autoren sich mit dem Betrieb arrangieren lernen und (überwiegend) männlich sind, können sie sich im Betrieb funktional integrieren, Dramaturgen werden (Richter, Mayenburg, Düffel), Werkstätten leiten (Bukowski), Theaterlabore machen (Jonigk), Regisseure sein (Sagor, Neumann), sogar Intendanten werden (Petras). Das sichert ihnen ein Überleben im Betrieb, das ihnen ihre Stücke von allein mit Sicherheit auf Dauer nicht gewährleistet hätten.

Die Texte selbst sollen z. T. gar nicht zu konturiert, zu ausgestaltet sein, denn primär geht es nicht um die Heranzüchtung neuer Autoren, sondern um neue Regisseure und Schauspieler. Die Texte sollen daher eine gewisse Offenheit, Vagheit, Ungenauigkeit (gutes Beispiel für all das derzeit: Löhle) aufweisen, damit der (zumeist junge) Regisseur und die (zumeist jungen)
Schauspieler sich in ihm breitmachen, sich über ihn exponieren können.

Ich weiß, klingt grausam, das alles.
Aber das ist nun mal mein Resüme nach acht Jahren Betriebsarbeit.
#47 Kommentare: Freude der anarchischen GegenöffentlichkeitUbu 2009-02-06 13:21
Im besten Fall könnte hier ja so was wie ne Gegenöffentlichkeit entstehen. Was das Feuilleton an Meinungen zulässt, bewegt sich ja immer in einem gewissen Rahmen und das ist okay so. Hier kann es extremer werden. Es herrscht ja eine Art Basisdemokratie. Die etablierte Macht besteht auch darin, dass sie das öffentliche Bild von Theater definiert. Hier werden unlegitimierte Gegendefinitionen VERÖFFENTLICHT und sei es in Form von Gepöbel. Das hat etwas Anarchisches, gerade in den blöden und bescheuerten Auswüchsen. Und das macht dieses Forum so attraktiv, dass es offenbar mehr gelesen wird als Theater Heute und Theater der Zeit. Das macht die sinnstiftende Schaubühne und Falk Richter eben nervös. Die Kommentatoren, die das hier ablehnen, lesen es ja doch recht fleißig. Und tragen mit dem Tonfall ihrer Beiträge, der ebenso unsachlich ist und die üblichen Formen missachtet, zur anarchischen Freude bei. Das alles ist umso angenehmer als die professionelle Kritik eine Blase darstellt ähnlich der Finanzblase auf dem Bankensektor. Die Realität verflüchtigt sich. Was da so klug daher kommt (wie diese Zeilen), das könnte man meistens auf einen doofen Beitrag reduzieren, wie man sie hier lesen kann. Das macht diese Beiträge hier wahr, gerade die unsäglichsten wie z.B. Nr. 44 mit seinem Rassismus und Faschismus. Großartig!
Ich jedenfalls freue mich über dieses scheiß Forum.
#48 Kommentare/Schaubühne: Ruhe der KonfliktaussitzerTheaterarbeiter 2009-02-06 13:51
@ Ubu

Richter und die Schaubühne sollen nervös sein?
Glaube ich nicht.
Man möchte es ja meinen, angesichts der Tatsache, dass sie in Bezug auf die Auslastung sogar hinter das Maxim Gorki zurückgefallen sind. Aber ein Stadttheater dieser Größenordnung ist auf grund seiner Finanzierungs - und Betriebsstruktur nicht zuletzt eine Behörde - und das erste, was Beamte lernen, wenn sie überleben wollen, ist: Konflikte aussitzen.
Ostermeier wird demgemäß in Ruhe bis 2012 bleiben - und wer weiß, vielleicht übernimmt er dann ja von Peymann das BE. Er wäre, wie ich finde, in mancherlei Hinsicht ein fast logischer Nachfolger :-).
#49 Kommentare: Wo hängen die Frustrierten ab? Im Internet!Richard Voigt 2009-02-06 14:37
Da fragt man sich seit Jahren, wo eigentlich die intellektuellen Prolls geblieben sind, die ewigen Stänkerer, die erfolglos in den Kneipen sitzen und von ihren Projekten faseln. Die nie einen Fuß in einem der großen Häuser in die Tür kriegen, weil sie einfach zu schlecht, faul und verquast sind und das eigene Scheitern dann auf die Intendanten, Dramaturgen und "das System" schieben, von dem sie in Wahrheit keinen blassen Schimmer haben, über das sie aber stundenlang und sich im Recht wähnend herziehen können. Man fragt sich, wo diese Typen eigentlich inzwischen abhängen und sich ereifern über Ausbeutung, Chancenungleichheit und Nepotismus, wobei sie in ihrer alternativen und anarchischen Attitüde zehnmal spießiger sind, als diejenigen, die sie an den Pranger zu stellen meinen. Wo, fragt man sich, sind all diese Mindermeiner, Ahnungslosen, Frustrierten und eifernden Keifer geblieben? Und dann – hurra! – findet man sie alle treulich vereint im Internet wieder.
#50 Kommentare: in der Öffentlichkeit muss man Kritik abkönnenSBK 2009-02-06 15:33
Ich verstehe dieses ganze Gejammer um den Theaterbetrieb nicht. Man könnte gerade annehmen, dass alle Theaterschaffende über ein sensibles Gemüt verfügen und Mimosen sind. Der Gipfel war der erboste Schreiberling "anonym", der von "Hetzrednern" sprach. Wer sich in die Öffentlichkeit begibt, als Autor, Regisseur oder Schauspieler, muss damit rechnen, dass es neben Beifall auch zum Teil herbe Kritik gibt. Wer der Kritikfähigkeit ermangelt und verletzlich ist, sollte besser im Verborgenen arbeiten oder Apotheker werden. Letzteren sieht wohl jeder gern, denn bei ihm gibt es neben Stärkungsmitteln für die Physiologie auch etwas zur Stabilisierung der Nerven.
In den 90er Jahren ging ich häufig in öffentlich zugängliche Autorenclubs und geschlossene Literaturvereine. Nach der Lesung wurde über das Geschriebene diskutiert und manchmal wurde ein Autor regelrecht zerrissen. Nur einmal kam es vor, dass ein angehender Schriftsteller nach der Kritik in die Psychiatrie eingeliefert werden musste. Ansonsten ging das immer gut, und wer keine Kritik verträgt, sollte sich eben von der Öffentlichkeit fernhalten. Das Gleiche sollte auch für das Theater gelten. Die Leute, die hier schreiben, gehen ja in der Regel gern ins Theater, auch wenn sie gelegentlich ausfällig werden. Ich war z.b. häufig in der Volksbühne, aber wohl kaum, weil mich ein Scherge von Castorf mit vorgehaltenem Revolver dazu gezwungen hat. Und manchmal habe ich mich über eine Inszenierung ein bisschen geärgert, weil man das besser hätte machen können. Aber trotzdem bin ich immer wieder hingegangen. Die Krise der Volksbühne ist eigentlich, dass sie zu wenig neue Stück anzubieten hat. Ich glaube, nebenbei gesagt, auch nicht, dass Ostermeier nervös geworden ist. Er hat ja die Ära Kohl miterlebt, gewisse Verhaltensweisen adaptiert und folglich das Aussitzen gelernt.
#51 Kommentare: Bitte nicht auf dem Internet rumhacken!Heribert Faßbender 2009-02-06 16:08
Lieber Herr Voigt, man merkt, daß Sie offenbar nicht vom Fach sind. Denn einerseits liefern Sie eine sehr plastische und hochamüsante Typologie ab. Andererseits verorten Sie diese beim gemeinen Internetwürstchen. Das ist leider ein ähnliches (falsches) Horn, in das Sie blasen, wie der Kollege "anonym".
Ich bezweifle, daß hier nur arbeitslose Off-Schauspieler und Wirtshausdramaturgen rumlungern.
Das Internet ist ja nicht mehr ein exklusiver Ort einiger weniger, die zuviel Zeit und zuwenig anderweitige Möglichkeiten haben.
Den Typus des unproduktiven Stänkerers und ewig nörgelnden Kleingeistes findet man mindestens genauso häufig in Kantinen, Dramaturgien und auf Theaterproben wieder. Glauben Sie mir.
Lasst doch endlich dieses Herumgehacke auf dem Medium! Über das Telefon beschwert sich doch auch keiner mehr. Also wirklich!
#52 Kommentare: Theater und Uni-KlinikTheaterarbeiter 2009-02-06 16:18
@ Richard Voigt

Derjenige, der seit drei Postings wieder ins "Keifen" und "Stänkern" verfällt, sind Sie, und insofern dürfen wir Sie mit ihren eigenen Worten als unseren "intellektuellen Proll" hier im Internet herzlich begrüßen :-).
Was das Internet betrifft, ist es übrigens sinnlos, sich als Sieger, die anderen jedoch als Loser zu stigmatisieren. Das, was im Büro oder in der Kneipe funktioniert, führt hier ins Leere, da die soziale Kontrolle fehlt. Nur so ein Tip für Net-Anfänger :-)

Ihre Behauptung, jemand, der hier postet, habe vom "System" Theater "keinen blassen Schimmer", sei "ahnunglos", läßt mich vermuten, dass Sie bisher mit komplexen Systemen nicht weiter in Berührung gekommen sind (zum mal Reinschnuppern: Kaufen Sie sich ein medizinisches Fachbuch und entdecken Sie das Wunder Ihres Blutkreislaufs!)

Apropos Biologie: Ein Freund von mir arbeitet als Supervisor im High Tech-Bereich. Wer einmal die Entscheidungs- und Kommunikationsprozesse einer Universitätsklinik kennenlernen durfte, weiß, was für ein hochkomplexes Betriebsmanagment da vonnöten ist.
Dagegen sind Stadtheaterbetriebe in ihrer Unternehmenskultur vorsintflutlich, in ihrer künstlerischen Entscheidungsfindung, ihrer Mitarbeiterkommunikation, ihrem Finanzmagement geradezu primitiv.
Jeder Direktionspraktikant kann sich darüber bereits nach wenigen Wochen ein umfassendes Bild verschaffen.

Jemand wie Sie, der in das "System" oder den "Betrieb" Theater weiß Gott was für ein Geheimnis oder ein schwer zu erlangendes Wissen hineininterpretiert, tut es ausschließlich, weil er sich einen Nutzen davon verspricht.
#53 Kommentare: Freund des Netzes, aber nicht der SchwatzbudeRichard Voigt 2009-02-06 16:31
Ein Missverständnis. Ich wollte nicht das Netz dissen, denn das Netz ist unser Freund und führt uns in eine leuchtende Zukunft, kein Zweifel. Nur gibt es eben auch Leutlein - die Genannten gehören dazu - die nicht verstanden haben, dass man, nur weil man keinen Gedanken zu denken in der Lage ist, seinen Meinungsschrott im Netz verklappen muss. Of all places! "Internetforum" bedeutet für diese Leutlein: "Jeder darf alles sagen, egal, ist ja Internet." Das ist aber nicht Internet, das ist Schwatzbude.
#54 Kommentare: Intellektuelle Prolls freuen sichKBB 2009-02-06 17:41
@ Raimund Voigt.

Ja hier sind Sie, die intellektuellen Prolls, aber vielleicht auch doch nicht so intellektuell.
Aber beschimpfen sollte man sie nicht, und sie darauf aufmerksam zu machen, also läutern o.ä. hat wohl leider auch keinen Zweck.

Das sind wahrscheinlich größtenteils sehr einsame Menschen, die sich freuen, dass man sich hier mit Ihnen unterhält.
Die sich freuen, dass Sie zu allem eine Meinung haben, und die "im Internet" äußern dürfen und dann sogar Gleichgesinnte darauf reagieren.
Und sich freuen, dass Sie dann wieder darauf reagieren können.
Das ist ja fast wie im wirklichen Leben.
Oder wie im Theater.
#55 Kommentare: Schreibt, schreibt, schreibtprada 2009-02-06 17:47
Ich, Patrik Andreas Dalinski, (aber meist sagen die Leute nur Prada) ein einsamer alter Mann, der sich seine alte Liebe, das Theater noch nicht hat nehmen lassen, möchte den Eiferern Mut zu sprechen, schreibt, schreibt, schreibt…das Internet ist schön, schöner als das Telefon, Gespräche sind wichtig, Debatte erst recht, kling klang Gloria irgendwann wird es dann ja wohl auch zu sehen sein und zu erleben, als Frucht dieser quirligen geistigen Anstrengung die hier ihre Urstände feiert : Das Junge Neue Theater. Ich jedenfalls fühle mich hier durch die angeregten Beiträge dem Theater sehr sehr nahe, ach, was soll die Lange Rede, rasch, rasch, schreibt neue Kommentare, ich freu mich schon drauf, eine bissige Erwiderung, eine faszinierende Entlarvung, eine nette Analyse, Aufmunterung und Aufschrei, Wut, Freude, Oh Jugend, ich fühle mit euch… PS bis zu welchem Alter darf man eigentlich in dieses PornoStück gehen? Sehen würde ich es glaube ich schon ganz gerne. Am liebsten würde ich es sicherheitshalber mit Inga Sundström zusammen anschauen, denn ihr Beitrag hat mich gleich an mein Bücheregal getrieben. Von da möchte ich nun langsam wieder zurück ins Parkett, zusammen mit ihr.
#56 Kommentare: Spitzname "Prada" ist suspektInga Sundström 2009-02-08 17:06
Entschuldigen Sie, Herr Patrik Andreas Dalinski, aber Subjekte mit dem Spitznamen "Prada" sind mir zunächst einmal grundsätzlich suspekt. Es kann natürlich auch sein, dass dieser Spitzname einer cleveren Ironie enstpringt. Dazu Robert Misik: "Aus dem Lebensstil, der von der Norm abweicht, macht er immer wieder ein neues Marktsegment. Ununterscheidbarkeit ist im Kapitalismus ein Konsumhemmnis, Unterscheidbarkeit ist sein Lebenselixier." Das ist schon ein gewaltiges Paradox: Baader oder Prada?
#57 Kommentare: kein Prada-Anzugprada 2009-02-08 18:38
Muss es nicht immer beides sein, Abweichung und Zuordnung? Eine Dialektik ist da unausweichlich. Da es keine Abweichung geben kann, die nicht auch Zuordnung wäre und umgekehrt. Auch und gerade beim Kopieren unterlaufen Fehler. Aber, wie gesagt, die Leute waren es, die Leute… allerdings, Zweifel sind angebracht, sowieso. Leider kann ich mir die schönen Anzüge in mehrfacher Hinsicht nicht leisten, aber zum Glück, im Theater wird auf Garderobe, weder im Zuschauerraum, noch auf der Bühne viel Wert gelegt, da kann ich wenigstens mit meinem Spitznamen noch Misstrauen-weckenden-Eindruck schinden.
#58 Donna Davison/Kommentare: kein Außerhalb, für niemandenInga Sundström 2009-02-09 01:05
Lieber Prada, ich stimme Ihnen zu, hier muss dialektisch gedacht werden. Auch ich befinde mich tagtäglich im Widerspruch zwischen privatem Hedonismus und politischer Gegenmöglichkeit. Es gibt kein Außerhalb des Systems, für niemanden. Alles ist Ideologie bzw. kann dazu werden. Von daher erscheint es lohnenswert, den terroristischen Gestus mit einem neuen und gewaltfreien Realismus zu verbinden. Ebenso muss die Pornografie aus ihrer l'art pour l'art-Geiselhaft befreit und einem neuen avantgardistischen Gebrauch zugeführt werden. Erst damit öffnet man sie einer tatsächlichen Reflexion. Dagegen meint die nur vermeintlich offene Haltung der Toleranz noch keine Konfrontation mit dem Abweichenden/Fremden. Der Abstand muss erprobt werden. Vertrauen kann immer auch verspielt werden. Auch das Vertrauen des Zuschauers in einen "erbauenden Theaterabend".
#59 Donna Davison: längste Kommentar-Diskussion bei nachtkritik?zuschauer von der spree 2009-02-09 12:32
auch wenn die regie möglicherweise mit dem stück in manchen punkten überfordert war, so hat sie ja wohl die längste nachtkritikkommentardiskussion überhaupt ausgelöst. oder täusche ich mich da
#60 Donna Davison: von Über- und Unterforderungen monodram 2009-02-09 20:06
Der Autor hat das Stück unterfordert, das Stück hat den Regisseur überfordert, der Regisseur hat den Zuschauer unterfordert, der Zuschauer hat Theater gefordert, das Theater hat die Kritiker in den Halbschlaf befördert, die Kritiker haben sich selbst alles abgefordert, das Selbst der Kritiker hat sich in die Kritik verirrt, die Kritik hat die Kommentare zutage gefördert, die Kommentare haben die Förderung der Autors zurückgefordert. Das Auto springt nicht mehr an.
#61 Theatertreffen: Wieso fehlt das Centraltheater?Nachtkritikleser 2009-02-10 12:23
Nein, Sebastian Hartmann löst hier regelmäßig längere Forums-Debatten aus. Wieso fehlt eigentlich das Leipziger Centraltheater beim Theatertreffen? Kruse?
#62 Donna Davison: Nachträgliche Erfahrung von Porno-KatzenInga Sundström 2009-02-11 23:44
Nein, wir brauchen keinen vorhersehbaren "erbauenden Theaterabend", das Interessante ist ja gerade die grundsätzliche Nachträglichkeit von Erfahrung, über die Jens Roselt schreibt: "Erfahrungen gehen einen an, während man auf sie zukommt - doch hier und jetzt gibt es keinen Punkt der Begegnung und höflichen Begrüßung." Und Prada, Sie tun mir Leid. Haben Sie denn gar keine Phantasie, so dass sie sich allein auf die Projektionen des Sichtbaren verlassen müssen? Erst wenn die Porno-Katzen ihre Messer gezückt und zugestoßen haben, dann werden Sie erfahren haben (siehe oben), wie Schmerz sich anfühlt - und nicht aussieht.
#63 Donna Davison: wie im antiken Theater. na danke. prada 2009-02-12 01:09
Ach, doch so schlimm, damit habe ich nicht gerechnet, aber dann muss es doch wenigstens den Ort des Zustechens geben, oder muss ich mir den samt Messer auch noch vorstellen, also in und an meiner eigenen Phantasie zu Grunde gehen, die mir so, wie nebenbei, von Ihnen, mit der unablässigen Hilfe von Zitaten nahe gelegt wird? Damit es endlich heißt, Rentner von einer auf mysteriöse Weise im Internet befreiten Pornokatze, die, wie nebenbei von Inga Sundström in eine Suggestivwaffe verwandelt wurde, niedergestochen. Und dazu dann auch noch Mitleid!? Wie Senf zur Wurst. Wie im klassischen, um nicht zu sagen antiken Theater. Na Danke!
#64 Donna Davison: KontaktbörseTurbo 2009-02-12 14:03
Schön, dass dieses Forum mittlerweile zur Kontakt-Börse geworden ist. Es wäre allerdings zu begrüßen, wenn Opa prada und Frau Sudström endlich ihre Mail-Adressen austauschen, damit sie ihr mit abstrusen Bildern durchsetztes nebulöses Gerede in Ruhe fortsetzen können. Sofern sich die beiden weiterhin auf dieser Seite unterhalten, wäre es ganz nett, wenn sie nicht mehr vom antiken, sondern vom Deutschen Theater sprechen.
#65 Donna Davison: Unterwassersprengkopfprada 2009-02-12 17:43
Ist ja auch süß, wenn hier in die vermeintlich traute Zweisamkeit auf einmal so ein Ordnung stiftendes Torpedo rauscht. Aber der schnelle Unterwassersprengkopf hat wohl in der zu rasch zupackenden Erregung nicht richtig gelesen, es geht hier nur und immer ums Deutsche Theater ! Ich habe meine Lektion in Puncto Vorstellungsvermögen ja schon bekommen…
#66 Donna Davison: vorhersehbare VerrenkungenInga Sundström 2009-02-13 00:39
Nein, es geht hier nicht um die Institution des Deutschen Theaters, sondern um die Inszenierung von Hanna Rudolph. Ich habe mich ganz einfach gefragt, warum das DT sich jetzt plötzlich für Porno interessiert. Den Diskurs kann Pollesch besser verbraten. Gleichwohl hat mich das Thema der Pornografie zur Reflexion angeregt, was "die Intellektuellen" laut aktuellem "Spiegel" ja sowieso am Liebsten tun: "Der neue Bohemien definiert sich über den Spaß am Derben, die Intellektuellen begleiten all die vorhersehbaren Verrenkungen, die ganze simulierte Lust mit tiefsinnigen Aufsätzen." Und Prada, sind Sie eigentlich wirklich so alt? In puncto...
#67 Donna Davison: Porno? krah 2009-02-13 08:30
vielleicht gehts in dem stück ja gar nicht um porno?
#68 Donna Davison: Verfassung von Verstricktenprada 2009-02-14 11:11
Naja, so ein Fräglein, will wohl meinen, da gäbe es noch mehr, aber wozu sich mit der Frage aufhalten? Was erfahren wir über die Verfassung von in Leidenschaft verstrickten, und nehmen wir an, das diejenigen, die uns das vorführen überhaupt die Kompetenz haben davon zu berichten. Bei Pollesch, in der Tat, läßt sich gut vorstellen, die Schauspieler wüßten wovon sie sprechen. Im Deutschen Theater geht es einem da viel weniger so. Wie und wodurch also läßt sich die Glaubwürdigkeit steigern, bei einem Text, der auch schon nicht genügend Glaubwürdigkeit erzeugt?
#69 Donna Davison: die Lust des Zuschauer-VoyeursInga Sundström 2009-02-15 02:02
Die Glaubwürdigkeit zeitgenössischer Stücktexte und deren Inszenierung müsste sich von allein einstellen, insofern man nach Pollesch nicht das Leben der anderen, sondern das eigene Leben mit Theorie bearbeitet. In diesem Sinne würde ich die Aussage "In der Pornographie verführt die Abwesenheit der Anwesenheit" nicht bejahen, sondern hinterfragen wollen. Dieser Satz bestätigt doch nur das Fantasma der Frau als "Heilige UND Hure" bzw. Lacans "la femme n'existe pas". Der Zuschauer-Voyeur betrachtet nichts als sein eigenes Fantasma. Folglich könnte der Bruch hier in der Liebe zwischen Porno- und Fernsehstar liegen, welche im kommerziellen Rahmen des (Porno-)Films gemeinhin nicht vorkommen soll. Der Ausdruck des Schauspielers wie des Pornodarstellers soll allein der Lust des Zuschauer-Voyeurs dienen. Dazu Adorno: "Diese Sisyphusarbeit der individuellen Triebökonomie scheint heute 'sozialisiert', von den Institutionen der Kulturindustrie in eigene Regie genommen, zum Vorteil der Institutionen und der mächtigen Interessen, die hinter ihnen stehen."
Ebenso verhält es sich mit der Funktion des Mitleids, sowohl in der klassischen Tragödie des Theaters wie im Fernsehen. Auch hier geht es nicht um das tat-sächliche Mitleiden, sondern vielmehr um die geheime Freude darüber, als Zuschauer selbst nicht betroffen zu sein, gleichwohl aber die Gefühle stellvertretend ausleben zu können. Fazit: Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es.
#70 Donna Davison: lösende Wirkungprada 2009-02-15 15:14
das sehe ich genauso, wobei es bekannter maßen aber ohne Fantasma leider auch nichts geht, denn Getanes ohne gehöre Portion Fantasma, will als solches nicht so recht gegenwärtig werden. Weshalb das Bearbeiten des eigenen Lebens mit Theorie ja auch eine lösende Wirkung haben kann. Insbesondere, wenn dieses Bearbeiten zugleich poetische Wirkung verbreitet, in dem sie sich eben nicht zu einer Theorie aufschwingt.

Kommentar schreiben