Gehen, wenn's am schönsten ist

München, 28. Juni 2007. Frank Baumbauer beendet im Sommer 2009 seine Intendanz an den Münchner Kammerspielen. Wie ddp meldet, hatte ihm Oberbürgermeister Christian Ude eine Verlängerung seines Vertrages angeboten, Baumbauer lehnte "aus persönlichen Gründen" ab.

Baumbauer amtiert seit 2001 als Nachfolger von Dieter Dorn an den Kammerspielen. Nach Startschwierigkeiten kehrte das Theater in den letzten Jahren wieder in die Reihe der vom Publikum außergewöhnlich geliebten und von der Kritik und den Preisjurys besonders beachteten Häuser zurück.

In den ersten Baumbauer-Jahren fremdelte das Publikum, obschon es den neuen Chef aus seiner Kurz-Intendanz am Residenz Theater in den achtziger Jahren schon kannte. Der Saal der Kammerspiele war noch im Umbau, die neuen ästhetischen Mittel und Formen beunruhigte die auf Dieter Dorns Solidität eingeschworene Gemeinde. Zudem war das geliebte alte Ensemble fast geschlossen mit Dorn auf die andere Straßenseite ans Residenz Theater umgezogen. Neue Gesichter, neue Regisseure, modernere Spiel- und Darstellungsweisen – aller Anfang war schwer. Dann gewöhnte man sich aneinander und mit dem Einzug ins frisch renovierte Jugendstil-Schatzkästlein an der Maximilianstraße kehrten auch allmählich Erfolg und Akzeptanz zurück.

Als Frank Baumbauer seine Entscheidung am Mittwoch dem Ensemble bekannt gab, soll es der Münchner Presse zufolge, verdutztes Schweigen und feuchte Augen gegeben haben. Dabei entspricht es Baumbauers Art, zu gehen, wenn der Erfolg noch da ist. So hielt er es schon in Basel, wo seine Intendanz von 1987 bis 1992 währte, und wo Christoph Marthaler für das internationale Theater entdeckt wurde, so hielt er es auch am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, wo er bis 2000 sieben Jahre lang als einzig wirklich erfolgreicher Intendant seit der Ära von Gustaf Gründgens an diesem schwierigen Haus wirkte.

Wohin Baumbauer von München aus gehen wird, ist noch ungewiss. Das Angebot, von dem alle wissen, ab 2009 ans Deutsche Theater nach Berlin zu wechseln, hatte er ausgeschlagen. Dort wird nun Ulrich Khuon antreten. In München jedenfalls hat der am 1. Juli seine Amtszeit beginnende neue Kulturreferenten Hans-Georg Küppers eine schwierige Aufgabe zu lösen. 2009 ist das große Wechseljahr in den Chefetagen der deutschen Theater. Die meisten Träger großer Namen haben bereits neue Verträge unterschrieben. Der Markt gilt als abgegrast. Auf der anderen Seite besitzt das berühmte Münchner Stadttheater an dem schon Fritz Kortner erfolgreich gearbeitet hat, noch immer eine besondere Ausstrahlung.

(jnm)

 
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