Der Theatermacher - Schauspiel Frankfurt

Alarm! Es brennt!

von Sabine Leucht

Frankfurt am Main, 20. Juni 2021. Wenn Thomas Bernhards "Theatermacher", der Staatsschauspieler Bruscon, ein "Fallensteller" ist, wie er und sein Schöpfer behaupten, dann ist ihm die Gastwirtsfamilie, die Herbert Fritsch in Frankfurt auf die Bühne schickt, darin mindestens ebenbürtig. Lange sind der Wirt des "Schwarzen Hirschen", seine Frau und seine Tochter nur um den "Staatsschauspieler" herumgeschwänzelt, der in Berlin und Zürich Faust und Mephisto gespielt haben will und nun die Provinz betingelt. Devot und ameisenemsig war dieses Schwänzeln, während die Schauspielergesichter unablässig comichafte Gefühlszustände zwischen Staunen, Überraschung und Entsetzen modellierten. Wie das oft so ist, wenn Übertreibungskünstler und Quatsch-Poet Fritsch inszeniert. 

1994 - Futuro al dente - Schauspiel Frankfurt

Apocalypse Now Or Never

von Michael Laages

Frankfurt am Main, 6. Dezember 2019. Bis drei Wochen vor Silvester war die Position des Spitzenkandidaten im Wettbewerb um die "Silberne Zitrone" oder das "Faule Ei" des Theaters für dieses Kalenderjahr noch nicht vergeben – jetzt ist klar, wer ganz vorne liegen wird: "1994 – Futuro al dente", die "Stückentwicklung" von Nele Stuhler und Jan Koslowski fürs Frankfurter Schauspiel. Tatsächlich allerdings steht am Sekt-und-Böller-Abend Ende des Monats nicht dieses, sondern ein anderes Projekt dieser fleißigen Theatermenschen auf dem Frankfurter Spielplan: "Der alte Schinken". Mit Sicherheit gibt's da mehr zu lachen; die aktuelle Novität aus der Werkstatt von Stuhler & Koslowski wäre selbst im Delirium des Jahreswechsels nur mit ganz viel Blaumachern zu ertragen.

Die Ratten - Schauspiel Frankfurt

Wenig empfindsamer Abend

von Shirin Sojitrawalla

Frankfurt, 6. September 2019. Naturalismus ade, der Elendsporno fällt diesmal aus. Wo Gerhart Hauptmann seine Figuren in eine abgewohnte Mietskaserne sperrte, steckt die Regisseurin Felicitas Brucker sie in ein Behältnis mit Plexiglaswänden, das aussieht wie eine Mischung aus Hamsterrad und Fahrgeschäft, samt Leitern, Emporen und Neonlicht (Bühne: Dirk Thiele Galizia). Darin hausen keine Menschen, sondern Laborratten. Achtete Hauptmann auf die Standesunterschiede im Haus, wahrte das Oben und das Unten, schert sich Brucker nicht um Klassenfragen. Folgerichtig sieht Frau John bei ihr aus wie aus dem Land's End-Katalog, und Schmierentheaterdirektor Harro Hassenreuter (Sebastian Kuschmann) wie überhaupt niemand, den man kennt. Irene Ips Kostüme befreien die Figuren vielmehr vor gesellschaftlich eindeutigen Zuschreibungen und spielen beherzt mit Rollenklischees.

Warten auf Godot - Robert Borgmann inszeniert Beckett am Schauspiel Frankfurt

Kunstparty im Klimawandel

von Grete Götze

Frankfurt am Main, 12. Januar 2019. Vor genau einem Jahr hat Robert Borgmann zuletzt am Schauspiel Frankfurt inszeniert. Kafkas Romanfragment "Das Schloss", mit Max Mayer als Landvermesser K. Ein rätselhafter, vieldeutiger Abend, dessen ungeheure Figuren sich ins Gedächtnis eingraben. Mit Samuel Becketts "Warten auf Godot" hat sich Borgmann nun wieder einen schwer zu dechiffrierenden Text vorgenommen, der durch seine Zeitlosigkeit Parabelcharakter hat.