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Unsere auswahl ist subjektiv

Presseschau vom 11. Dezember 2012 – Der Tagesspiegel über die neue Schauspiellust in Griechenland

Theatromanie in Thessaloniki

11. Dezember 2012. Krise ja, aber künstlerische Depression nein! Eine regelrechte "Theatromanie" sei in Griechenland ausgebrochen, berichtet heute Marianthi Milona im Tagesspiegel (11.12.2012). Ob "auf der Bühne oder als Zuschauer im Saal" seien die Griechen derzeit von "einer ungeheuren Sehnsucht nach Schauspiel und Unterhaltung" beseelt. Von einer Hausse im Kindertheater ist die Rede: "So viele Kinderaufführungen wie in diesem Jahr gab es in Griechenland noch nie." Auch niedrige Gagen hielten Akteure nicht von ihren Auftritten ab: "Das letzte Mal war eine solche Schauspiellust während der griechischen Militärdiktatur (1967–74) zu spüren. Auch damals half das Theater den Menschen, auf bessere Zeiten zu hoffen, zu warten, nicht zu resignieren."

Presseschau vom 7. Dezember 2012 – Die Frankfurter Rundschau über den Mannheimer Theaterkonflikt

Fürst und Kollektiv

Mannheim, 7. Dezember 2012. In der Frankfurter Rundschau erklärt Peter Michalzik den Konflikt, den es um eine neue Führungsstruktur gibt, seit die bisherige Generalintendantin des Nationaltheaters erkrankte und ihr Amt zur Verfügung stellte. "Er ist von überraschender Heftigkeit und wird mit Ausdauer geführt." Auf der einen Seite steht Mannheims  Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD), der "ein kollektives Führungsmodell aus einem geschäftsführenden und vier Sparten-Intendanten, Oper, Schauspiel, Ballett und Jugendtheater" präferiert, entworfen vom ehemaligen Stuttgarter Intendanten Hans Tränkle. Auf der anderen Seite kämpft die CDU und die Mannheimer Liste mit Stadtrat Achim Weizel, der auch Vorsitzender der Freunde des Nationaltheaters ist, und dem ehemalige Generalintendanten Ulrich Schwab für das Generalintendantenmodell.

Presseschau vom 28. November 2012 – Fusion und Theaterneubau in Mecklenburg-Vorpommern?

Konkrete Fusionspläne, vertagter Neubau

Rostock, 28. November 2012. Die Theater- und Musiklandschaft Mecklenburg-Vorpommerns soll seit Längerem restrukturiert werden. Die Landesregierung beauftragte ein Wirtschaftsberatungsunternehmen mit der Ausarbeitung von neun möglichen Szenarien. Der NDR sowie die Ostseezeitung berichtet nun, dass sich die Regierungskoalition auf folgende Modelle geeinigt habe: Das Musiktheater von Schwerin und Rostock soll fusionieren, genauso wie die Opernstandorte in Stralsund/Greifswald sowie Neubrandenburg/Neustrelitz zusammengelegt werden sollen. "Pro Jahr sollen laut dem Entwurf der Beratungsfirma etwa zehn Millionen Euro gespart werden - etwa 162 Arbeitsplätze würden wegfallen", so der NDR. Nach dem zweiten Modell sollen analog auch die Schauspielsparten fusionieren. Resultat laut NDR: Einsparungen von rund 14 Million Euro, 220 Jobs weniger. Die Regierung beginne nun, mit den kommunalen Trägern der Theater über die beiden Modelle zu verhandeln.

Presseschau vom 17. November 2012 – Claus Peymann spricht in der Rheinischen Post vom Scheitern

Gescheiterter Stachel

17. November 2012. Berliner-Ensemble-Intendant Claus Peymann ist, trotz gebetsmühlenartig vorgetragener erfreulicher Zahlen des eigenen Hauses, eingetrübter Stimmung. In einem Interview, das Lothar Schröder aus nicht näher erläuterten Gründen mit ihm in der Rheinischen Post (16.11.2012) führte, beklagt er den Ensembleverfall ("Eine kleine Gruppe von 30 bis 40 sehr bekannten Namen diktiert als Gastschauspieler die Spielpläne aller deutschsprachigen Bühnen."), ätzt gegen junge Dramatiker ("eine vollständige Nabelschau in der Literatur") und die Regie-Kollegen ("diese Stücke-Verbesserer, die unter dem Namen Regisseur eigentlich Dichter spielen").

Presseschau vom 13. November 2012 – Das Wiener Magazin Der Falter interviewt Daniel Kehlmann

Von allen Seiten verteidigtes Monopol

Wien, 13. November 2012. Der Theaterkritiker Wolfgang Kralicek hat mit dem Dramatiker Daniel Kehlmann, dessen neues Stück "Der Mentor" vergangenes Wochenende am Theater in der Josefstadt uraufgeführt geworden ist (hier die Nachtkritik), im Wiener Stadtmagazin "Der Falter" ein Gespräch geführt.

Presseschau vom 10. November 2012 – Die Berliner Zeitung über die neuerliche Prüfung eines Zentralstandorts für die Ernst-Busch-Schule

Peinliche Berliner Posse

10. November 2012. "Ich bin dafür, doch doch. Immer her mit den Prüf-Optionen!", ruft Birgit Walter in der Berliner Zeitung dem Berliner SPD-Abgeordneten Karl-Heinz Nolte zu, der die jüngste Überprüfung des schon beschlossenen Standortes Chausseestraße als Zentralstandort für die Ernst-Busch-Schule ausgelöst hat.

Presseschau vom 28. Oktober 2012 – Mecklenburg-Vorpommern diskutiert die Neuordnung seiner Theater- und Orchesterstrukturen

Mit dem Rotstift des Unternehmensberaters

28. Oktober 2012. Der Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mathias Brodkorb (SPD) hat in Schwerin neun Modelle zur Weiterentwicklung der Theater- und Orchesterstrukturen in Mecklenburg-Vorpommern präsentiert. Die Modelle wurden von der METRUM Managementberatung GmbH entwickelt" (hier die Pressemitteilung). Die von METRUM vorgeschlagenen Modelle seien "geeignet, im Jahr 2020 eine ausreichend finanzierte Theaterstruktur im Land aufrecht zu erhalten, die mit den zur Verfügung stehenden 35,8 Millionen Euro zuzüglich der kommunalen Beiträge auskommt." Wenn die "Theater- und Orchesterstrukturen nicht verändert werden", würde im Jahr 2020 eine Finanzierungslücke von 12 Millionen Euro jährlich entstehen, habe METRUM ermittelt. Die neun METRUM-Modelle betreffen vor allem "Veränderungen im kostenintensiven Musiktheater- und Orchesterbetrieb". Im Internet lädt der Minister jetzt Bürger zur Diskussion über diese neun Modelle ein (hier zum Forum).

Presseschau vom 19 Oktober 2012 – die Frankfurter Rundschau und der englische Guardian zur Blackfacing-Debatte

Die Differenzierung der Null-Toleranz-Position

19. Oktober 2012. Anlässlich der Blackfacing-Konferenz trägt Dirk Pilz in der Frankfurter Rundschau noch einmal ein zentrales Argument der Debatte vor: "Wir leben in einer Gesellschaft, in der Rassismus nicht nur am rechten Rand zu Hause ist, sondern in ihrer Mitte. Praktiziert von Menschen und Institutionen, die sich selbst natürlich nie als Rassisten beschreiben würden. Aber rassistische Stereotype transportieren sich auch wider Willen des Einzelnen, an der Vernunft und den eigenen Absichten vorbei. Niemand ist davor gefeit, rassistische Denk- und Wahrnehmungsmuster zu bedienen."

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