Eines langen Tages Reise in die Nacht - Deutsches Theater Berlin
Wir wollen Mutti wiederhaben
31. Januar 2025. Die Söhne saufen, Mom hängt am Morphium, und Daddy James Tyrone glaubt, als patriarchaler Allesblicker reüssieren zu können. Mit Eugene O'Neills Familiendrama gibt Sebastian Nübling seinen Regie-Einstand am DT Berlin und setzt nach launigem Angang auf große Zeichen.
Von Christian Rakow
"Eines langen Tages Reise in die Nacht" unter der Regie von Sebastian Nübling am DT Berlin © Thomas Aurin
31. Januar 2025. Im Buchladen um die Ecke des Deutschen Theaters stieß ich auf einen Witz, der in jeder Hinsicht ein tolles Warm-up für die anschließende Premiere war. Ich will ihn nicht vorenthalten: Ein Junge fragte seinen Vater "Wissen Väter immer mehr als Söhne?", und der Vater sagte: "Ja." Also fragte der Sohn: "Vati, wer hat die Dampfmaschine erfunden?" Und der Vater: "James Watt". Darauf der Sohn: "Aber warum hat sie dann nicht James Watts Vater erfunden?"
Alhoholgeschwängerte Nächte
In Eugene O'Neills Familiendrama "Eines langen Tages Reise in die Nacht" will das Familienoberhaupt in ganz ähnlicher Weise den patriarchalen Allesblicker geben: James Tyrone, ein alternder Schauspielstar, mit einem Boulevardstück reich geworden, inzwischen Immobilienbesitzer und geizig bis auf die Knochen, gängelt und traktiert die Söhne. Die geben Kontra, allerdings nicht ganz so naseweis wie jener im Witz, sondern eher ätzend. Denn diese Familie ist längst auf den Hund gekommen: James junior säuft wie ein Loch, Edmund, sein Bruder, säuft ebenfalls und ist obendrein todkrank. Mutter Mary macht eine Entziehungskur nach der anderen wegen ihrer Morphiumsucht. All das, diese kaputten Leben, halten sie in O'Neills autobiographischem Stück einander vor, den ganzen Tag lang bis in die alkoholgeschwängerte Nacht.
Alkoholexzess mit Hasenmaske: Moritz Kienemann, Bernd Moss und Svenja Liesau spielen O'Neill © Thomas Aurin
Es macht auf eine diebische Art Spaß mitzuerleben, wie sich diese Tyrones eine saure Pointe nach der anderen vor den Latz knallen, wie sie sich erst Frechheiten, dann härtere Volten, dann lupenreine Verletzungen zufügen. "Du verdienst immer noch mehr, als du wert bist, und ohne mich würdest du gar nichts verdienen. Wenn du nicht zufällig mein Sohn wärst, würde dir doch kein einziger Regisseur noch eine Rolle geben – so hundsmiserabel ist dein Ruf!" So spricht oder geifert man hier miteinander.
Regisseur Sebastian Nübling nimmt das Ganze zunächst von der leichten Seite, verlegt die Action in den Saal zwischen die Zuschauer. Die Schauspieler spielen Schauspieler, einige oben in Rang und Loge, Bernd Moss als Vater Tyrone unten im Parkett. Man schaut, wie sie sich die Bälle verbal zuspielen, links, rechts, hoch, runter. Über unseren Köpfen. Rasiersitztheater. Funktioniert bestens. Erinnert an tolle Abende im Maxim Gorki Theater, in denen Nübling aus den Untiefen der Schauspielerselbstbespiegelung große Wahrhaftigkeit barg (zuletzt mit Sivan Ben Yishais "Bühnenbeschimpfung").
Schlafwagenreise in die Nacht
Das Publikum hier im DT spielt auch bestens mit, gibt Handzeichen, wenn Bernd Moss mit andauernden populistischen Umfragen Zustimmung für einzelne Thesen erheischt, und witzelt auf Augenhöhe: "Es sind sorgenvolle Zeiten, aber Vati ist da", sucht Moss alle zu beschwichtigen. "Wir wollen aber Mutti wiederhaben", flüstert mein Sitznachbar mit Blick auf die gestrigen AfD-Avancen der CDU, die von allen guten Geistern Angela Merkels (alias "Mutti") verlassen zu sein scheint.
Nach einem guten Akt muss Sebastian Nübling das schlechte Gewissen befallen haben, dass es hier doch zu launig und irgendwie zu wenig existenziell zugeht (was gar nicht stimmte, denn in den Duellen zwischen Moritz Kienemann als James Junior und Bernd Moss geht’s schon hoch her). Jedenfalls legt er mit einem Mal den Schalter um auf gesteigerte Bedeutsamkeit und setzt uns damit leider auf eine Schlafwagenreise in die Nacht. Die Spieler fangen an, getragen zu schleichen, legen Worte aufs Silbertablett, trinken choreographiert in Zeitlupe Whiskey (der wie Korn ausschaut) und nehmen sich sehr, sehr ernst. Passend dazu weht immer wieder das schwelgerische "Air" von Johann Sebastian Bach aus den Musikboxen heran.
Forciert zeichensetzend: Julia Gräfner beim Schlussmonolog von Sivan Ben Yishai © Thomas Aurin
Irgendwann öffnet sich der Eiserne Vorhang in die Weite der verdüsterten Bühne. Eine Portion Atmo-Theater steht bevor. Almut Zilcher ergeht sich in erratischen Monologen der Mutter Mary. Nebel wabert, die Stimmen kriegen mächtig Hall, hier und dort läuft man mit Hasenmaske über dem Gesicht. Quasi David Lynch goes Karnickelstall. Mulholland Drive ins Ungefähre.
Im Hintergrund erscheint die Fassade eines Südstaatenhauses auf der Bühne von Dominic Huber. Zwei kantige Hassliebe-Duette zwischen Moss und Svenja Liesau (in der Rolle des Edmund) – beide Tyrones sind inzwischen knackedicht, der Whiskeygenuss sieht langsam nach Waterboarding aus – und Kienemann und Liesau lösen den Bremsklotz noch einmal ein wenig. Aber so ganz kriegen sie die kunstgewerbliche Gravität nicht mehr vertrieben.
Unebenes Unterfangen
Im Finale wird forciert zeichensetzend Stacheldraht ausgerollt (zur Einsperrung der westlichen Wohlstandsprobleme, zur Aussperrung der Welt?). Julia Gräfner, die zuvor in einer Nebenrolle als Inspizientin und Dienstmädchen verschenkt wurde, darf einen "Epilog" von Sivan Ben Yishai zum Besten geben. Der kündet von der Überforderung der Menschen heute und etwas auch – tagesaktuell (siehe CDU-AfD-Match) – von Abschiebungen. Alles häppchenhaft, hingeworfen, diffus nach Resonanzen am O'Neill suchend. Aber auch nicht schlimm lang. Wenn Sivan Ben Yishai mehr als zwanzig Minuten an dem Textchen geschrieben haben sollte, hat sie mein aufrichtiges Bedauern.
Im Ganzen ist dieser DT-Abend also ein unebenes Unterfangen, stark im Angang, dann mühevoller. Prophetisch sagt James Tyrone einmal: "Lacht nur, lacht ihn ruhig aus, den armen alten Schmierenkomödianten! Aber der letzte Akt spielt trotzdem in der Gosse und das wird keine Komödie." Bis in die Gosse sind sie leider nicht vorgedrungen, sie blieben irgendwo auf halbem Weg am Garderobenständer hängen, den Hut des traurigen Clowns noch auf der Ablage.
Eines langen Tages Reise in die Nacht
nach Eugene O'Neill
Deutsch von Michael Walter
Mit einem Epilog von Sivan Ben Yishai
Regie: Sebastian Nübling, Bühne: Dominic Huber, Kostüme: Una Jankov, Musik: Lars Wittershagen, Licht: Matthias Vogel, Dramaturgie: Christopher-Fares Köhler.
Mit: Bernd Moss, Almut Zilcher, Moritz Kienemann, Svenja Liesau, Julia Gräfner.
Premiere am 30. Januar 2025
Dauer: 2 Stunden 10 Minuten, keine Pause
www.deutschestheater.de
Kritikenrundschau
In der ersten Stunde kann Barbara Behrendt auf rbb24 (31.1.2025) noch etwas von der explosiven Energie spüren, die Sebastian Nüblings Inszenierungen am Maxim Gorki Theater ausgemacht haben. Beim lustigen Ton bleibe es in seiner ersten Arbeit am Deutschen Theater dann aber nicht. "Wenn nach einer Stunde der Vorhang doch noch nach oben scheppert, sind wir angekommen im Reich des düsteren, einsamen Rauschs. Aus dichtem Nebel entsteigen die Schauspieler:innen nun mit Hasenmasken und begegnen sich wie irre Traumfiguren." O’Neills Figuren erscheinen der Kritikerin zu kaputt, als dass man sich in ihnen spiegeln oder mit ihnen gar die politische Gegenwart erklären könnte. Und so schleppe sich die Misere in der zweiten Hälfte des Abends lediglich von einer düsteren Beichte zur nächsten.
O’Neills hartes Theaterdrama bekomme im DT "eine noch härtere Antwort von Sivan Ben Yishai", schreibt Ulrich Seidler in der Berliner Zeitung. "Es ist von Abschiebungen und Pushbacks die Rede, von Gewalt, von Deportation, davon, dass man die Freiheit stückchenweise hergibt." Wenn sich der Eiserne Vorhang wieder schließe, fühle es sich an, "als würden wir uns immer tiefer in eine Blase zurückziehen und als würde die Blase immer kleiner und enger und härter und einsamer", so der Kritiker. "Dabei hatte es doch ziemlich komisch und gemütlich angefangen, zusammen in der Konfektschachtel und mit dem offenbar unerschöpflichen Vorrat an Spirituosen."
Nübling treibe dem Stück das Psychologische weitgehend aus, notiert Erik Zielke von nd.DerTag (31.1.2025). Der Regisseur finde große, aber nicht immer klischeefreie Bilder für das Bühnengeschehen. Auffällig sei ferner, wie wenig sich die Spielweisen zusammenfügen wollten. Bernd Moss überzeuge zwar, Almut Zilcher jedoch finde für diese Inszenierung nicht den richtigen Ton. "Den aufmüpfigen Jamie verkörpert Moritz Kienemann etwas zu platt als kleinen Schreihals, und auch Svenja Liesau findet nicht recht zu ihrer Rolle des schwerkranken Eddie."
"Exil, Gewalt, Abschiebung; das aktuelle Reiz-Vokabular der Politik beendet diese Premiere eines modernen Klassikers," so Eberhard Spreng in der Sendung "Kultur Heute" beim Deutschlandfunk (31.1.2025). "Sie fand zwischen zwei geschichtsträchtigen Bundestagsdebatten statt. Aber es gelingt dieser Aufführung nicht, das Ausmaß gesellschaftlicher Verrohung und Gewaltbereitschaft sowie ihren Fremdenhass aus den Beziehungsstrukturen eines scheiternden Familiensystem zu erklären. So bleibt nur die Freude am brillant verkörperten, reich bebilderten Irrsinn einer drogenberauschten Zwangsgemeinschaft."
Sebastian Nüblings Inszenierung sei eine Farce, ein böser Spaß, so Rüdiger Schaper vom Tagesspiegel (31.1.2025). Nur: "Was will Nübling zeigen, wenn er den Realismus und die Psychologie des Stücks lächerlich macht?" Der Kritiker findet keine Antwort. Die Aufführung habe etwas Exemplarisches: "Das Theater will so viel, und es bringt so wenig."
Von einer "unvollendeten Suche des Regieteams nach einem schlüssigen Zugriff" schreibt Elena Philipp in der Berliner Morgenpost (1.2.2025). Manch Langeweile herrsche auch "in den knapp über zwei Stunden. Denn O' Neills Familienstück hat merklich Jahre auf dem Buckel. Auch wenn psychische Gewalt in der Familie gut zum Trendthema Traumata passt, ist der Stoff vielleicht doch zu altbacken. Und obgleich das Ensemble O' Neills Sprache aktualisiert und das Tempo erhöht hat, bleiben einem die typisierten Figuren emotional fern. Ein ungefügter Abend. Der unzufrieden macht, obwohl reibungslose Abläufe und ungetrübte Hochgefühle ja erst recht völlig unzeitgemäß wären."
"Beschäftigt mit Selbstrechtfertigungen und unfähig zur Empathie – lässt sich aus diesem Bild der Familie Tyrone eine Allegorie ableiten des gesellschaftlichen Zustands in der Gegenwart? Nüblings Inszenierung nimmt sich das vor, kriegt die Kurve vom Drama zur Gegenwart aber nur unzureichend“, schreibt Katrin Bettina Müller in der taz (3.2.2025). Der Schlussmonolog von Sivan Ben Yishai sei nicht mit der Inszenierung in Verbindung zu bekommen.
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Während O´Neill die langsam bröckelnde Fassade einer vermeintlich heilen Welt im Stil des psychologische Realismus beschrieb, ist hier jeder Versuch des Schönredens und Verdrängens, in dem vor allem Mutter Mary eine Meisterin ist, offensichtlich zwecklos. Zwischen Improvisationen und einer recht freien Fortschreibung der 1992 erschienen O´Neill-Übersetzung von Michael Walter erleben wir das Zerrbild einer besonders dysfunktionalen Familie.
Als der Eiserne Vorhang zum dritten Akt endlich hochgeht, erleben wir ein Verzweiflungs-Solo von Almut Zilcher im grellen Gegenlicht. Begleitet vom restlichen Ensemble hinter Kaninchen-Masken legt eine der großen Schauspielerinnen des DT ein Kabinettstückchen hin. Trotz solcher Einzelleistungen bleiben die 2 Stunden 10 Minuten disparat, wohin Regisseur Sebastian Nübling und Christopher-Fares Köhler steuern wollen, bleibt unklar im Bühnen-Nebel. Ein Programmheft, das etwas Erhellendes beitragen könnte, fehlt bei dieser Produktion.
Der Epilog von Sivan Ben Yishai, mit dem Christian Rakow so hart ins Gericht geht, ist eine gekürzte Version des Textes „How to stay“ vor, der als „Poetische Position“ für die Veranstaltungsreihe „DIE KUNST, VIELE ZU BLEIBEN. Bundesweite Foren für Kunst, Freiheit und Demokratie des Fonds Darstellende Künste“ entstand und im Spätsommer 2024 beim Kunstfest Weimar vorgestellt wurde. Am DT wird er zum düsteren Nachklapp, der den Bogen von Krankheit, Chemotherapie und Tod hin zu Gewalt und Abschiebung schlägt. Damit landet der Premieren-Abend am Ende dieses denkwürdigen Tages, an dem Angela Merkel mit ihrem Parteifeind und möglichen Nach-Nachfolger im Kanzleramt abrechnete, mitten in der politischen Debatte um Migrationspolitik. Doch auch zu diesen Themen hat die „Eines langen Tages Reise in die Nacht“-Inszenierung von Sebastian Nübling, der nach vielen Jahren am Gorki erstmals am DT arbeitete, nichts Erhellendes beizutragen.
Komplette Kritik: https://daskulturblog.com/2025/01/30/eines-langen-tages-reise-in-die-nacht/
Nichts Erhellendes bei-geh-tragen.
Düsterer und dürstender Nachklapp-Klipp-Klapp.
Der Bogen schlägt von Krankheit, Chemotherapie und TOD hin zu Gewalt und Ab-Schiebung. Und leider nicht zur Liebung.
Es ist nicht Kunst, Viele oder Vieles zu bleiben. Bundesweit für Kunst, Freiheit und Demokratie für Darstellende Künste und Zuschauer-Wünsche.
Immer ach, ach! Verzweiflung und ganz Solo bei Almut Zilcher im grellen Gegen-Licht ihrer Schauspiel-Kunst und Publikums-Gunst.
Ist sie nicht eine der großen Schauspielerinnen des Deutschen Theaters?
Und dennoch ist es nur ein Kabinettstückchen und kein Riesen-Stück im Stück.
Eine Reise durch ihre lange Nacht - oh psychisch-theatralische Bühnen-Pracht zur Nacht!
Trotz dieser Ein-Zellen-Leistung bleibt das Ganze desperat, und doch gerade wegen dieser Einzelleistung auch apart. Unklar wohin man das Theater-Schiff eigentlich steuern wollte: Nebeliges auf hoher See. Ein wenig auch "Fliegende Holländerin" oder dergleichen?
Es lebe die Verzerrung und Nicht-Verehrung der dysfunktionalen Familien ah-uff diesem Erdenrund und erscheint uns ungesund. Insonderheit ah-uff der weltoffenen Bühne.
Immer schon und bereits langweilig die Beschäftigung der Schau-Speiler sich gegenseitig brutale und grausame scheinbar unsterbliche Wahrheiten ins offene Gesicht zu brüllen, sodass Bühne erschüttert wird - aber mehr mechanisch als emotional-radi-kahl! Unser Allah-Leben ist eher eine Parodie der Lebenstheater-Konventionen und und gewöhnlichen Sehgewohnheiten als sonst irgendetwas Ernsthaftes. Manch lange Weile hat Herrschaft zwischendurch in Arbeitspausen, verbracht und verbraucht in der furchtbaren Kürze des vergeblichen Lebens. O`Neills Stück hat einige Jahre auf dem alten morschen Buckel. Vielleicht gar einen Puh-Muckel irisch-amerikanisch. Neumodisch ist es nicht, und auch nicht klassisch-modern. Trendthema Traumata psychischer und physischer Gewalt ausgehend vom alternden Vater - eine doch altbackene Familiengeschichte. Fernbleiben der typischen Bühnenfiguren emotional im Ritual der aktualisirrten Sprache mit erhöhtem Tempo und Druck. O wie ungefügt ist uns doch dieser Abend! - Der unzufrieden macht. Obwohl obwohl er reibungslos abläuft und und HOCHGefühle welche ungetrübt ja erst ja recht vollkommen und vollendet Un-Zeit-gemääss wären vollständig.
Wer möchte nicht wie James Tyron mit einem Boulevardstück reich werden?
Aber doch lieber mit einem Erfolgsstück einer Komödie im Stile Shakespeare.
„Wenn Sivan Ben Yishai mehr als zwanzig Minuten an dem Textchen geschrieben haben sollte, hat sie mein aufrichtiges Bedauern“ ist in meine Augen eine absolut unter die Gürtellinie gehende, polemische und persönlich angreifende Kritik. Eine Unterstellung, die wahlweise anbietet „schlecht“ oder „faul“ zu sein. Ich finde das unwürdig, nicht nur, weil hier Schreibende gegen Schreibende vermeintlich das Schreiben ins Feld führen. Das muss ich hier loswerden, weil ich bei aller Anerkennung (auch harter) Kritik eine solche Polemik nicht unkommentiert stehen lassen möchte.
warum immer Verzweiflung bei Almut Z.
Gegenlicht ihrer Schau-Spiel-Kunst
und der allgemeinen sichern Gunst
ah-uff offener sich öffnender Bühne
durch sie ganz hindurch!
Sie ist in ihrer eigenen Art
wie könnt Mann es sagen
und schnell behaupten
zu Häupten der Theatergottheit
gespalten in tragisch und in komisch
in modisch, alt-modisch und wohlgemerkt - uralt
verwegene verschwiegene Theater-Pistolen
durch verschlissene-verfließende Kulissen knallt!