Ruf der Wildnis - Mit Soeren Voima orchestriert Clara Weyde Jack Londons Buchklassiker in Hannover als sozialkritische Goldgräberfabel
Amboss oder Hammer sein
von Jens Fischer
Hannover, 8. Dezember 2017. Spielplatzfidel toben die Darsteller wie Kinder und Hundebabys um Klettergerüste herum. Bühne und Zuschauerraum sind gleichermaßen hell erleuchtet: Noch funktioniert die Zivilisation. Vereint Kultur und Natur – den seinen tierischen Wurzeln entfremdeten Menschen und das vermenschte Haustier. In der Jack London-Adaption am Staatsschauspiel Hannover changiert das Schauspieler-Quintett zwischen Hunde- und Menschengesten; die Grenzen zwischen den Spezies sind fließend. Unheilschrille Klangakzente bringen allerdings eine Unwucht ins ausbalancierte Spiel. Kalkulierte Zerreißungen des friedensstiftenden Firnis. Mit der Sehnsucht nach einem ursprünglicheren Dasein. Die Jack London getrieben hat ins Unbehauste. Er vernahm, erhörte, verfiel dem Ruf der Wildnis. Seinen Bestseller fröstelt Clara Weyde mit Wind-, Schnee- und Sturmlärmmaschinen nun in den Hannoveraner Ballhof.
Geächtet - In Hannover inszeniert Sascha Hawemann den Theaterhit der Saison als trashiges Versuchslabor, in dem niemand den Klischees entkommt
Revue des Rassismus
von Jan Fischer
Hannover, 7. Dezember 2017. Leicht neigt sich die Bühne zum Publikum hin, Wände und Boden führen perspektivisch zu einem Fluchtpunkt, der unsichtbar bleibt, die Kulisse wird begrenzt von einem gigantischen Ventilator, aus dem immer wieder großzügig Hazerdampf gepustet wird. Komprimiert zeigt dieses Bühnenbild im Grunde schon die Idee hinter Sascha Hawemanns Inszenierung von Ayad Akthars "Geächtet", das zur Zeit an deutschen Bühnen rauf und runter gespielt wird. Hawemanns Raum sollte so nicht existieren und er verweist in seiner Bauweise auf künstlerische Illusionen von Tiefe einerseits, trickreich den Zuschauerraum als Erweiterung der Bühne umfassend, und ermöglicht gleichzeitig – dadurch, dass durch den verzerrten Bau der Boden hinten höher ist als vorne – eine gute Sicht auf das Geschehen. Das Bühnen- als Zerrbild signalisiert: Hier ist alles künstlich.
Spiel mir das Lied vom Tod - In Braunschweig sucht Klaus Gehre in dem Stoff von Sergio Leone nach dem Ursprung des Kapitalismus und den Grenzen der Frontier
Wer Visionen hat, sollte nach Westen gehen
von Jan Fischer
Braunschweig, 3. November 2017. Es ist für den US-amerikanischen Mythos der Frontier – dieser Grenze, hinter der das Unbekannte nur darauf wartet, einverleibt zu werden – ein Glücksfall, dass die öden Landschaften des Mars den ikonischen Felsformationen des Monument Valley verblüffend ähneln. Klaus Gehre macht sich diese Ähnlichkeit jedenfalls gleich zu Beginn seiner Inszenierung des Western-Klassikers "Spiel mir das Lied vom Tod" in Braunschweig zu nutze. In Großaufnahme erscheinen – in Anlehnung an eine Traumsequenz aus dem Sci-Fi-Klassiker "Total Recall" zwei Playmobil-Männchen in Raumanzügen groß projiziert vor einer Marslandschaft. Diese Landschaft wird, wiederum groß auf die den Raum der kleinen Bühnen beherrschenden Leinwand, direkt in einen Zug überblendet, der sich schnaufend in Richtung der Stadt Sweet Water schiebt. Und schon sind wir mittendrin im Western.
Der Entertainer - Martin Laberenz inszeniert in Hannover John Osbornes Stück über eine Familie am Abgrund
Rauchen, saufen, alles geht kaputt
von Jan Fischer
Hannover, 21. Oktober 2017. Die erste Regel in Martin Laberenz‘ Inszenierung von "Der Entertainer" lautet: Wer auf der Bühne steht, muss immer mindestens einen Drink oder eine brennende Zigarette in der Hand halten, am besten beides. Die zweite Regel in Martin Laberenz‘ Inszenierung von "Der Entertainer" lautet: Wer Text hat, muss mindestens ein Lied singen. Und im Prinzip ist damit die Inszenierung des Stoffes von John Osborne in Hannover hinreichend beschrieben.
Regie: diverse
Regie: Markus&Markus
Regie: Katharina Ramser
Regie: Luise Voigt
Regie: Michael McCrae, Romy Weyrauch
Regie: Malte C. Lachmann
Regie: Vladyslav Troitskyi
Regie: Gernot Grünewald, Sandy Rudd
Regie: Peer Ripberger
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