Die Gewehre der Frau Kathrin Angerer - Wiener Festwochen
Tanz mit Diskurswolf
von Martin Pesl
Wien, 5. Juni 2021. Obwohl er selbst nie auftritt, hat René Pollesch eines mit Kabarettist:innen gemein: Sie müssen oft Monate im Voraus zu Marketingzwecken den Titel ihres neuen Programms nennen und dazu einen knackigen Ankündigungstext verfassen, obwohl sie noch keine Zeile geschrieben haben. Polleschs neueste Inszenierung "Die Gewehre der Frau Kathrin Angerer" – erster Vorbote der neuen Berliner Volksbühne – feierte seine Premiere im Rahmen der Wiener Festwochen, die diesmal erst Ende April ihren Katalog herausgaben. Polleschs Text darin liest sich trotzdem wie "Schreib uns bitte irgendwas, wir gehen heute in Druck." Etwas mit Zahnärzt:innen, der "vierten Sache" und dem Tanzfilm. Flapsig, verschwurbelt, ganz sympathisch, aber nicht aufschlussreich. Pollesch halt.
Der zerbrochne Krug - Landestheater Linz
Lug und Krug
von Theresa Luise Gindlstrasser
Linz, 29. Mai 2021. Was die Autorin Chimamanda Ngozi Adichie prominent als Apell formuliert, hat der Richter Adam dieses Abends indikativisch am Unterhemd stehen: "We are all feminists!". Dabei ist der übergriffige, dann sich wider Willen selbst richtenden Richter sicher nicht als Sympathieträger in Erinnerung. Andererseits ist wahrscheinlich der ganze "zerbrochene Krug" ein bisschen anders in Erinnerung. Am Landestheater Linz inszeniert Bérénice Hebenstreit, 2020 mit einem Nestroy ausgezeichnet, nämlich nicht die Happy-End-Fassung, sondern nach "Variant", also mehr so offenes Ende. Und außerdem mit einem brandnew Schlussmonolog von Carolyn Amann.
Der Theatermacher - Volkstheater Wien
Urwiener Epiphanie
von Gabi Hift
Wien, 26. Mai 2021. "Was hier?? In dieser muffigen Atmosphäre soll ich mein Stück spielen?", ruft der Theatermacher Bruscon aus und schaut angewidert in den Zuschauerraum, "trostlos!” Und erntet gleich einen glücklichen Lacher. Denn das Volkstheater glänzt derartig in seiner frischrenovierten Pracht, dass das auch grad in Renovierung befindliche Burgtheater auf der anderen Seite vom Ring es nicht leicht haben wird, mit so einem Prunk mitzuhalten. Die erste Runde um die Gunst des in den letzten Jahren arg geschrumpften Stammpublikums haben die Neuen gewonnen. Jetzt kommt Runde zwei der Aufnahmeprüfung: Kann die Truppe um Kay Voges Wienerisches Volkstheater? Was immer das heutzutage heißen soll. Und da herrscht ziemliches Misstrauen: Wie soll das gut gehen? Ein Deutscher und dann auch noch so ein postmoderner Dekonstruierer.
Die Jagdgesellschaft - Akademietheater Wien
Vom Käfer dahingerafft
von Andrea Heinz
Wien, 26. Mai 2021. Wir Waldbäuerinnen wissen: Der Käfer ist ein Hund. Der Borkenkäfer nämlich. Thomas Bernhard, wenn auch kein Waldbauer, sondern Österreich liebster Nestbeschmutzer, wusste das auch. "Die Jagdgesellschaft", eines seiner selten gespielten, ihm selbst gleichwohl liebsten Stücke, handelt von der maximalen Zerstörung, im Menschen drin und um ihn herum: Ein mit Nachdruck als Ungustl markierter (Politiker, Großgrundbesitzer, Jäger, General) und zugleich höchst bemitleidenswerter, da in Stalingrad eines Armes beraubter Mensch, ein Mann, ist unheilbar erkrankt.
Regie: Michael Weger
Regie: Ben Kidd und Bush Moukarzel
Regie: Nikolaus Habjahn
Regie: Bernd Liepold-Mosser
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