Theaterpodcast (22) - "Künstler oder Servicekraft?" Zur Zukunft der Schauspielausbildung. Diskussion beim Podcast Festival am 2. Februar 2020 in der Berliner Urania
Wer. Wollen. Sollen. Wir. Sein?
Dieser Beitrag ist Teil des nachtkriktik.de-Archivs. Er entspricht Layout und technischem Stand vor November 2021.
Junge Menschen, deren Traum das Schauspielen ist, lernen wochenlang Theaterrollen auswendig und reisen von Stadt zu Stadt, um sich an Schauspielschulen zu bewerben. Manche sprechen mehr als zwanzigmal vor, bei anderen klappt es sofort. Warum ist das so? Wonach suchen die Schulen? Und was müssen Schauspielstudierende heute mitbringen und was müssen sie lernen, damit sie im Beruf bestehen können? Darüber diskutierte Der Theaterpodcast beim Podcastfestival von DLF Nova mit dem Publikum und vielen Gästen: der Schauspielerin Julia Gräfner, der Leiterin der Stuttgarter Schauspielschule Franziska Kötz, dem Schauspieler und Regisseur Milan Peschel sowie der Schauspielerin, Autorin und Filmregisseurin Maryam Zaree.
Bilden Schauspielschulen Servicepersonal für Theater und Film aus – oder ermöglichen sie angehenden Künstlerinnen und Künstlern, ihren eigenen Weg zu finden? Nicht erst seit Fabian Hinrichs’ Rede über die Schauspielkunst, die der Schauspieler 2018 beim Theatertreffen hielt, wird darüber debattiert. Im Theaterpodcast sind sich die Gäste einig: Auf die Schule kommt es an. Julia Gräfner findet: "Das ist wie bei einem Date – es muss passen." Spielen die einen im Studium Soldaten, um Unterordnung zu lernen, können die anderen frei ihre Studienprojekte wählen und sich in realistisch-psychologischem Spiel ebenso wie in performativen Formaten ausprobieren.
Der Theaterpodcast zu Gast beim Podcastfestival in der Berliner Urania: "Künstler oder Servicekraft" - Zur Zukunft der Schauspielausbildung, mit: Elena Philipp (nachtkritik.de), Maryam Zaree, Milan Peschel, Franziska Kötz, Julia Gräfner und Susanne Burkhardt (DLF Kultur) © Irina Stuhlsatz
Doch nicht nur die Frage wie ausgebildet wird, ist wichtig. Genauso entscheidend für ein zeitgemäßes und der Zukunft zugewandtes Schauspielstudium ist die Frage, wer ausgebildet wird. Sind die Bewerber*innen diverser geworden? Und wie steht es um die Besetzungspolitik: Spielen Frauen, denen die Theaterstücke des klassischen Kanons eher stereotype Figuren zuweisen, auf den Bühnen größere Rollen? Julia Gräfner und Maryam Zaree stehen beispielhaft für neue Chancen im Theater- und Filmbetrieb. Gräfner wurde für ihre Darstellung des Caliban in Shakespeares "Sturm“ mit einem Nestroy Theaterpreis prämiert, Zaree engagiertsich für ein gendergerechtes, diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld und forderte etwa in ihrer Dankesrede für den Grimme-Preis mehr weibliche Filmautorinnen. Hier tut sich etwas –. allerdings bleibt auch noch viel zu tun, um Zugänge zu ermöglichen. Und wie steht es dann, wenn der Sprung in den Beruf geschafft ist? Muss man sich Schauspielen leisten können, ist das angesichts oft prekärer Gagen überhaupt ein Brotberuf?
Ein Podcast in Zusammenarbeit mit Deutschlandfunk Kultur

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