Theater und Politik

von Falk Richter

Hamburg 20. Juni 2019. Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Lehrende, liebe Studierende, was kann Theater? Was soll Theater bewirken? Und wie politisch kann und soll Theater sein?

Ist das Kunst oder echte Gewalt?

von Sarah Heppekausen

Düsseldorf / Mülheim, 17. Juni 2019. Darf man das? Die Frage steht immer wieder im Raum, auf der Bühne und in den Diskussionen, mal vorwurfsvoll, mal selbstkritisch, mal eingeschüchtert, mal wütend. Um diesen Diskurs kommt eine der wichtigsten Plattformen des Freien Theaters, das Impulse Theater Festival, nicht herum. Ein Festival, das unter der Leitung von Haiko Pfost erklärtermaßen nicht nur ein "Best of" der freien Arbeiten im deutschsprachigen Raum ist ("Showcase"), sondern sich auch mit den brennenden Fragen der Zeit an einem bestimmten Ort auseinandersetzt ("Stadtprojekt") und ein Forum für die kritische Reflexion des eigenen Schaffens anbietet ("Akademie").

Erfolgreiche Übergangsregierung

von Martin Thomas Pesl

Wien, 16. Juni 2019. Gut is gangen, nix is gschehn. Das sagen Kommentatoren gerne nach Österreichs Song-Contest-Auftritten oder wenn die Nationalmannschaft unentschieden spielt. Man möchte es freundlich auch Christophe Slagmuylder zurufen, der gerade seine erste Festivalausgabe als Intendant der Wiener Festwochen hinter sich gebracht hat. Respekt erntete der belgische Kulturmanager schon im Februar, als er das Programmbuch präsentierte. Obwohl er netto nur vier Monate Zeit gehabt hatte, es zusammenzustellen, war ihm ein vielfältiges, dichtes und zumindest einmal quantitativ reichhaltiges Programm gelungen. Intensiv die Festwochen zu besuchen, das nahm dieses Jahr wieder richtig Zeit in Anspruch.

Der Stoff, aus dem der Osten ist?

25. April 2019. Muss man eigentlich immer in die Großstadt, um was Tolles zu erleben? "Nö", denkt sich Ende der 1980er ein junger Mann in einem Kaff in Südbrandenburg – und macht aus der Dorfkneipe einen Szeneklub. Davon handelt Alexander Kühnes autobiographischer Roman "Düsterbusch City Lights", der kürzlich am Theater Magdeburg auf die Bühne kam. Für Folge 14 des Theaterpodcast sind Susanne Burkhardt und Elena Philipp zur Premiere gefahren.

Theater unter Druck

von Michael Bartsch

Juni 2019. Die sächsische AfD bereitet sich derzeit mit einem Coaching ihrer Spitzenvertreter auf eine Regierungsübernahme nach den Landtagswahlen vom 1. September vor. Siegesgewiss lädt sie die Presse bereits jetzt zur Diskussion ihres Hundert-Tage-Sofortprogramms ein. Beflügelt haben sie offenbar die Europawahlergebnisse, bei denen sie in Sachsen und Brandenburg stärkste Kraft wurde. Noch aber ist es nicht soweit. Welche Kultur- und Medienpolitik und welche Debattenkultur uns im Falle einer Machtergreifung oder auch nur Machtbeteiligung der AfD erwarten, ist aber bereits jetzt absehbar. Ein Kulturkampf wie in Polen oder Ungarn deutet sich nicht nur an, er hat bereits begonnen.

Zeige deine Angst

von Axel Sichrovsky

22. April 2019. Ein Ensemble ergreift das Wort. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch abseits. Es artikuliert seine Vorstellungen von guter Theaterleitung, von dem, wofür man in der Kunst einstehen möchte. Es formuliert sich intern und in öffentlichen Stellungnahmen. Dieser Vorgang war bis vor nicht allzu langer Zeit selten. Jetzt häufen sich die Fälle, so scheint mir. Zuletzt und mit großer Strahlkraft in Schwerin.

"Die Praxis ist die Message"

von Christian Rakow

Berlin, 12. Juni 2019. "Als der Wind ihnen die Brillen vom Gesicht fegte, wurde es vielerorten unscharf." Es gibt nicht viele Menschen, die solche Sätze schreiben können. So voller Witz und Schärfe und Rätsel. Jakob van Hoddis konnte es: "Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut." René Pollesch kann es auch. Egal ob in seinen inzwischen irgendwas bei einhundert Theaterstücken oder wie in diesem Falle auf Twitter, wo Pollesch, anders als viele andere Theaterschaffende, eigentlich nie seine Kunst fallen lässt zugunsten von Meinungsbildung, zugunsten von Selbstvermarktung. Pollesch ist Künstler durch und durch, einer, der Texte freistellt, der in seinen Ent-Äußerungen blitzartig aufscheint und verschwindet, einer der wenigen von Rang in der Welt des zeitgenössischen Theaters. Seit heute ist er nun auch offiziell designierter Intendant der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz von 2021 bis 2026.

Wachstum oder Zukunft

von Christian Tschirner

17. April 2019. Seit etwa einem Jahr bereite ich für das Hamburger Schauspielhaus das "Hamburger Menetekel" vor, ein partizipatives Projekt, bei dem Jugendliche die Zukunft der Stadt von den Wänden lesen, um sie dann auf einem Kongress mit Expert*innen zu diskutieren. Diese Zukunft, soviel kann man jetzt schon sagen, sieht nicht besonders rosig aus. In den vielen Gesprächen dazu – mit Lehrer*innen, Stiftungen, Künstler*innen – war immer wieder zu hören: Die Jugendlichen mit einer geballten Ladung alarmierender Nachrichten zu konfrontieren, sei doch gerade jetzt – gemeint ist das Erstarken rechtspopulistischer Parteien – das falsche Signal. Gerade jetzt müsse man doch das Vertrauen in Politik und Gesellschaft stärken, alles andere füttere ja die von rechts geschürte Hysterie. Ich bin anderer Meinung. Es gibt keinen Grund, das Vertrauen in Politik und Gesellschaft zu stärken. Wir stecken in einer zivilisatorischen Krise und gerade der hilflose Versuch, das zu leugnen, beschleunigt den Erfolg der Rechten. Warum?

Neues aus der Wirklichkeit

7. Juni 2019. Mehr Frauen ans Theater? Das letzte Jahr hat im Theaterbetrieb einen Bewusstseinswandel bewirkt: Beim Theatertreffen wird es für zwei Jahre eine Quote geben; mindestens die Hälfte der zehn als bemerkenswertest ausgewählten Theaterarbeiten muss dann von Regisseurinnen stammen. In Dortmund tritt die heute 34-jährige Julia Wissert 2020 als jüngste Intendantin ihre Intendanz am Schauspiel an. Um diese Entscheidungen und den aktuellen Stand in puncto Geschlechtergerechtigkeit geht es in der Juni-Ausgabe von "Der Theaterpodcast". Außerdem sprechen Susanne Burkhardt und Elena Philipp über Bürgerbühnen und partizipatives Theater.

"Mobbing gedeiht in Vetternwirtschaft"

Juliana da Costa José im Interview mit Sophie Diesselhorst

11. April 2019. An den Bühnen Halle schwelt seit Längerem ein Personalkonflikt. Im Zentrum die Spartenleiter Matthias Brenner (Schauspiel), Florian Lutz (Oper) und der Geschäftsführer Stefan Rosinski. In den letzten Wochen eskalierte der Streit: in Offenen Briefen und in Medienberichten über die PR-Managerin Juliana da Costa José, die nach drei Tagen Arbeit an den Bühnen Halle das Haus wieder verließ. Im Interview mit Sophie Diesselhorst spricht Juliana da Costa José über das Binnenklima und die Probleme am Haus.

Hallo Wien, gibt's hier WLAN?

von Martin Thomas Pesl

Wien, 7. Juni 2019. Einmal passierte der Versprecher tatsächlich, und Kay Voges sagte "Volksbühne". Nachdem der 47-jährige angekündigt hatte, seine Intendanz am Schauspiel Dortmund über das Jahr 2020 hinaus nicht zu verlängern, weil er nach einer größeren Stadt, einem größeren Haus strebe, hatten ihn die deutschen Feuilletons eher dort avisiert, in Berlin an der Volksbühne.

Für die Kunstfreiheit
Keine Kriminalisierung kritischer Kunst!

Berlin, 11. April 2019. Gegen das "Zentrum für politische Schönheit" ist wegen "Bildung einer kriminellen Vereinigung" ermittelt worden. Das ist ein bedrohlicher Angriff auf die Meinungs- und Kunstfreiheit. Wir protestieren!

Man kennt sich

von Andreas Klaeui

Zürich, 5. Juni 2019. "Die Idee ist, Menschen zusammenzubringen, die sehr unterschiedlicher Herkunft sind, vor allen Dingen auch unterschiedlich in ihrer künstlerischen Herkunft", sagt Nicolas Stemann. Und Benjamin von Blomberg fügt an: "Was wir ermöglichen wollen, ist, dass jeder hier unter den besten Bedingungen arbeiten und seine Kunst verfolgen kann – was wir gleichzeitig einfordern, ist, dass Menschen sich zu diesem Ort bekennen." Starke künstlerische Handschriften im Rahmen des Stadttheaters zusammendenken: Das ist das Bekenntnis.

Der lange Schatten des Spardiktats

von Georg Kasch

4. April 2019. Wenn sich gleich mehrere Ensembles und Gruppen eines Hauses gegen ihren Intendanten wehren, ist irgendetwas richtig schief gelaufen. So wie in Schwerin. Im Januar 2018 protestierten die Schauspieler des Mecklenburgischen Staatstheaters zum ersten Mal gegen Generalintendant Lars Tietje, weil er ihnen per Aushang verbot, beim Theaterball "eigenmächtige politische Äußerungen" zu machen. Im November 2018 wandten sie sich erneut an die Öffentlichkeit, ebenso Ballett und Orchester, jetzt wieder. Ihr Vorwurf: Tietje habe sich für den Maulkorberlass nie richtig entschuldigt, er habe führende Mitarbeiter entlassen, andere seien wegen des Drucks freiwillig gegangen; zugesagte Produktionen – und zwar ausgerechnet die politisch brisanten – und Stellen seien gestrichen, das Repertoire ausgedünnt worden.

Streit am Main

von Esther Slevogt

Frankfurt/Main, 30. Mai 2019. "Was ist los am Frank­fur­ter Schau­spiel?" Mit diesen Worten begann ein am 8. Mai 2019 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschiener Artikel von Simon Strauß, der antrat, "Krach hinter den Kulissen" des seit zwei Spielzeiten von Anselm Weber geleiteten Theaters nachzugehen. Der Artikel wurde zum Auslöser einer mit großer Schärfe öffentlich geführten Debatte um Leitungsstruktur am Haus einerseits und um Machtverteilung in der konkreten Inszenierungsarbeit andererseits. Eine Debatte voller Widersprüche und Ungereimtheiten auch, denen hier einmal nachgegangen werden soll.

Konfetti und Konflikte

27. März 2019. Konfetti, Nebel, Schaumstoffquader: Minimale Mittel nutzt die Bühnenbildnerin Katrin Brack, um frei bespielbare Theaterräume zu erschaffen. Mit der vielfach ausgezeichneten Künstlerin sprechen Susanne Burkhardt und Elena Philipp über die Kunst des Bühnenbilds. Außerdem fragt das Theaterpodcast-Duo in Folge #13 mit Blick auf den Konflikt an den Bühnen Halle, wie viel Experimente das Stadttheater verträgt.

Muss der Kanon auf den Müll?

von Sophie Diesselhorst, Ute Frings-Merck, Lilly Merck und Elena Philipp

20. Mai 2019. Das Thema Geschlechterungerechtigkeit am Theater ist eines der meistdiskutierten der vergangenen Saison. Auch das Berliner Theatertreffen stand an seinem abschließenden Wochenende im Zeichen der dreitägigen Konferenz "Burning Issues", die von Nicola Bramkamp (ehemals Schauspieldirektorin in Bonn) und Lisa Jopt (Ensemble-Netzwerk) initiiert wurde und noch einmal die Situation von Frauen im Theaterbetrieb in den Fokus hob.

"Fusionen sollte man im Winter beschließen"

Volker Arnold im Interview mit Georg Kasch und Christian Rakow

20. März 2019. Theaterfusionen sind der spitze Faustkeil der Kulturpolitik. Wann immer Politiker radikal zum Sparen am deutschen Stadttheatersystem ansetzen, bringen sie die Zusammenlegung von Theatern aufs Tapet. Zuletzt in Mecklenburg-Vorpommern, wo man probierte, das bereits fusionierte Theater Vorpommern (Greifswald, Stralsund, Putbus) mit dem ebenfalls schon zusammengezwungenen Verbund Neubrandenburg-Neustrelitz zum Staatstheater Nordost zusammenzuspannen. Die Pläne liegen inzwischen auf Eis.

Frauen im Theater

17. Mai 2019. Lange Zeit war das Ungleichgewicht von Männern und Frauen im Theaterbetrieb kein Thema, das in der breiten Kulturöffentlichkeit diskutiert wurde – trotz krasser Unterrepräsentanz von Frauen in Leitungs- und Regiepositionen, trotz unterschiedlicher Bezahlung von Männern und Frauen in Theaterberufen.

Ministrant oder Agnostiker?

von Martin Krumbholz und Sascha Westphal

21. März 2019. Kritik heißt Beschreiben, Interpretieren, Werten, Einordnen, Empfehlen, mitunter auch Ausmisten. Und Kritik heißt Innehalten können, die eigenen Maßstäbe befragen. Diesem Innehalten dient die kleine nachtkritik.de-Reihe "Positionen der Kritik", in der in loser Folge Texte zur Praxis der gegenwärtigen Theaterkritik erscheinen. Martin Krumbholz und Sascha Westphal sind als Kritiker für diverse Medien tätig und sie sind feste Größen im Autorenstamm von nachtkritik.de in Nordrhein-Westfalen. Im Anschluss an die jüngste Bochumer Herbert Fritsch-Inszenierung ("Philosophie im Bourdoir") trafen sie sich zum Streitgespräch.

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