Versteinerte Strukturen?

14. November 2019. Aufrüttelnd sind die Ergebnisse von Thomas Schmidts Studie "Macht und Struktur im Theater": Mehr als die Hälfte der Künstler*innen an deutschsprachigen Theatern hat in ihrem Berufsleben schon verbale Übergriffe oder psychische Bedrohungen erlebt. Überstunden und geringe Bezahlung bei unsicherer Beschäftigung sind vielerorts ihr Alltag. Konflikte zwischen Theaterleitern und ihrer Belegschaft, Diskriminierung und übergriffige Arbeitsweisen sind also nicht nur Einzelfälle, sondern Systemfehler? Dieser Frage widmen sich Susanne Burkhardt und Elena Philipp mit ihren Gesprächspartner*innen in Folge 19 des Theaterpodcast.

Ressourcen der Macht oder Last Dirty Secrets

von Thomas Heskia

14. November 2019. Dem vor wenigen Jahren verstorbenen Doyen der Organisationsforschung Warren Bennis wird die Aussage zugeschrieben, Fragen der Macht seien "the organization's last dirty secret". Sie sind omnipräsent und beeinflussen das Handeln bis ins kleinste Detail. Offen über Macht zu sprechen, scheint jedoch nicht nur im Theaterkontext mit einem Tabu belegt zu sein. Aus gutem Grund, denn dies wäre ja schon der erste Schritt, sie in Frage zu stellen. Auch in der Forschung hatte das anrüchige Thema lange Zeit kaum Präsenz: Beiträge zu Management und Führung gibt es zuhauf, Macht als unumgängliche Voraussetzung kommt darin nur am Rande vor. Die jüngste Aktualität ist einerseits der Einsicht zu verdanken, dass die Entwicklung von Organisationen ohne ein Verständnis offener wie auch verdeckter Machtstrukturen unmöglich ist. Zum anderen haben mutige Frauen das Schweigen gebrochen und in der #MeToo-Bewegung Fälle von sexuellem Missbrauch öffentlich gemacht. Ohne diesen Aspekt des Machtmissbrauchs in patriarchalen Systemen kleinreden zu wollen: Es geht um weit mehr als das. So wie es auch Thomas Schmidt in seiner Studie zum Machtmissbrauch an Theatern beschreibt.

Vorwärts zur Natur? Ein Plädoyer für eine Welt ohne uns, mit uns!

von Kevin Rittberger

6. November 2019. "Pflanzen als Protagonisten im Theater? Wie soll das funktionieren? Damit eine Pflanze im Zentrum eines Bühnengeschehens stehen könnte, schienen uns drei Eigenschaften notwendig:

  1. Die Fähigkeit, zu handeln, d.h. komplexer als in simplen Reiz-Reaktionsmustern agieren zu können.
  2. Individualität.
  3. Die Möglichkeit, ein Publikum emotional zu affizieren." 

Einige grundlegende Dinge scheinen mir bemerkenswert auf der Suche nach einem Theater der Pflanzen, für das der hier zitierte Essay von Tobias Rausch auf nachtkritik.de einige Umrisse skizziert hat, und das den Menschen noch zu brauchen scheint, obwohl es ihn bereits ins Jenseits befördert. Wenn wir die Welt ohne uns als "Schauspiele jenseits des Menschen" betrachten, betrachten wir sie immer noch. Der alte "Gottes-Trick" (Donna Haraway) schleicht sich nicht ein, er macht sich breit wie eh und je. Zwar geht ihm diesmal eine Verneigung vor der Intelligenz ("Hach, die Wurzeln, so klug wie das Internet!") und der Individualität ("Der arme Basilikum mag keine Klassik!") der Pflanzen voraus, am Ende sollen jedoch wieder Publikum und Artisten durch ein Schauspiel befriedigt werden. Die Leute sollen gerührt sein und staunen, wie geil der Planet ohne sie aussieht.

Unendliche Weiten

von David Gieselmann

30. Oktober 2019. Natürlich wäre es toll, wenn Buch-Adaptionen besser wären, und wenn mehr davon von Autor*innen verantwortetet würden – nicht von Dramaturg*innen oder Regis-seur*innen. Und am erfreulichsten wäre es natürlich, wenn sie besser wären, WEIL sie von Autor*innen stammen. Das würde dann nämlich beweisen, dass Menschen, die Theater schreiben, das besser können – in diesen Punkten gebe ich Michael Wolf durchaus Recht, der in seiner Kolumne mehr Autor*innen-Adaptionen forderte. Aber dennoch glaube ich, ein wesentliches Problem des durchschnittlichen Stadt-Theater-Spielplans wäre dadurch nicht gelöst – wenn es sich nicht sogar verschärfen würde: dass das Gespür dafür, was das Theater am besten erzählen kann, erodiert.

Klima trifft Theater

31. Oktober 2019. Am Mittwoch fand die Konferenz Klima trifft Theater – Zur theatralen Erzählbarkeit der Klimakrise in der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin statt. nachtkritik.de übertrug die Veranstaltung als Medienpartner. Hier dokumentieren wir die  Vorträge und das Panel.

Weniger Gift!

von Nikolaus Merck

21. Oktober 2019. Der Schriftsteller Thomas Melle beklagt in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung anlässlich der Debatte um die Nobelpreis-Verleihung an Peter Handke, dass diejenigen, "die sich gegen den Hass, zumal den rechten, positionieren und für die Betroffenen und Diskriminierten einstehen, bisweilen dem Reiz des virtuellen Schauprozesses nachgeben und so selbst eine Unterform der symbolischen Gewalt ausüben". In diese Kritik schließt er nachtkritik.de, auch wenn er den Namen nicht nennt, ausdrücklich mit ein. Dabei bezieht sich Melle auf das "offiziell als Kommentar zum Nobelpreis gepostete" Video von Mateja Meded, das er als "alberner Quatsch" apostrophiert.

"Wie auf der Titanic"

22. Oktober 2019. Das Thema "Klimakrise", in den Wissenschaften seit Jahrzehnten Forschungsgegenstand, wurde im Theater wie in der Politik lange Zeit vergleichsweise randständig behandelt. Angestoßen durch die #FridaysforFuture-Bewegung kommt dem Gegenstand nunmehr vertärkt Aufmerksamkeit zu. Zu den dramaturgischen Fragestellungen an die Erzählbarkeit der Klimakrise richtet die Heinrich Böll Stiftung in Kooperation mit nachtkritik.de und weiteren Partnern am 30. Oktober 2019 die Veranstaltung "Klima trifft Theater – Zur theatralen Erzählbarkeit der Klimakrise" aus. Beteiligt sind das Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) Potsdam, der Theaterdiscounter und die Dramaturgische Gesellschaft.

Schauspiele jenseits des Menschen

von Tobias Rausch

16. Oktober 2019. Die Klimakrise bedroht unmittelbar unser aller Zukunft. Wenn das Theater den Anspruch hat, die zentralen Menschheitsfragen zu spiegeln, dann sollte man meinen, dass die Klimakrise geradezu auf die Bühne drängen müsste. Doch ist das Theater überhaupt das geeignete Medium dafür? Ist der Klimawandel nicht ein viel zu abstrakter, nur über statistische Häufungen und naturwissenschaftliche Vermittlungen zu beschreibender Gegenstand, um ihn szenisch anschaulich zu erzählen? Wie kann man Naturphänomene wie zum Beispiel das Artensterben oder Fluten, Dürren und Stürme zum bühnentauglichen Stoff machen?

Die One-Man-Show funktioniert nicht mehr

Thomas Schmidt im Interview mit Simone Kaempf

11. Oktober 2019. Vor zwei Jahren fragte die Kulturratsstudie "Frauen in Kultur und Medien" erstmals nach Repräsentanz von Frauen und Männern im Kulturbetrieb und stellte eine massive Schieflage fest. Um Ursachen ging es noch nicht. Diese Lücke füllt nun Thomas Schmidt, ehemals Geschäftsführer am Deutschen Nationaltheater Weimar und heute Professor für Theater- und Orchestermanagement in Frankfurt am Main.

Leuchtendes Allzweckmittel

2. Oktober 2019. Längst ist der Einsatz von Video auf Theaterbühnen selbstverständlich. Aber es braucht nicht unbedingt eine Kamera, um einen Abend filmisch zu prägen. Ein Podcast über Film auf und hinter der Bühne.

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