medienschau
Unsere auswahl ist subjektiv
Presseschau vom 4. Februar 2011 – Klaus Völker über die Mode, Romane auf die Bühne zu bringen
Nur kein Drama!
4. Februar 2011. "Die Rolle des Dramatikers im Theater der Gegenwart ist nur noch marginal", schreibt Klaus Völker im Freitag (3.2. 2011). "Die gestaltende, das Gesicht des Theaters bestimmende Kraft ist inzwischen maßgeblich nur noch der Regisseur, nach dessen Vorlieben und künstlerischen Auffassungen sich Spielplan, Engagements, die dramaturgischen und räumlichen Gegebenheiten einer Inszenierung zu richten haben", so Völker, der bis 2005 Rektor der Schauspielschule "Ernst Busch" in Berlin war. "Als das Theater noch ein führendes Medium und auf Autoren angewiesen war, musste der Regisseur ein Ensemblekünstler sein."
Presseschau vom 3. Februar 2011 - Die Welt feiert Dresdens Intendanten Wilfried Schulz
Dresdner Allerlei
3. Februar 2011. Reinhard Wengierek staunt: "194 000 Besucher im Staatstheater Dresden 2010! Seit zwei Jahrzehnten kamen nicht so viele." Deshalb preist er in der Welt Dresdens Intendanten Wilfried Schulz, seit Herbst 2009 im Amt und vorher Hausherr in Hannover. Wengierek staunt auch, weil er weiß: "Neuer Chef krempelt alles um – das Publikum ist genervt, die Besucherstatistik im Keller. In Dresden muss es auf Anhieb klappen mit den Leuten. Denn hier weiß jedermann zumindest vom Hörensagen, wie Theater zu sein hat. Hier herrschen vorurteilsvolles Selbstbewusstsein, unerschütterliche Selbstbezüglichkeit und eherne Traditionspflege."
Presseschau vom 1. Februar 2011 - Der Dramatiker Lutz Hübner wird unterschätzt
Vorreiter
1. Februar 2011. Seit einiger Zeit ist eine Neubewertung des Erfolgs-Dramatikers Lutz Hübner im Gange. Die Zeiten, in denen der meist gespielte deutsche Gegenwartsdramatiker als Jugendstückeschreiber, Gebrauchsdramatiker für Schnellschüsse, "massenkompatibel", "klischeehaft" und "holzschnittartig" galt, scheinen allmählich vorbei zu sein. In der Frankfurter Rundschau vom 28.1.2011 hat nun auch Peter Michalzik, seit Jahren als Scout für die Mülheimer Stücke unterwegs und schon deshalb mit der neuen deutschsprachigen Dramatik vertraut, eine Lanze für Lutz Hübner gebrochen.
Michalzik, der Hübner in Dresden vor dessen jüngster Premiere "Die Firma dankt" traf, teilt mit, der Autor wohne in Berlin-Kreuzberg, was sozusagen wie Brief und Siegel darauf wirkt, dass der Mann etwas von den aktuellen Konflikten in der Gesellschaft versteht.
Ziemlich präzise
Seit über einem Jahr laufe in Dresden Hübners Schulkomödie "Frau Müller muss weg", da geht es um den Stress, den Eltern ihren Kindern und der Schule machen, damit der Nachwuchs es aufs Gymnasium schafft. Es treffe "einfach ziemlich präzise", was Hübner dazu geschrieben habe, "es ist entlarvend, es ist lustig". Auch in "Die Firma dankt" suche sich Hübner einen "der Brennpunkte unserer Gesellschaft" mit dem üblichen Personal: der ökonomische loser Krusenstern, die "junge, sehr hübsche und sehr distanzlose Assistentin", der "stromlinienförmige Personalchef", die Personaltrainerin über vierzig, "das Damenopfer".
"Identifikationspotential" habe die Aufführung in Dresden reichlich, einhellig die Begeisterung bei der usverkauften Generalprobe. "Die neue Ökonomie ist ein unseriöses Lustschloss, das weiß jeder, hier bekommen wir"s gezeigt. Mit unseren guten alten Arbeitswerten hat das nichts mehr zu tun."
Trotzdem, schreibt Michalzik weiter, sei Hübners Drama "deutlich subtiler und präziser, als die Schwarz-Weiß-Malerei, in der auch dieses Stück wahrgenommen werden wird". Denn der böse, junge Konkurrent Sandor sei "nur eine Phantasie" des abgehalfterten Helden Krusenstern. Das eigentliche Thema sei Krusensterns Angst. "Angst davor, dass er die Arbeitswelt nicht mehr versteht, ihre Gesetze, ihre Regeln, alles was zählt."
Zu böse für's Fernsehen
Außerdem seien die Sympathien keineswegs so klar verteilt. Hübner vergebe keine "Zensuren" und liefere auch "keine Klischees". Er spitze "sehr geschickt" zu, wo "tatsächlich der Konflikt, die Angst und der Hass lauern", er sei "böse genug", um dabei "treffgenau zu sein", und "professionell" genug, um das in eine amüsante Geschichte zu verpacken. Hübner überzeichne, er steigere den Konflikt "ins Groteske, bis dahin wo der Irrsinn der Wirklichkeit sichtbar wird". Die ausbleibende Resonanz der deutschen Fernsehindustrie zeige, dass Hübner trotz der "realistischen Figuren- und Milieuzeichnung" eben doch ein Theaterautor sei und keiner fürs TV, dafür sei er einfach zu böse. Seine "Eskalationsdramaturgie" sei eben doch "sehr Theater und wenig Film".
Im öffentlich subventionierten deutschen Theater kann man eben doch noch deutlich freier denken, als im pflichtbezahlten deutschen Staatsfernsehen. Hübner sei der bisher zu wenig geschätzte Vorreiter einer neuen, konkreten, gesellschaftsbezogenen Dramatik. Seine größte Stärke sind sehr treffsichere Sätze mit entlarvenden Zwischentönen.
(jnm)
Presseschau vom 28. Januar 2011 – Karin Beier äußert sich zum Angebot, die Intendanz des Hamburger Schauspielhaus zu übernehmen
1,2 Millionen Kürzung unterschreibt man nicht
28. Januar 2011. "Da sagt man nicht so einfach Nein", zitiert das Hamburger Abendblatt Karin Beier, die sich nun erstmals zu der Offerte äußert, neue Intendantin des Hamburger Schauspielhauses zu werden. "Sie habe bereits gute, intensive Gespräche mit der Hamburger Kulturbehörde geführt", heißt es in der Zeitung, der Beier gegenüber sagte: "Ich will ganz sicher sein, dass es einen politischen Konsens über alle Parteiengrenzen hinweg gibt. Wenn die SPD ihre Berufung nicht wollen würde, wäre das fatal."
Presseschau vom 23. Januar 2011 – Interview mit Thalia-Intendant Joachim Lux in der Welt am Sonntag
Auf die Dauer ein Glaubwürdigkeitsproblem
23. Januar 2011. Die Spardebatte des vergangenen Herbstes habe dem Ruf Hamburgs immensen Schaden zugefügt, sagt Joachim Lux, Intendant des Hamburger Thalia Theaters heute in einem Interview mit der Zeitung Welt am Sonntag.
Presseschau vom 5. Januar 2011 – Das Festival IsraDrama und deutsch-israelische Theaterprojekte
Kindisches Workshop-Theater
5. Januar 2011. Im Deutschlandfunk nörgelt Christian Gampert nach dem Besuch des Festivals IsraDrama über deutsch-israelische Theaterkooperationen: "Wenn die nächste Intifada dräut, oder der nächste Krieg, wird wieder kein Mensch nach Israel fahren, jedenfalls kein Deutscher, und die Strände und Hotels bleiben leer. Jetzt, in den halbwegs guten Zeiten, schimpfen Kulturschaffende gern auf den Gazakrieg, nutzen aber dessen Ergebnis, die relative Ruhe, gern zu ausgiebigem Kulturaustausch."
Presseschau vom 5. Januar 2011 – Neue Ideen aus der Intendanten- und Dramaturgenküche
Bizarres künstlerisches Selbstverständnis
5. Januar 2011. Die Finanz- und Existenzkrise der Theater liegt nicht nur in den Sparzwängen der Kommunen begründet, sondern ist auch hausgemacht, konstatiert Martin Eich in der Welt, nachdem er einer Tagung von Intendanten und Dramaturgen in der Evangelischen Akademie Hofgeismar beiwohnte (oder zumindest in der Zeitung so tat, als habe er die Tagung besucht. Inzwischen - 17. Januar 2011 - scheint es so, als habe Eich zwar über die Tagung berichtet, als sei er dort anwesend gewesen, nach unseren neuesten Informationen aber scheint er keinen Moment an dieser Tagung teilgenommen zu haben): "Mancherorts wurde gewirtschaftet, als gälte es, amerikanischen Investmentbankern oder griechischen Politikern nachzueifern", was peinlich sei "für eine Szene, deren Für- und Lautsprecher sich sonst gebetsmühlenartig über Rettungsschirme für Banken echauffieren."
Presseschau vom 18. Dezember 2010 – Sophie Rois übers Schauspielen und die Berliner Volksbühne
Alles findet auf der Bühne statt
18. Dezember 2010. In der Berliner Zeitung spricht Sophie Rois, interviewt von Petra Ahne und Ulrich Seidler, anlässlich ihrer Rolle in Tom Tykwers Drei nicht nur über Beziehungsdinge, sondern auch über ihr Dasein als Schauspielerin. Und es gibt auch einige Sätze zum besseren Verständnis der Arbeit an der Berliner Volksbühne.
"Der Wille zum Entertainment, das Volkstheaterhafte, nach vorn spielen, nicht so tun, als wäre der Zuschauer nicht da. Was mich umgehauen hat an der Volksbühne: Das da oben auf der Bühne fand wirklich statt, die waren wirklich da. Das hatte die Konkretheit eines Dr.-Feel-Good-Konzertes (...) Nirgends sonst könnte ich so arbeiten, der ganze Angang, die Denke, ein Grundverständnis von Theater, das ich absolut teile."
Presseschau vom 14. Dezember 2010 – Die Welt besucht Karin Beier in Köln
Die blanke Gier nach Leben
"Wenn ich ehrlich bin: ich übe nicht meinen Traumberuf aus. Der war Ärzte ohne Grenzen", sagt Karin Beier laut einem Text von Martin Eich (Die Welt, 14.12.2010). Momentan laufe sie hochtourig: "Ich habe die Kerze an beiden Ende angezündet." Und das halbiere nicht deren Lebensdauer: "Das gibt ein schöneres Licht". Es sind bildgewaltige, blitzende Sätze wie diese, die viel über Karin Beier und ihr Theaterverständnis verraten.
"Tiefgefroren", sei die Politik ihr gegenüber, dass sie "die Pläne nicht nur des Oberbürgermeisters durchkreuzte, das denkmalgeschützte Schauspielhaus durch einen Neubau zu ersetzen und sich diesem Strom aus Geschmacks- und Geschichtslosigkeit entgegen stemmte, verübelt man ihr heute noch", schreibt Eich. Sie sagt: "Ich würde auf jeden Fall noch einmal so handeln. Selbst wenn sie mich hinausgeworfen hätten." (hier eine Chronik der Debatte um Neubau oder Sanierung des Kölner Opern-Theater-Komplexes am Offenbachplatz)
Sie treibe "die blanke Gier nach Leben, nach Intensität" an, sagt Beier. Und: "Es wird mir zu viel über das Theater geredet. Man sollte es einfach machen." Auch den Tagungen der Intendantengruppe des Bühnenvereins bleibe sie fern: "Ich war da noch nie. Und ich will da auch nicht hin." Der Umgang innerhalb der Theaterszene sei "schmallippig und eng", dem wolle sie sich nicht aussetzen. "Ich empfinde es als hochgradig unangenehm, wenn bei Preisverleihungen die ganze Mischpoke zusammenkommt. Das ist ein missgünstiger, Lust tötender Brei. Man muss aufpassen, vom Betrieb nicht kontaminiert zu werden."
Sie stelle deshalb auch ernsthafte Überlegungen an, "in absehbarer Zeit" den Beruf zu wechseln. "Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich mir damit nicht etwas in die Tasche lüge. Aber man ist doch immer auf der Suche." Deshalb überlege sie, ein Medizinstudium zu beginnen.
Ende November schon hat die Frankfurter Rundschau Karin Beier besucht und doppelseitig über das Schauspiel Köln berichtet. Hier die Presseschau vom 26. November 2010.
(dip)
Presseschau vom 13. Dezember 2010 - Daniel Kehlmann äußert sich wieder zum Theater in Deutschland
Blankes Entsetzen
Köln, 13. Dezember 2010. Daniel Kehlmann meldet sich mal wieder zu Wort. Auch zum Thema Theater in Deutschland. In einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger geht er unter anderem auf seine Eröffnungsrede der Salzburger Festspiele 2009 ein: "Die Hysterie der Reaktionen hat mich überrascht und belustigt. In jedem anderen Bereich ist Kritik eher möglich als in diesem semitotalitären Theater-Milieu. Es herrschte ja blankes Entsetzen unter Intendanten und vielen Theaterkritikern, während die Öffentlichkeit keineswegs entsetzt war." Zur Unterstützung zitiert er Milan Kundera und zieht einen gewagten Vergleich: "Es gibt in Deutschland wirklich noch zwei totalitäre Submilieus, in denen sich DDR-Strukturen halten. Das eine ist die Deutsche Bahn und das andere das Theater."
Presseschau vom 26. November 2010 - Die Frankfurter Rundschau besucht Karin Beier in Köln
Der Gegenort und sein Kopf
In einem von zwei Texten einer Feuilleton-Doppelseite feiert Peter Michalzik in der Frankfurter Rundschau (26.11.2010) das Kölner Theater und seine Intendantin Karin Beier.
Presseschau vom 17. November 2010 – Stefan Keims Überblick über die finanzielle Lage der Theater auf Welt-online
Flächenbrand in zersplitternder Gesellschaft
17. November 2010. Auf Welt-online schreibt heute Stefan Keim überblickshaft über den "Flächenbrand", der zurzeit die deutsche Theaterlandschaft zerstört. Wo viele Städte mit "radikalen Sparlisten" der drohenden Überschuldung entgegenzuwirken trachten, treffe es die "freiwillige Leistung" Kultur besonders hart. Dabei verstehe sich fast jedes Theater inzwischen "als demokratisches Forum, in dem sich Bürgergruppen begegnen, die sonst keinen Kontakt zu einander finden". Das gebe einer "zersplitternden Gesellschaft" immerhin "die Möglichkeit einer Zusammenkunft".
Presseschau vom 11. November 2010 – Wochenzeitung Die Zeit über das Finanzdilemma der deutschen Theater und Opern
Gespart wird, wo man es sieht
11. November 2010. "Der Kulturkampf" ist das Dossier von Konstantin Richter in der Zeit (11.11.2010) übertitelt. Untertitel: "Müssen Städte wie Flensburg ein Opernhaus haben? Die Schlacht um die Subventionen hat begonnen." Richter erzählt von Peter Grisebach, dem neuen Intendanten am Landestheater Schleswig-Holstein und der dortigen "Nabucco"-Inszenierung: "Der Generalintendant sagt, der Gefangenenchor sei in Flensburg 'fast ein Fanal' geworden. Er sieht durchaus eine Parallele zwischen den unterdrückten Juden in Nabucco und dem Landestheater Schleswig-Holstein, das ja ebenfalls bedroht ist. In beiden Fällen, sagt er, gehe es um Freiheit und kulturelle Identifikation."
Presseschau vom 10. November 2010 – Noch einmal: der Fall Leipzig
Gesunde Entwicklung in der vermeintlichen Metastase
10. November 2010. Nach dem Leipzig-Schwerpunkt auf nachtkritik.de, wo Tobias Prüwer und Stefan Kanis sich der Art und Weise widmeten, auf die am Centraltheater und in der Skala unter Sebastian Hartmann Theater gemacht wird, greift nun auch Till Briegleb in der Süddeutschen Zeitung das Phänomen Hartmann auf. Und begibt sich, den medialen, "teilweise mit Hass gewürzten Abgesang in den Ohren", auf Spurensuche: "In dem pseudoklassizistischen Bau mit seinem unscheinbaren Seiteneingang geht es zu wie in einem ganz normalen Stadttheater im Zeitalter dramaturgischer Gesamtkonzepte. Die Programmhefte sind, obwohl sie nicht aussehen wie anständig aufgemachte Lehrmittel, dem Dienst am Zuschauer gewidmet – und das Publikum zeigt sich in einer gesunden Altersmischung von Kostüm mit Brosche bis zu Sweater mit Piercing."
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