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Berlins Kultursenator Joe Chialo tritt zurück
Joe Chialo tritt von seinem Amt zurück © Chris Heidrich
2. Mai 2025. Berlins Kultursenator Joe Chialo (CDU) hat den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) heute um Entlassung aus dem Amt gebeten. Als Grund verweist Chialo in einer Mitteilung auf den harten Sparkurs in der deutschen Hauptstadt. Wegner wird dem Wunsch nach Entlassung entsprechen, hat er bereits via Twitter/X verkündet.
"Im vergangenen Jahr habe ich die geforderten Einschnitte im Kulturhaushalt schweren Herzens mitgetragen – im Bewusstsein der gemeinsamen Verantwortung für die Stadt", so Chialo. "Die nun geplanten weiteren Kürzungen greifen jedoch zu tief in bestehende Planungen und Zielsetzungen ein, verändern zentrale fachliche Voraussetzungen und führen so zur drohenden Schließung von bundesweit bekannten Kultureinrichtungen."
Eine konstruktive Diskussion darüber sei zuletzt erschwert worden, da sich öffentliche Kritik zunehmend auf die eigene Person konzentriert habe. "In dieser Situation sehe ich es als meine Verantwortung, Raum für neue Perspektiven zu schaffen."
Er sei mit dem Anspruch in die Politik gegangen, aktiv zur guten Entwicklung der Stadt beizutragen. "Wenn sich zentrale politische und fachliche Ziele dauerhaft nicht mehr im gegebenen Rahmen umsetzen lassen, ist es aus meiner Sicht konsequent, einen Schritt zur Seite zu machen und das Amt in neue Hände zu legen", teilte Chialo weiter mit.
Der frühere Musikmanager war seit April 2023 Senator für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Zuletzt wurde er als möglicher Nachfolger von Claudia Roth (Grüne) im Amt des Staatsministers für Kultur und Medien gehandelt. Der Posten ging dann aber an den Verleger Wolfram Weimer.
Chialo stand in seiner kurzen Amtszeit immer wieder in der Kritik. Ihm wurde vielfach vorgeworfen, sich in der Spardebatte zu wenig für die Kultur einzusetzen oder politisch zu unerfahren zu sein, um sich gegen die Vorgaben aus dem Roten Rathaus zu wehren. Auch sein Versuch, eine sogenannte Antisemitismus-Klausel bei Fördervergaben zu etablieren, stieß in Teilen der Szene auf harsche Gegenwehr. Zuletzt sorgten Überlegungen des Senats, die Rechtsform großer Theater zu ändern, für Unmut und Sorge unter Theaterleuten.
Hinweis: Wir haben am Anfang der Meldung korrigiert, dass Joe Chialo nicht zurückgetreten ist, sondern um Entlassung gebeten hat. Mit gleicher Wirkung ist das doch ein Unterschied, der relevant ist.
(Berliner Zeitung / Spiegel / miwo)
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Doch die Aussichten für die Berliner Kulturpolitik sind dadurch düsterer denn je. Wenn etwa Matthias Lilienthal sich sicher sein konnte, dass die Volksbühne weiter unterstützt wird, weil an die Entscheidung für ihn das politische Überleben des Senators gebunden war, so muss nun befürchtet werden, dass unter einem neuen Senator alles, aber auch wirklich alles zur Disposition steht. (...)
"Habe 30 Jahre im Kultursenat gearbeit (Musikförderung), da habe ich viele Senatoren kommen und gehen sehen... Die parteipolitische Versorgungspolitik mit Ämtern tut das Übrige. Ich kann mich an viele gute Senatoren erinnern vor allem aber an echte Kämpfer im Hintergrund wie Bernd Mehlitz und Barbara Esser. Die hätten nie ein Projekt aufgegeben und Geld auch dort gesucht wo keines zu finden war. Zu diesem Senator kann ich mir keine Meinung bilden aber jeder Kultursenator ist nur so gut und erfolgreich wie das Haus hinter ihm. Wenn da nur noch Warmduscher, Bleistiftspitzer und kulturell kaum gebildete Universalbeamte und Erbsenzähler sitzen dann wird das eh nichts. Die Arbeit muss täglich mit Herz, Sinn und viel Taktik erledigt werden. Da gilt es enorm viele Sachlagen zu berücksichtigen und Danke sagt auch keiner. Gute Leute muss Mann/Frau haben... Ein Job im Kultursenat ist eher eine Berufung als ein x-beliebiger Beamtenplatz in einem Bürgeramt. Das können auch Bleistiftspitzer machen.."
Nun spart man die Theater weg. Aber wen interessierts noch? Ach, ja: nachtkritik! Ob das reicht?
Sie glauben nur Selbstausbeutung bedeutet Erfüllung ?
Ja, sie haben recht, dann kann das Theater weg.
Dass "Claudia Roths Ausgrenzungspolitik in der Kultur" großen Schaden angerichtet hat, wird einem ja erst so richtig deutlich, wenn man das mit der Zeit vergleicht, als wirklich, also ganz wirklich niemand, wirklich niemand, ausgegrenzt wurde (da kannte man das Wort auch gar nicht, das gab es wohl gar nicht) und ganz zufällig - man weiß nicht, warum - ausschließlich weiße Männer die Theater bestimmten (Intendanz, Regie).