War and Peace – Gob Squad langweilen sich in den Münchener Kammerspielen frei nach Tolstoi
Krieg den Katzen
Von Cornelia Fiedler
München, 23. März 2016. Könnte lustig sein, so ein Clash zwischen Tolstoi, dem Weltliteraten fürs Weltgeschehen, und den rotzig-klugen Performance-Meister*innen der Mikroebene, Gob Squad. Also wird in den Kammerspielen bei "War and Peace" anfangs gut gelaunt mitgespielt: Leute aus dem Publikum lassen sich an die festlich gedeckte Tafel mit Livecam ganz vorne im Zuschauerraum geleiten und plaudern dort höflich mit: übers Kochen, übers Lesen und über die fatale Gleichzeitigkeit von brutalstem Weltgeschehen einerseits und dem eigenen privilegierten Dasein andererseits. Auch die restlichen Zuschauer*innen folgen den Anweisungen der Performer*innen, messen den eigenen Puls, zählen dabei laut mit – aha, wir leben noch – und warten darauf, Neues vom Sterben im Krieg zu erfahren. Und warten und warten und warten.
50 Grades of Shame - She She Pop begraben in den Münchner Kammerspielen die Scham mit einem Körperbilderreigen
Gib mir deinen Unterleib!
von Tim Slagman
München, 3. März 2016. Vielleicht werden sich die Menschen eines Tages fragen, so heißt es am Ende aus dem Munde einer 16-Jährigen, warum wir Heutigen versucht haben, die Sexualität dem Dunkel zu entreißen und keine Worte für sie finden konnten. Tatsächlich ist die erste Inszenierung der Performance-Truppe She She Pop an den Münchner Kammerspielen, wie ihr Untertitel sagt, vor allem ein "Bilderbogen nach Wedekinds 'Frühlings Erwachen'" geworden, angereichert mit Motiven aus E.L. James' Sadomaso-Roman "50 Shades of Grey" und mit – im Vergleich zu früheren Arbeiten wie Testament oder Frühlingsopfer allerdings deutlich reduzierten – biographischen Bruchstücken zur Aneignung und Umwandlung dieser literarischen Texte.
Europoly - An den Münchner Kammerspielen beginnt das Mini-Festival zur EU-Krise mit toll-toughen Putzfrauen aus Athen und einer bitteren Lektion in Sachen Wahrheit von machina eX
Quo vadis, Europa?
von Sabine Leucht
München, 17. Februar 2016. To leak or not to leak, das ist hier die Frage: Hält man es mit der Wahrheit, wenn diese sehr wahrscheinlich das eigene Land scharf nach rechts reißen wird – oder schließt man opportunistisch vor ihr die Augen? Bringt man sich selbst als Bauernopfer dar oder mutiert man lieber wider Willen zum Pferd, das vor dem grottenfalschen Karren läuft? Streng genommen kennt man die Alternativen nicht, die der PR-Agentin Clara und ihrem Freund David blühten, wenn das Team, mit dem man sich durch diesen Theaterabend "Lessons of Leaking" von machina eX knobelt und kombiniert, in sensiblen Momenten andere Entscheidungen getroffen hätte. Doch man bekommt große Lust, sich erneut auf das Abenteuer einzulassen, bei dem Clara dann vielleicht beim Einbruch in ihre Sicherheitsfirma aufflöge oder die Frauke-Petry-hafte deutsche Kanzlerin am Ende abdanken müsste, weil sich ihr Volk vermeintlich für den Verbleib in Europa entschieden hat. Doch zu viel soll hier nicht verraten werden.
Caspar Western Friedrich - Philippe Quesne macht die große Bühne der Münchner Kammerspiele zum experimentellen Museumsraum
Natur aus Kunststoff
von Tim Slagman
München, 28. Januar 2016. Mindestens zwei Geschichten lässt man sich erzählen an diesem Abend in Philippe Quesnes Uraufführung – und es sind nicht zwangsläufig die Geschichten der romantischen Kunst und des Westerns, wie es der Titel von Quesnes erstem Projekt an den Münchner Kammerspielen nahelegen würde. Die erste ist vielmehr eine Geschichte von der Leere: der lächerlichen Leere etwa, die bleibt, wo die Zeichenmaschine der Popkultur sich doppelt und dreifach in Mythologien eingeschrieben hat wie in die vom halben Gelingen der Zivilisierung eines Kontinents. Um ein elektrisches Lagerfeuer sitzen die Cowboys Peter Brombacher, Johan Leysen, Stefan Merki und Franz Rogowski mit dem Cowgirl Julia Riedler, sie singen vor der schwarzen Bühnenwand von "pony, rifle and me" und bitten: "Whiskey, leave me alone". Franz Rogowski bekommt außerdem einen Kapuzenpulli geschenkt, das Motiv ist Caspar David Friedrichs "Wanderer über dem Nebelmeer".
Regie: Felix Rothenhäusler
Regie: Simon Stone
Regie: Susanne Kennedy
Regie: Sebastian Nübling / NO99
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