Fressen - Münchner Kammerspiele
Weißmehlfrei im Hausfrauenland
von Anna Landefeld
München, 28. April 2019. Wie ein ausgestreckter Mittelfinger: Es ist ein szenisches Manifest gegen Bodyshaming und gegen alle, die sich dessen jemals schuldig gemacht haben. Eine Stunde lang rechnet das queerfeministische Theaterkollektiv Henrike Iglesias ab. Nein, bei "Fressen", einer Koproduktion mit den Münchner Kammerspielen und dem Jungen Theater Basel, wird nicht groß drumherum geredet, sondern im allerbesten Sinne vulgär, im allerbesten Sinne aufdringlich das Kind beim Namen genannt – und ja, klar, gesittet bis hemmungslos gefressen. Vielleicht ein bisschen haudrauf? Das haben Manifeste wahrscheinlich so an sich. Es soll endlich jeder kapieren, ein für alle Mal. Und so heißen Laura Naumann, Marielle Schavan, Sophia Schroth alle Frauen ("und die sich heute als solche fühlen") zu ihrer "Kochshow" mit Shiny-Floor, Glitzervorhang und einer übergroßen, vampiresken Venusfliegenfalle in der Kammer 3 der Münchner Kammerspiele willkommen: "Auf die Fresse, fertig, los".
Drei Schwestern - Münchner Kammerspiele
Sehnsucht nach der Pusteblume
von Petra Hallmayer
München, 27. April 2019. Ein vielstimmiges Stöhnen und Ächzen erhebt sich und schwillt an. In einem Meer aus bunten, sich bauschenden und ballenden Wolken schwebt über der Bühne der Kammerspiele ein Kasten, in dem Tschechows Schwestern ihre Besucher empfangen. Mal treten Irina, Olga und Mascha schwarz verschleiert in weißen Reifröcken auf, mal stecken ihre Köpfe zu Jeans und Rollkragenpullovern in Latexmasken, blicken sie uns wie Schaufensterpuppen mit starren ausdruckslosen Gesichtern an. Die vom Körper getrennten Stimmen werden, wie stets bei Susanne Kennedy, mittels Voiceover eingespielt.
Farm Fatale - Münchner Kammerspiele
Zukunfts-Scheuchen
von Sabine Leucht
München, den 29. März 2019. Wulstige weiße Masken mit Zottelperücken, steife Beine in Gummistiefeln, Stroh, das aus Ärmeln und Latzhosenbünden quillt: Die tiefenentspannten Kreaturen Philippe Quesnes haben ein neues Outfit bekommen. Dem einen steckt ein Beil im Kopf, der andere kriegt den Mund nicht mehr zu. Und für den Moment fühlt man sich fälschlicherweise in eine Aufführung von Susanne Kennedy versetzt, denn die Stimmen hinter dem Pappmaché sind verzerrt, quäkig, synthetisch fremd als kämen sie von ganz woanders her.
Doktor Alıcı - Ersan Mondtag und Olga Bach mit ihrer Schnitzler-Überschreibung an den Münchner Kammerspielen
Proaktive in Präventivhaft
von Cornelia Fiedler
München, 24. Januar 2019. Fast die gesamte AfD-Fraktion hat am Mittwoch demonstrativ den Saal des Landtags verlassen, als Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern in einer Gedenkstunde für die Opfer der Shoa deutliche Zweifel an der Verfassungskonformität der Partei formulierte. Das ist schon jämmerlich genug. Dass sogar der Bayerische Verfassungsschutz einen Tag zuvor bekannt gegeben hatte, dass er nun – neben einzelnen AfD-Abgeordneten mit Kontakten zur rechtsextremistischen und zur Reichsbürger-Szene – auch den rechtsnationalen "Flügel" der AfD und ihre Nachwuchsorganisation "Junge Alternative" beobachtet, macht die Empörung, ja Selbst-Viktimisierung der Abgeordneten noch absurder. Wie eng die Bande zwischen Partei und gewaltbereiter rechter Szene offenbar sind, zeigt leider nicht zuletzt die Flut massiver Drohungen, mit der Knobloch jetzt, nach ihrer couragierten Rede konfrontiert ist.
Regie: Stefan Kaegi / Rimini Protokoll mit Thomas Melle
Regie: Lola Arias
Regie: Jessica Glause
Regie: Anta Helena Recke (nach Anna-Sophie Mahler)
Regie: Christopher Rüping
Regie: Oliver Zahn / Hauptaktion
Regie: Alexander Giesche
Regie: David Marton
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